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Film „Die Toten vom Bodensee“ : Ich mache das alles nur für dich

  • -Aktualisiert am

Mehr Licht:Matthias Koeberlin und Nora Waldstätten als Kommissare. Bild: ZDF/Petro Domenigg

Im ZDF-Krimi „Die Toten vom Bodensee“ kommt die Kommissarin endlich dem Schicksal ihres Vaters auf die Spur. Eine Folge mit beachtlichem Sog.

          Dass Fernsehermittler mit Merkwürdigkeiten im persönlichen Umfeld konfrontiert werden, ist nicht origineller als der x-te Kindergeburtstag auf einem Indoor-Spielplatz. Aber wenn man es schon so einrichtet, dann tunlichst richtig – wie in der neuen Folge der Reihe „Die Toten vom Bodensee“.

          Wir erinnern uns: Seit Micha Oberländer (Matthias Koeberlin) und seine österreichische Kollegin Hannah Zeiler (Nora Waldstätten) im November 2014 in die Gefilde der Bodensee-„Tatorte“ einbrachen, aktiv im Osten statt im Westen des Sees, war von einem Kindheitstrauma Hannah Zeilers die Rede. Das rührt von einem Segeltörn mit tödlichen Folgen her, und man sah ihr die seelischen Wunden an. Hannah Zeilers farb- und regungsloses Gesicht wurde zum Erkennungszeichen der Reihe. Sogar eine Sphinx wurde sie deshalb genannt.

          Das biographische Thema wirkte immer etwas bemüht

          Doch das biographische Thema wirkte immer etwas bemüht und immer unstimmiger. Die sechste Folge „Der Wiederkehrer“ soll das ändern. Sie stammt vom selben Team wie die letzten Episoden – Timo Berndt, der auch für die „Friesland“-Krimis oder „Ein starkes Team“ schreibt, liefert die Drehbücher seit Folge drei, Hannu Salonen inszeniert seit Folge vier, Kameramann Jo Molitoris ist seit jeher dabei.

          Diese Folge entwickelt gerade zum Schluss hin einen beachtlichen Sog. Und die Hauptdarsteller sind ganz bei sich. Zu ihnen zählt neben Matthias Koeberlin, Nora Waldstätten und Hary Prinz als Polizist Thomas Komlatschek diesmal auch August Schmölzer. Er spielte schon in der ersten Folge 2014 den früheren Vorgesetzten Ernst Gschwendner – einen schwierigen Mann. Dieser Gschwendner ist in diesem Fall die undurchsichtigste Figur. Als sei er der neue Sheriff in der Stadt steht er plötzlich auf der „Galgeninsel“ bei Lindau, auf der ein Mann namens Johannes Leitner erschossen wurde. Die Polizeibeamten Oberländer und Komlatschek atmen erst einmal tief durch, als sie an schaulustigen Pensionären vorbei den Tatort betreten und Gschwendner erspähen.

          „Wir schaffen das aus der Welt.“

          Kollegin Zeiler liegt unterdessen im Krankenhaus. Sie hatte Johannes Leitner durch farbloses Schilf und knorrige Bäume verfolgt, bis sie von einem Wimpernschlag auf den nächsten die Spur verlor, in Panik geriet – und niedergeschlagen wurde. Dass es ihre Dienstwaffe war, aus der die tödliche Kugel kam, scheint sie nicht zu wissen, auch nicht, dass Gschwendner am Tatort ist. Beides muss nicht merkwürdig sein. Leitner könnte sich selbst mit der Waffe der Polizistin Zeiler getötet haben. Und Gschwendner ist nicht nur Zeilers beruflicher Mentor, er ist auch ihr Patenonkel. Allem Anschein nach ist er nur hier, weil sie selbst nicht ermitteln darf. Oder um seine schützende Hand über sie zu halten, falls die verhaltensauffällige Patentochter doch in Schwierigkeiten sein sollte: „Wir schaffen das aus der Welt.“

          Es könnte freilich auch einen Zusammenhang zwischen Gschwendner und dem Segelunglück der Familie Zeiler geben, dessen Umstände 1994 nicht völlig geklärt werden konnten. Damals wurde die Leiche von Hannahs Mutter gefunden, nicht aber die ihres Vaters. Als Kind hat Hannah Zeiler Fahndungsaufrufe in filzstiftbunter Kleinmädchenschrift verfasst. Die Vorstellung, der Vater könne noch leben, hat sie nie losgelassen.

          In der letzten Minute der vorhergehenden Folge hatte die Polizistin atemlos ins Telefon gerufen: „Ich hab eine Spur.“ Jetzt erfahren wir, dass Leitner diese Spur war. Von ihm erhoffte sich Hannah Zeiler Hinweise in eigener Sache, als sie ihm auf der „Galgeninsel“ hinterherlief. Ist Gschwendner nun, da Leitner plötzlich tot ist, wirklich nur wegen der Dienstwaffenproblematik so engagiert?

          Das ist eine erheblich spannendere Frage als die, ob Sabine Reubach (Stefanie Stappenbeck), Leitners naive Bekanntschaft, diesen ums Leben gebracht haben könnte. Doch auch sie trägt mit dazu bei, dass sich Hannah Zeilers Familiengeschichte in diesem atmosphärisch dichten Film allmählich entfaltet. Wir werden erfahren, was jetzt geschah und was vor Jahrzehnten wirklich los war, bevor sich Hannah Zeiler in einen Kälteblock auf zwei Beinen verwandelte. Sie wird sich ihren Albträumen stellen. Diese Folge hat „Die Toten vom Bodensee“ dringend gebraucht. Jetzt kann es von neuem losgehen.

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