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„Nacht der Wissenschaften“ : Humboldt-Uni distanziert sich von Vortrag zu Geschlecht und Gender

Absage „aus Angst vor Gewalt“

So ergeht es auch Marie-Luise Vollbrecht, die an einem Artikel der „Welt“ mitgeschrieben hatte, gegen den die Trans-Szene ebenfalls Sturm lief und auf den sich die Kommunikationschefin der Humboldt Universität nun bezieht. Die queere Jobmesse „Sticks & Stones“ hatte den Springer-Verlag, der die Veranstaltung seit Jahren unterstützt hatte, nach Erscheinen des Artikels umgehend ausgeladen. Der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner wiederum sah sich veranlasst, den Artikel als „unterirdisch“, wissenschaftlich „bestenfalls grob einseitig“ und im Ton „oberflächlich, herablassend und ressentimentgeladen“ abzukanzeln. Döpfner wandte sich zugleich gegen den Cancel-Reflex des Messeveranstalters, der Uhlala Group. Für den Gastbeitrag einer Zeitung würden „18.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieses Unternehmens pauschal in Mithaftung genommen“.

Die Doktorandin äußerte sich in der „Bild“-Zeitung. Die Absage mache sie „traurig“, wird Marie-Luise Vollbrecht zitiert. „Das Einknicken vor radikalen gewaltbereiten Aktivisten, die kein Verständnis von Biologie haben“, sei „verständlich, aber alarmierend.“ Von einer sachlichen Debatte könne man nicht mehr reden, „wenn Veranstaltungen aus Angst vor Gewalt abgesagt werden“. Der Vorfall, so Marie-Luise Vollbrecht in der „Bild“, sei ein weiteres Beispiel, „mit welchen radikalen Mitteln Genderideologen vorgehen“.

Im Internet melden sich aber auch zahlreiche Stimmen zu Wort, die Marie-Luise Vollbrecht unterstützen, etwa unter dem Hashtag #LetWomenSpeak bei Twitter, unter dem sich nicht nur zu diesem Anlass Wortmeldungen finden, die darauf verweisen, dass eine intolerante Trans-Szene insbesondere die Positionen von Feministinnen bekämpft und diese persönlich angreift, auf Demonstrationen sogar mit körperlicher Gewalt.

Auf ihrem eigenen Twitteraccount verweist Marie-Luise Vollbrecht auf die Ironie, dass die Universität den Vortrag mit dem Verweis auf Sicherheitsbedenken absage und ihr Thema gerade die Rolle der Wissenschaft auf einem Gebiet sein sollte, das voller Fake News sei. Am Nachmittag konnte man dem Vortrag bei Youtube dann folgen. Und sich die Frage stellen, warum sich die Unversität bemüßigt sieht, sich von der wissenschaftlichen Mitarbeiterin und Doktorandin zu distanzieren und ihr zu unterstellen, sie stehe nicht im Einklang mit dem „Leitbild“ und den „Werten“, welche die Humboldt Universität vertrete .

Bildungs- und Wissenschaftsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) äußerte sich in der „Bild“-Zeitung kritisch zum Verhalten der Humboldt-Universität: „Es darf nicht in der Hand von Aktivisten liegen, welche Positionen gehört werden dürfen und welche nicht“, sagte sie. Und weiter: „Wissenschaft lebt von Freiheit und Debatte. Das müssen alle aushalten.“

Der Sprecher für Forschung der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Adrian Grasse, sagte auf Anfrage von FAZ.NET: „Es ist eine bedenkliche Entwicklung, wenn an unseren Hochschulen Veranstaltungen aus Angst vor Protesten im Vorfeld abgesagt werden. Die Wissenschaftsfreiheit ist ein hohes Gut und lebt vom Diskurs, von Rede und Gegenrede. Ich werde den Vorgang parlamentarisch aufgreifen und den Senat fragen, ob er die Freiheit der Wissenschaft in Berlin in Zukunft noch gewährleisten kann.“

Auf der Webseite der Humboldt-Universität findet sich zu dem Vorgang nichts, auf der Webseite der „Langen Nacht der Wissenschaften“ ist der Eintrag zu dem Vortrag gelöscht. Auf Twitter gibt sich die Uni gut gelaunt: „Auf den Campus Adlershof, Mitte und Nord gibt es viel zu entdecken“, heißt es da: „Stoffe der Zukunft, HU-Startups, ein Würfel, der das gesamte Wissen der Physik enthält und mehr“.

Oder: „Gerade saß schon die Ernährungskrise auf dem Sessel. Als nächstes darf die Wasserkrise über ihre Probleme sprechen. Kommt vorbei und hört euch an, was die Krisen der Natur gerade beschäftigt.“ Das Motto der „Langen Nacht der Wissenschaften“ lautet: „Alles auf Anfang: Krisen. Wissen. Lösen. Die Humboldt-Universität stellt Lösungsansätze aus der Wissenschaft vor.“

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