https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/house-of-the-dragon-startet-bei-sky-das-naechste-game-of-thrones-18255762.html

Serie „House of the Dragon“ : Schwerter zu Sitzmöbeln

Wer rastet, der rostet: Daemon Targaryen (Matt Smith) sitzt Probe auf dem vielleicht unbequemsten Herrschersitz der gesamten Fantasygeschichte. Bild: Sky/HBO

Mit „House of the Dragon“ veröffentlicht HBO die nächste Erzählung aus George R. R. Martins „Game Of Thrones“-Universum. Nicht nur für den Sender hängt viel am Erfolg der Serie, die es schwer hat, sich aus dem mächtigen Schatten ihres Vorgängers zu lösen.

          5 Min.

          Für eine Serie, in der enttäuschte Erwartungen, Neid, Missgunst und Zorn eine große Rolle spielen, ist es nicht die schlechteste Publicity, wenn es am Ende auch außerhalb ihrer Welt ein bisschen Drama um sie gibt. Das klingt dann etwa so: „Wenn sie ihr eigenes Versagen wirklich nicht sehen, dann könnte das ein steiniger Weg werden.“ Die „Autoren wurden zu selbstsicher und haben angefangen zu schreiben, als wüssten sie, was das Publikum sehen will, anstatt aus der Welt heraus zu berücksichtigen, was die Charaktere aus ihrer Sicht wirklich tun würden. [...] Das Duo, dessen Name nicht genannt werden soll, hat die Show als kommerzielles Produkt betrachtet, anstatt als lebendiges, gemeinschaftliches Kunstwerk.“ „Ich habe all mein Interesse am Franchise verloren, nachdem, erstens, der Autor komplett da­rin versagt hat, seine Bücher fertigzuschreiben und, zweitens, nach dem Totalversagen der Showrunner, eine verständliche finale Staffel zusammenzustellen.“

          Axel Weidemann
          Redakteur im Feuilleton.

          Die Zitate stammen aus Kommentaren zu einem Artikel der „New York Times“ mit dem Titel: „Kann ‚House of the Dragon‘ HBOs nächstes ‚Game of Thrones‘ sein?“ In der Nacht von Sonntag auf Montag startet die erste Auskopplung aus dem „Thrones-Universum“, die etwa 200 Jahre vor den Ereignissen in „Game of Thrones“ spielt. Dann wird die Frage, die sich Fans und Senderbosse gleichermaßen stellen dürften, beantwortet: Passt das?

          Als der Überraschungserfolg von „Game of Thrones“ (die Serie gewann mehr Emmys als jede vor ihr) 2019 nach acht Staffeln in ein Finale mündete, das Fans als überhastet empfanden, machten sie ihrem Unmut im Netz so sehr Luft, dass selbst der Autor der zugrundeliegenden Buchreihe „A Song of Ice and Fire“, George R. R. Martin, zurückruderte. Er sei von den Showrunnern Benioff und Weiss zuletzt außen vor gelassen worden und wisse nicht, warum. Zur Geschichte gehört aber auch, dass er mit der Fortschreibung der Reihe nicht fertig wurde, während die Serie seine Erzählung vom Kampf um den eisernen Thron der sieben Königreiche von Westeros überholte. Er habe, erklärte Martin unlängst, „ein ganz anderes Ende“ in petto. Und das, obwohl er die Richtung und das Ende der Show lange vor Entstehung der finalen Staffel eng mit den Showrunnern abgestimmt haben soll.

          Ge­neralüberholung für „A Song of Ice and Fire“?

          Die Vermutung liegt nahe, dass er sich mit der Serie, deren Verfilmung HBO erst nach vielen Körben unternahm, selbst ein Drachenei ins Nest gelegt hatte, aus dem etwas schlüpfte, das sich seiner Kontrolle entzog. Und so wird es auch daran liegen, dass „A Song of Ice and Fire“ einer Art Ge­neralüberholung bedurfte, um es ge­gen die Wut enttäuschter Fans zu imprä­gnieren, die von HBO in einer Petition gar ein Remake der letzten Folgen von „Game of Thrones“ forderten.

          Für den Sender hängt alles an „House of the Dragon“. Denn mittlerweile konkurrieren nicht nur einzelne Serien auf dem Streamingmarkt, sondern ganze Universen. „Star Wars“, das „Marvel Cinematic Universe“, die Comics von „DC“, der „Herr der Ringe“, „Game of Thrones“ und was von den Sendern und ihren Inhalte-Scouts noch ausgegraben wird. Der „New York Times“ sagte HBOs „Chief Content Officer“ Casey Bloys, er glaube zwar nicht, dass die Serie so viele Zuschauer locke wie in den besten Zeiten von „Game of Thrones“ (das Finale sahen mehr als 20 Millionen Menschen), doch hoffe er, es werde das Fundament für künftige Spin-offs gelegt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein städtischer Wideraufbautrupp in Mykolaiv 60 Kilometer südöstlich von Cherson Ende August

          „Referenden“ in der Ukraine : „Ich gehe da nicht hin“

          Putin will Russlands Eroberungen im Osten und Süden der Ukraine annektieren. Dafür soll es jetzt fingierte Volksabstimmungen geben, aber eine Frau in Cherson sagt Nein. Ein Protokoll.
          Schon im Frühjahr mussten viele ­Flüchtlinge in  Turnhallen ausharren.

          Steigende Zahlen : Die neue Flüchtlingskrise

          Immer mehr schutzsuchende Menschen kommen nach Deutschland. Mancherorts werden die Schlafplätze knapp – und gleichzeitig kratzen Inflation und Gasknappheit an der so oft beschworenen Solidarität.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.