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Hotelgeschichte als TV-Film : Das Grandhotel am deutschen Abgrund

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Herberge der Schönen und Reichen

Ein „charismatischer, schneidiger Kerl, der gut bei den Frauen ankommt, von seinem Vater aber nie richtig ernst genommen wird“, erklärt Ferch. Nun erbt er das Hotel, und fortan ist seine Geschichte eng an dessen Schicksal geknüpft. Der Aufstieg in den Zwanzigern, in denen Prominenz und Adel aus aller Welt im Adlon logierten, angefangen beim Zaren von Russland bis hin zu Henry Ford, John D. Rockefeller und Charlie Chaplin.

Die dreißiger Jahre bringen den Niedergang, weil die amerikanischen Gäste zunehmend ausbleiben und die Nazis lieber im Kaiserhof gegenüber der Reichskanzlei feiern. Vollkommen unbeschadet hat das Hotel den Zweiten Weltkrieg überstanden, ehe es im Mai 1945 aus ungeklärten Gründen fast komplett niederbrannte. Das Feuer zerstörte nicht nur das Gebäude, sondern auch das Lebenswerk von Louis Adlon. Er hat den Verlust nie verwunden und starb zwei Jahre später. Nur ein Seitenflügel überstand das Inferno. Zu DDR-Zeiten wurde nur noch dieser Teil als Hotel und Restaurant genutzt, 1984 aber wegen des starken Verfalls abgerissen.

Nach dem Fall der Mauer entstand in den neunziger Jahren an derselben Stelle das neue Hotel Adlon, durchaus in architektonischer Anlehnung an den Vorgängerbau. 1997 eröffnet, ist es das erste Haus der Hauptstadt. Herberge der Stars und Sternchen, der Schönen und Reichen. „Die Geschichte des Adlon spiegelt unheimlich viel deutsche Zeitgeschichte“, sagt auch Ferch, „zudem ist das Drehbuch sehr spannend und mit viel Sexappeal.“

Das Pierrotmädchen und der Tänzer

Oliver Berben nennt die Produktionszahlen: 270 Minuten Film, 103 Rollen, Komparsen noch nicht mitgezählt. Auf der Besetzungsliste: Neben Ferch und Marie Bäumer etwa Josefine Preuß, Ken Duken, Thomas Thieme, Jürgen Vogel, Sunnyi Melles, Wotan Wilke Möhring, Katharina Wackernagel und Burghart Klaußner. Der Fuhrpark ist aneinandergereiht zwei Kilometer lang und transportiert unter anderem Requisiten und Kostüme aus allen Epochen des zwanzigsten Jahrhunderts, weil oft an einem Ort und an einem Tag verschiedene Zeitabschnitte gedreht werden. Bis Ende September wird noch in Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Bayern gedreht, das Budget beträgt zehn Millionen Euro. Finanziert wird das Projekt vom Fernsehspiel des ZDF, dem Medienboard Berlin-Brandenburg, der Film- und Medienstiftung NRW und dem Film Fernseh Fonds Bayern.

Der rote Faden der Geschichte wird allerdings nicht durch die Adlons, sondern durch zwei fiktive Figuren erzählt: das Pierrotmädchen Sonja Schadt, gespielt von Josefine Preuß („Türkisch für Anfänger“), und Julian Zimmermann, den Tänzer im Indianerkostüm, verkörpert von Ken Duken („Laconia“, „Inglourious Basterds“), der spätestens seit dem Fernsehfilm „Das Wunder von Kärnten“ von 2011 in die allererste Schauspielerriege gehört. Julian, ein linker Journalist, sei „ein Typ, der auf der einen Seite ein sehr gewissenhafter, emotionaler und auch sehr moralischer Mensch ist, auf der anderen Seite läuft er mit offenen Armen dem Sonnenuntergang entgegen und sieht das Gewitter hinter sich nicht“, beschreibt Duken seine Figur.

Sonja und Julian: Über fast sieben Jahrzehnte hinweg werden sie sich immer wieder finden und verlieren. Ganz von ferne und wohl nicht ohne Absicht erinnert das Schicksal der beiden an jenes von Rose (Kate Winslet) und Jack (Leonardo di Caprio) in James Camerons „Titanic“. Nur, dass im Fall des Adlon und trotz allen Aufwands eben alles auch ein bisschen kleiner ist: Titanic Unter den Linden eben.

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