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Rundfunkrat zu HR-Umbau : Ja, aber

Die aktuelle Bandbreite von hr2 Kultur. Bild: HR

Der Rundfunkrat verhält sich abwartend zu den Umbauplänen des Hessischen Rundfunks. Die angepeilte jüngere Zielgruppe wird begrüßt, die aktuellen Umsetzungspläne stoßen auf Skepsis.

          Der Rundfunkrat des Hessischen Rundfunks ist in Fragen der politischen Rhetorik bewandert und weiß, wie man eine Kontroverse, die weder in reinen Dissens noch in vollständigen Konsens mündet, am Ende so protokolliert, dass niemand sein Gesicht verliert. Nach der Sitzung vom vergangenen Freitag war die Kunst der in dieser Hinsicht geschliffenen Rede gefragt.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Denn da waren die Umbaupläne der HR-Senderführung besprochen worden. Der Rundfunkrat, heißt es in der offiziellen Stellungnahme des Gremiums, „unterstützt mit deutlicher Mehrheit die Initiative der Geschäftsleitung des HR, die Möglichkeiten zur digitalen Nutzung seiner Angebote, zum Beispiel auch im Bereich der Kulturberichterstattung, auszubauen und die Attraktivität für jüngere Zielgruppen zu erhöhen“.

          Dass damit jedoch nicht gemeint ist, man nehme einmütig wohlwollend zur Kenntnis oder unterstütze gar aktiv, dass der Sender das lineare Programm von hr2-Kultur abschaltet, durch eine „Klassik-Welle“ ersetzt, Sendungen in Serie einstellt und kulturelle Wortbeiträge künftig nur zum Abruf im Internet anbietet, drückt der Rundfunkrat ebenfalls aus, und zwar sehr deutlich: „Kulturelle Hervorbringungen und die Kulturberichterstattung gehören zum Kern des öffentlich-rechtlichen Auftrags. Dabei ist Kultur für den Rundfunkrat nicht nur Musik, sondern auch Literatur, die Kultur des Hörens und Zuhörens und der gesellschaftliche Diskurs.“

          Zweifel an der Art und Weise

          Mit „Kultur des Hörens und Zuhörens“, Literatur, Musik und dem Beitrag zum „gesellschaftlichen Diskurs“ ist ziemlich gut beschrieben, was ein kulturelles Vollprogramm wie hr2-kultur macht und auszeichnet. Entbehrlich finden dies die 32 Rundfunkräte des HR, wie sich erweist, ganz und gar nicht.

          Es sei engagiert und kontrovers diskutiert worden, berichten Teilnehmer der nichtöffentlichen Sitzung. Hinterfragt werde nicht, dass sich der Hessische Rundfunk mit seinem gesamten Programm – Radio, Fernsehen und Internet – auf die Digitalisierung einstellen und um ein junges Publikum kämpfen wollte, sondern wie dies geschehe, gerade mit Blick auf die besonderen Qualitäten des bestehenden Programms.

          Dass man sich für dieses von außen um seiner selbst willen einsetzt, kann sich der Intendant des Hessischen Rundfunks, Manfred Krupp, dem Vernehmen aus der Sitzung nach offenbar nicht so ganz vorstellen. Die Kritik an einer möglichen Abschaltung von hr2-kultur jedenfalls, wie sie von vielen Seiten in dieser Zeitung vorgetragen wurde und wie sie einer Online-Petition zum Erhalt von hr2-Kultur zugrunde liegt, scheint er sich nicht ohne dunkle Hintergedanken derjenigen denken zu können, die diese Kritik zum Ausdruck bringen. Womit der Intendant dem weitverbreiteten ARD-Framing folgt, sobald es um Grundsatzfragen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks geht, vom Kern der Sache abzulenken, indem man Sachdebatten von vornherein zu Moralschlachten verformt.

          Die weiteren Schritte abwarten

          Der Rundfunkrat will jedenfalls ein Auge auf die weitere Entwicklung haben. Man begrüße die „Zusicherung, dass alle weiteren Schritte zur Ausgestaltung der Programminitiativen in einem strukturierten Prozess unter Beteiligung der Beschäftigten und in enger Abstimmung mit den Gremien in den nächsten Sitzungen des Rundfunkrats und insbesondere auch in seinen Ausschüssen beraten werden“, heißt es offiziell.

          Gleich Ende September wären Manfred Krupp und der Hörfunkdirektor Heinz-Dieter Sommer, die für h2-kultur dezidiert keinen „Plan B“ verfolgen und ihr Unterfangen mal eben so in der Sommerpause unter ihre Mitarbeiter und an der Öffentlichkeit vorbei bringen wollten, bei der nächsten Sitzung des Rundfunks also wieder gefragt. Dass es gewisse „Kommunikationsprobleme“ gab, habe der Intendant selbst eingeräumt, hieß es nach der Rundfunkratssitzung.

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