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ARD-Dokudrama über Hans Albers : Hoppla, jetzt geh ich

Sagen, was war: Bei ihrer Aussprache in seiner Villa am Starnberger See sparen Hansi Burg und Hans Albers kein Thema aus. Bild: NDR/Zeitsprung

Nummernrevue in Naziland: Das ARD-Dokudrama „Die Liebe des Hans Albers“ betrachtet die Beziehung zu dessen jüdischer Lebensgefährtin Hansi Burg und dem NS-Regime.

          3 Min.

          „In 24 Stunden“, sang Hans Albers, „kann so viel geschehen. Es ist so viel auf einmal, man kann es kaum verstehen.“ Jeder Film, der die unerbittliche Abfolge der vielen 24-Stunden-Schleifen eines Menschenlebens auf neunzig Minuten verdichten will, wagt etwas Unmögliches. Regisseur Carsten Gutschmidt und der Drehbuchautor Dirk Eisfeld haben sich in diesem Fall das Leben und die Liebe eines der berühmtesten deutschen Volksschauspieler vorgenommen. Entstanden ist ein sogenanntes Dokudrama: „Die Liebe des Hans Albers“.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Dieses versucht die Frage zu beantworten, wem die titelgebende Liebe des 1891 in Hamburg-St. Georg geborenen Schlachtersohns eigentlich galt – ihm selbst oder auch seiner Lebensgefährtin, der jüdischen Schauspielerin Hansi Burg. Diese floh 1939 nach England, während Albers weiter für die Ufa Filme produzierte wie „Carl Peters“ (1941) über den gleichnamigen Rassisten, Kolonialisten und Menschenschinder, dessen Gedanken, wie Hitler einst anerkennend vermerkte, dem Dritten Reich bereits Jahre zuvor „nahestanden“.

          Erzählt wird diese Beziehung auf drei Ebenen. Die erste ist im Jahr 1946 angesiedelt. Hansi Burg (Picco von Groote, ein Lichtblick in diesem Film) lässt sich in englischer Uniform zu Albers’ Villa am Starnberger See fahren und muss dann erst einmal seine aktuelle Begleitung verabschieden – weil er sich nicht traut: „Schick du sie weg, wenn du es kannst.“ Sie kann (das glaubt man von Groote). Und dann versuchen zwei Menschen unter Zuhilfenahme von literweise Cognac, Zigaretten und Morphium-Ampullen wieder zueinanderzufinden, irgendwie an dem vorbeizukommen, was zwischen ihnen steht: der Holocaust, der Weltkrieg, und Albers’ „es muss doch weitergehen“.

          Albers wird als übergroßer Lausebengel präsentiert

          Auf der zweiten Ebene spulen sich Szenen ab, die sich bemüht geben, Hans Albers’ Wirken im Dritten Reich zu begreifen, und Hansi Burg fast ein wenig zu seinem Gewissen degradieren. Ken Duken spielt Albers als einen Menschen, der beinahe jeden Satz mit einem Fingerschnippen beginnt und dessen schauspielerische Akzente meist auf einzelne Vokabeln wie „Mensch“ und „Kinnas“ reduziert bleiben. Und obwohl Originalaufnahmen zeigen, wie die gedankliche Seuche des Regimes sich immer stärker ausbreitet, wird Albers als übergroßer Lausebengel präsentiert, dem der „braune Spuk gestohlen“ bleiben kann, der schlicht „kein politischer Mensch“ sein will und doch „durch und durch deutsch“ ist. Sein Widerstand besteht im Nichterscheinen bei den Festakten der Reichsfilmkammer und dem Düpieren des Sonderbeauftragten für „Kulturpersonalien“ im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, Hans Hinkel.

          Auf einer dritten aus der Zeit gelösten Zwischenebene sitzen von Groote und Duken als Hansi und Hans in einer Art Interviewformat, in dem man in Dokudramen sonst echten Zeitzeugen sieht, und bekommen Antworten auf Fragen in den Mund gelegt, die ihre Figuren mit einem Mal hohl wirken lassen. Denn das, was diesen Formaten normalerweise Kraft verleihen soll, das Gespielte und das authentisch Erlebte, wird hier schlicht verschmolzen: Von Groote und Duken müssen auch noch die Zeitzeugen mimen, die sie nicht sind. Wenn Albers-Duken sagt, „ich habe mehr getan, als meine Kollegen – hab ich“, dann weiß man als Zuschauer bald nicht mehr, ob hier Hans Albers gezeigt werden soll, wie er sich selbst in die Tasche lügt, oder ob der gesamte Film das Volksidol doch irgendwie aus dem Dreck ziehen will. Den Widerspruch zwischen Albers „Verachtung“ des Regimes, die der Film als Desinteresse darstellt, und dem Nutzen, den er aus ihm zieht, kann sicher kein Film auflösen – aber greif- oder zumindest erahnbar machen kann es dieser Versuch auch nicht.

          Und so nahe die Kamera den Gesichtern der beiden auch kommt, als Figuren bleiben sie Behälter für Anekdoten und Fragen, die sich Autoren bei der Betrachtung dieser Beziehung gestellt haben mögen. Das hat fast etwas Anmaßendes. Und obwohl Albers hier selbst die Frage stellt – „wer redet denn so?“ –, hören sich die Dialoge zwischen „Mann“ und „Mädel“ auch so an. Geschwiegen wird nur, wenn bedeutungsschwer geraucht oder getrunken wird. Auch das elende Klavier, das an vielen Stellen nachhelfen soll, hat nicht den Mut zur Stille. Dazwischen sehen wir eine Revue Albers’ berühmtester Nummern.

          So wird auch Hans Albers noch einmal ein wenig aufpoliert und darf sich brav ins filmische Wachsfigurenkabinett des öffentlich-rechtlichen Rundfunks einreihen, einem Ort, an dem sowohl die Erinnerung als auch das Vergessen stets fein säuberlich laminiert wird: „Auf Matrosen ohé! Einmal muss es vorbei sein, Einmal holt uns die See. Und das Meer gibt keinen von uns zurück.“

          Die Liebe des Hans Albers, 21.45 Uhr, ARD

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