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Reform von ARD und ZDF : Digital muss sein

  • -Aktualisiert am

Der Intendant des Hessischen Rundfunks, Manfred Krupp Bild: HR/Ben Knabe

Die Politik modernisiert den Auftrag von ARD und ZDF. Die Sender brauchen viel mehr Freiheiten. Nur so bestehen sie gegen die Konkurrenz im Netz. Ein Gastbeitrag.

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          Im Jahr 1984 wurden mit Sat.1 und RTL+ in Deutschland erstmals kommerzielle Fernsehsender zugelassen. Das war eine dramatische Zäsur für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. 1984 habe ich (als Volontär) im Hessischen Rundfunk begonnen und miterlebt, wie mein Sender die Konkurrenz anfangs maßlos unterschätzt hat und danach in Teilen von der Entwicklung erst einmal überrollt wurde. Anschließend hat das duale System der Rundfunklandschaft in Deutschland über drei Jahrzehnte lang ein hohes Maß an Stabilität und Qualität gegeben. Und auch heute müssen wir als öffentlich-rechtlicher Rundfunk uns nicht verstecken: Achtzig Prozent der Menschen nutzen Tag für Tag Angebote des ARD-Verbundes. Trotzdem ist das duale Rundfunksystem aus dem Gleichgewicht geraten: Internationale Konzerne mit einer schier unglaublichen Marktkapitalisierung dominieren heute den Streamingmarkt und Social Media.

          Die ARD stellt sich dieser Herausforderung. Aus einer nicht rechtsfähigen Arbeitsgemeinschaft unabhängiger Landesrundfunkanstalten hat sich ein crossmedialer, integrierter, föderaler Medienverbund entwickelt, der sich auf Kooperation und Innovation verpflichtet hat. Die digitalen Angebote werden in den sogenannten Big Five (Mediathek, Audiothek, tageschau.de, sportschau.de, Kinderkanal) gebündelt. Die Entscheidungsgremien für die digitale Ausrichtung wurden nicht nach Hierarchie und Proporz, sondern nach Kompetenz und Kreativität besetzt. Im Jahr 2020 hat tagesschau.de die Nutzerzahlen gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt, die Nutzung der ARD-Mediathek hat sich trotz aller noch bestehenden Defizite bei Suchfunktion und Personalisierung fast verdoppelt.

          Erfolgreich auf Youtube

          Im gleichen Jahr war das ARD-Angebot bei Youtube das erfolgreichste eines Public Broadcasters in Europa mit fünf Milliarden Views, davon war rund die Hälfte der Nutzer jünger als 34. Die Tagesschau erreicht mit einem Angebot auf TikTok eine eher politikferne junge Nutzerschaft. Selbst regionale Angebote wie die Hessenschau haben inzwischen rund 250000 Abonnenten bei Instagram. Ziel des ARD-Engagements auf Drittplattformen muss es sein, die Menschen für die eigenen Angebote zu öffnen und dort nachhaltig zu binden.

          Solche Erfolge sind nur möglich durch konsequente Priorisierung und das Umschichten von Mitteln. Beispiel Hessischer Rundfunk: Der hr hat sich von seinem in der Zielgruppe erfolgreichen Angebot boerse.ard.de verabschiedet und dieses in tagesschau.de integriert, um eine breitere Nutzerschicht anzusprechen und Finanzmarkt- und Wirtschaftsberichterstattung noch enger zu verknüpfen. Das hr-fernsehen hat bei seiner Bewegtbildstrategie entschieden, nach und nach alle Formate, die ab 20.15 Uhr ausgestrahlt werden, so auszurichten, dass sie vor allem die Nutzer der Mediathek ansprechen. Das bedeutet auch einen Abschied von manchen traditionellen Magazinen mit Moderation und einem breiten Themenspektrum hin zu mehr Reportagen, Features und Dokumentationen, die ein Thema in seiner ganzen Bandbreite aufgreifen. Gleiches gilt für neu entwickelte Podcasts wie „Jung.Macht.Politik“ von hr-iNFO, die für die Audiothek produziert werden und sich an inhaltlichen Herausforderungen und nicht an starren Zeitschemata orientieren. Für das Radio werden sie später umformatiert. All das sind Antworten auf die rasant veränderte Mediennutzung, aber sie bleiben einer Perspektive verhaftet, die das Digitale aus der linearen Welt her definiert und deshalb zwangsläufig an Grenzen stoßen muss.

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