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„House of Cards” in China : Chinesen mögen die Palastrevolution

  • -Aktualisiert am

In China mag man sie: Kevin Spacey als Francis Underwood und Robin Wrigh als Clair Underwood Bild: AP

Die Webserie von dem teuflischen Politiker Frank Underwood, der ins Weiße Haus marschiert, ist in China ein Renner. Und das, obwohl China in der Geschichte gar nicht gut aussieht.

          Auch die zweite Staffel der amerikanischen Serie „House of Cards“ ist in China ein großer Erfolg. Mehr als acht Millionen Chinesen haben sie schon wenige Tage nach dem Start auf der Webseite von Sohu gesehen, die die Rechte erworben hat; auf einer Ranking-Liste des Webforums Douban bekam die Serie 9,6 von zehn Punkten.

          Mark Siemons

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Diese Anerkennung ist um so bemerkenswerter, als die neue Staffel der Geschichte von dem ins Weiße Haus marschierenden Kongressabgeordneten Frank Underwood auch China nicht in gutem Licht erscheinen lässt. Es kommt nicht nur ein dubioser chinesischer Milliardär darin vor, der sich Verbindungen zum Politbüro zuschreibt, es geht um Internetspionage, Währungsmanipulationen und Chinas Streit mit Japan im Südchinesischen Meer. Doch China wird nach Meinung chinesischer Blogger so korrekt dargestellt, dass einer sich sogar fragt, ob die Drehbuchautoren einen Undercoveragenten in der Partei hätten.

          In der Staatszeitung „China Daily“ meint der Amerika-Forscher Zhang Guoqing von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, die Serie markiere eine Abkehr von der Dämonisierung Chinas in früheren amerikanischen Filmen und den Durchbruch einer „objektiven Sicht“. Die Resonanz führt der Filmkritiker Raymond Zhou auf die traditionelle chinesische Vorliebe für Palastintrigen zurück; außerdem erhofften sich viele Zuschauer Einblicke in das Innere des Politikbetriebs in Washington. Auch bei Funktionären kommt „House of Cards“ gut an. Schon im vergangenen Jahr, als die erste Staffel 24 Millionen Zuschauer in China erreichte, hatte sich das für Korruptionsbekämpfung zuständige Politbüromitglied Wang Qishan laut der Hongkonger Zeitschrift „Phoenix Weekly“ als Fan der Serie bekannt.

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