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Zerschlagung von hr2 : Ist das Kulturfunk, oder kann das immer noch weg?

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Joachim Unseld.
Joachim Unseld. : Bild: Frank Röth

Wer sagt ihm denn, dass die bisherigen heterogenen, zeitabhängigen, linearen und doch so attraktiven Wortbeiträge nicht gefragt sind? Die heftige Gegenreaktion der Hörer müsste ihm doch etwas mitteilen. Ich habe Respekt vor den Sorgen des Arbeitgebers Krupp, der sich über Geldzufluss, das Lebenswerk seiner Mitarbeiter und deren als Rücklage in der Bilanz zu bildende Altersvorsorge Gedanken macht. Aber mit Qualitätsanspruch hat das nichts zu tun. Vielleicht sogar geht Herr Krupp am Wunsch seiner Hörer völlig vorbei, vielleicht wollen Hörer keine „zeitunabhängige nonlineare mobile Nutzung“, die man „gezielt“ in Podcasts et cetera sucht und findet. Vielleicht sind nicht alle Menschen von einem „Virus“ befallen und wollen dauernd schneller an Inhalte kommen, die sie suchen, wie Herr Krupp sagt. Vielleicht wollen Hörer gar nicht in versteckten elektronischen Nischen suchen, sondern überrascht werden von Neuem, Unerwartetem. Vielleicht wollen geistanregende Inhalte einfach nur – wie zufällig auch immer – gefunden werden und nicht in die viel zu vielen versteckten Internetnischen abgeschoben und dort mühsam gesucht werden. Gerade heute in der Zeit digitaler Wirrnis, Verunsicherung und Fake News brauchen wir einen hr2, wie er bereits ist. Mit Intelligenz, Vielfalt und viel guter Sprache.

Joachim Unseld ist Verleger, er leitet die Frankfurter Verlagsanstalt.

Thomas Frickel

Vielfalt statt Einfalt

Ein gelegentlicher Blick in den Rundfunkstaatsvertrag würde dem Hörfunkdirektor des Hessischen Rundfunks guttun. Denn die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, so heißt es da in Paragraph 11, haben „Beiträge insbesondere zur Kultur anzubieten“. Und an anderer Stelle wird beispielhaft erklärt, was damit gemeint ist: Hörspiele, Philosophie und Religion, Literatur – und manches mehr. Jedenfalls nicht die Verengung auf einen Wohlfühl-Dudelfunk für Bildungsbürger nach dem Muster des privat betriebenen „Klassik-Radios“. Auch die Berufung auf gesunkene Hörerzahlen hat in der Logik unseres öffentlich finanzierten Rundfunksystems nichts zu suchen. Denn ein öffentlich-rechtlicher Sender wie der Hessische Rundfunk steht nicht im Wettbewerb um Marktanteile, sein Gebührenprivileg dient vielmehr der Abbildung und Sicherung inhaltlicher, thematischer und künstlerischer Vielfalt. Dass diese Vielfalt immer mehr durch Einfalt verdrängt wird, sollten wir, die Beitragszahler, nicht hinnehmen – und die Rundfunkräte, die unsere Interessen gegenüber dem Sender vertreten sollen, hoffentlich auch nicht!

Thomas Frickel.
Thomas Frickel. : Bild: Picture-Alliance

Thomas Frickel ist Dokumentarfilmer. Er ist Vorsitzender und Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok) in Frankfurt.

Hauke Hückstädt

Für die Jüngeren und die Älteren

Als jemand, der Programme für viele machen möchte und in gewisser Weise mit diesen Programmen, aber auch mit diesen vielen lebt, ist mir eines vor allem klar: Man kann kein Programm gegen das Publikum machen. Und wenn so viele weghören oder zumindest über Jahre nicht mehr zuhören, dann müssen sich Programme auch ändern dürfen. Da gilt es den Redakteuren und auch der Senderleitung etwas zuzutrauen. Was wir jetzt erleben, kommt mir vor wie die Folgen von Innovationsstau und Investitionsmangel, den wir ja keinesfalls nur beim Hörfunk erleben, sondern nahezu in allen Bereichen, im Bildungsbereich, im Mobilitätssektor, im Ausbau vom Radwege- und Bahnnetz und auch im Bereich einer fortschrittlichen Literatur- und Lesevermittlung.

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