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Boom des Horror-Genres : Familie bleibt der Albtraum

  • -Aktualisiert am

Nur wer flüstert, überlebt das Grauen: Emily Blunt (links) und Millicent Simmonds in „A Quiet Place“. Bild: dpa

Das Horrorgenre boomt, besonders bei Netflix & Co. Was sagt die Lust am Grusel über das Streaming-Zeitalter – und über uns?

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          Der Kungsleden in Lappland trägt einen Namen, der einen argwöhnisch machen sollte. Das schwedische Wort für „Königsweg“ hört sich jedenfalls ein bisschen danach an, dass man in den Birkenwäldern und an den idyllischen Seen im hohen Norden Skandinaviens nicht nur auf gute Luft und ausgedehnte Funklöcher stoßen könnte, sondern auch auf Wildlinge oder gar Weiße Wanderer. Auf jeden Fall empfiehlt es sich, den ausgeschilderten Weg nicht zu verlassen. Genau das ist jedoch der Fehler, den vier Briten in dem Horrorfilm „The Ritual“ begehen. Sie suchen eine Abkürzung durch den Wald und laufen in eine Falle. Denn zwischen die vielen Bäume dringt die Sonne nur unzureichend, und damit sind hier beste Bedingungen gegeben, dass etwas überleben konnte, was in Sachen mythologischer Komplexität zwar einen Vergleich mit „Game of Thrones“ nicht bestehen würde, aber immer noch reicht, um dem Publikum einen Schrecken einzujagen.

          „The Ritual“ spielt mit einigen der ältesten Motive der einschlägigen Genres: Es gibt eine unheimliche Kreatur (ein Mischwesen), ein grausamer Kult, und dazwischen ein paar moderne Zeitgenossen, die so wirken, als hätten sie noch nie einen Horrorfilm gesehen. Denn sie tun all das, was geübte Zuschauer als Fehler dechiffrieren können. Und geübte Zuschauer gibt es viele, denn das Horrorgenre ist so etwas wie ein unverrückbarer Grundbestandteil der imaginären Welten, die uns umgeben. Das schlägt sich auch im Programm des Streamingportals Netflix nieder, wo „The Ritual“ nur eines von vielen Beispielen für eine neue B-Film-Industrie ist: Gedreht wurde in Rumänien, die Schauspieler sind zweite Wahl, die Geschichte ist genau in dem Maß originell, dass es für eineinhalb Stunden schaurigen Zeitvertreib (und ein paar unbehagliche Traumreste am nächsten Morgen) reicht.

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