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Amerikanische Medien : Versöhnt in der Irritation

  • -Aktualisiert am

Ungewohnte Kritik: Interview von Tucker Carlson mit Donald Trump. Bild: Youtube/FoxNews

Wenn Fox-News plötzlich klingt wie die Washington Post: Im Bezug auf Iran sind sich Amerikas rechte und linke Medien seltsam einig.

          3 Min.

          Der Sender Fox News, Amerikas vielzitiertes Sprachrohr der Republikaner und Stichwortgeber des amtierenden Präsidenten, findet sich angesichts des von Donald Trump angeordneten Drohnenangriffs auf den iranischen General Qassem Soleimani überraschend in einer Zwickmühle: Der Sender muss den von ihm oft gehörten Ruf nach einem Ende des „endlosen Kriegs“ im Nahen Osten mit der gezielten Tötung Soleimanis und dem Vergeltungsangriff Irans auf eine auch von Amerikanern genutzte Militärbasis im Irak versöhnen. So rangen die Moderatoren des Senders um eine Einordnung der Ereignisse. Einige, darunter der Fox-News-Starmoderator Tucker Carlson, kritisierten den Angriff und dessen Rechtfertigung scharf. Noch in der vergangenen Woche habe kein Mensch Iran als lauernde Gefahr wahrgenommen, sagte Carlson, der nach Sean Hannity der große Publikumsliebling des Senders ist. Auch kritisierte er die von Trump zitierten Informationen der Geheimdienste über einen bevorstehenden iranischen Angriff auf amerikanische Einrichtungen. „Gerade noch galten unsere Geheimdienste als politisch beeinflusst und vertrauensunwürdig“, sagte Carlson mit Verweis auf die „deep state“-These, der zufolge die Geheimdienste eine Schattenregierung bilden. „Aber jetzt vertrauen wir ihnen auf einmal vorbehaltlos und vollständig.“

          Eine ganz ähnliche Kritik an Trumps Rechtfertigung hatte die „New York Times“ formuliert: Dies seien immerhin „dieselben Geheimdienste, die Mr Trump in den vergangenen drei Jahren als parteiisch attackierte und geneigt, Beweise zu fabrizieren“, bemerkte das Blatt.

          In einer Medienlandschaft, in der sich viele Amerikaner inzwischen an zwei widerstreitende politische Realitäten gewöhnt zu haben scheinen, war dieser argumentative Schulterschluss eine echte Überraschung. Von Carlsons Kritik nahmen denn auch viele Beobachter auf der Linken erstaunt Notiz. Dort interpretierte man den Angriff auf Soleimani auch als plötzliches Dilemma für die Demokraten – jenes nämlich, in möglichen Kriegszeiten ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten und Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Vereinigten Staaten anstrengen zu wollen.

          „Irans amerikanische Propagandisten“

          Doch Carlson war bloß die lauteste Stimme bei Fox News. An anderer Stelle konnte man bei dem Sender eine verzweifelte Mühe erkennen, den Angriff auf Soleimani mit Trumps hier ebenso vielzitiertem Schlagwort „America First“ in Einklang zu bringen, das von vielen Moderatoren von Fox News zum Fundament politisch rechten Denkens erklärt worden ist. Dass sich mit der Tötung des iranischen Generals ein neuer Krieg im Nahen Osten abzeichnen könnte, steht Trumps oft wiederholter Bekräftigung gegenüber, sich aus internationalen Konflikten zurückziehen zu wollen.

          Laura Ingraham, die mit Hannity und Carlson das Abendprogramm von Fox News bestreitet, beteuerte zwar zunächst, dass Trump das Recht zu dem Militärschlag gehabt habe, flüchtete sich dann jedoch in die Denunzierung der amerikanischen Medien – CNN, MSNBC, ABC, CBS, NBC – als „Irans amerikanische Propagandisten“. Auch Sean Hannity selbst, der sich eigens aus dem Urlaub mit seiner Unterstützung für Trumps Militärschlag zu Wort meldete, sagte: „Wir können und werden Bodentruppen nicht nach Iran schicken. Das wird nicht passieren, und es ist nicht nötig.“ Es klang, wie so oft, wie eine Ermahnung Trumps – Hannity gilt als Vertrauter des Präsidenten.

          Auf Fox fürchtet man das Schlimmste

          Der Nachrichten-Veteran Geraldo Rivera, der seit 2001 bei Fox News ist, lieferte sich gar einen erhitzten Schlagabtausch mit Brain Kilmeade auf „Fox and Friends“ – jener Morgensendung, die zu Trumps täglicher Fernsehroutine gehört. Rivera klagte über „diese enorme militärische Eskalation“. Er fürchte das Schlimmste, sagte Rivera und riet Kilmeade, dieser Entwicklung „nicht für eine Minute zu applaudieren“. All dies klang hier plötzlich wie ein seltsames Echo der Kommentare linksgerichteter Medien wie der „Washington Post“ oder MSNBC.

          Mit der Erkenntnis, dass die iranischen Vergeltungs-Raketen offenbar zu keinen Verlusten geführt hatten, stellte sich am Abend dann auch bei Fox News eine gewisse Erleichterung ein. Laura Ingraham unterstrich, der Präsident habe nach dem Vergeltungsschlag der Iraner die Lage nicht eskaliert, wie in den „Mainstream-Medien“ behauptet worden sei, sondern habe vielmehr besonnen abgewartet. Dass Trumps Schlag gegen den iranischen General indes Langzeitfolgen haben könnte, darin waren sich die beiden Seiten des politischen Medienspektrums abermals seltsam einig.

          So bemerkte die „New York Times“, dass entgegen den Beteuerungen von Außenminister Pompeo Amerikaner keinesfalls sicherer seien als zuvor. „Vielmehr unterliegen Amerikaner einem größeren Risiko, angegriffen zu werden, und zwar auf einem viel weiter gefassten Schlachtfeld.“ Ganz ähnlich argumentierte Carlson: Dass das Sicherheitsrisiko für Amerikaner durch Beschwichtigung steige, wie Außenminister Pompeo bekräftigt hatte, sei vermutlich wahr, so Carlson. „Aber natürlich steigt das Terrorrisiko ebenso mit der Bombardierung fremder Länder.“

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