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Perez Hilton : Hollywoods meistgehasstes Klatschmaul

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Lavandeira fing im September 2004 an zu bloggen, „weil ich lauter Freunde in der Entertainment-Industrie hatte und es mir kinderleicht vorkam“. Louella Parsons begann ihre Karriere 1914 im Bahnhof von Chicago, wo sie Stars auf der Durchreise von New York nach Los Angeles abfing und interviewte. Lavandeira erhielt seinen Ritterschlag schon nach sechs Monaten, als ihn die ABC-Sendung „The Insider“ als „Hollywoods meistgehasste Website“ bezeichnete. Louella Parsons brauchte acht Jahre, bis der Verleger William Randolph Hearst den Unterhaltungswert einer Klatschkolumne über Filmstars erkannte und ihr einen Job anbot.

Louella Parsons war zwar nicht die erste Promijournalistin der amerikanischen Zeitungslandschaft – im späten neunzehnten Jahrhundert hatte Ward McAllister den Begriff der „Vierhundert“ geprägt, jenes nach seinem Urteil erlesenen Zirkels von wirklich bedeutsamen Menschen in der New Yorker Society. Louella Parsons erkannte früher als andere in den Machern und Gesichtern der Filmindustrie die Ersatz-Aristokratie des zwanzigsten Jahrhunderts. Als sich Hollywoods erstes Traumpaar, Mary Pickford und Douglas Fairbanks, 1933 trennte – Fairbanks hatte eine Affäre mit dem aristokratischen Model Lady Sylvia Ashley –, war es Parsons, die die schockierende Nachricht veröffentlichte. Sie stieg im Hearst-Imperium zu einer der einflussreichsten Reporterinnen auf: Sie attackierte Rita Hayworth und Mae West für ihre offensive Sinnlichkeit und Charlie Chaplin und Orson Welles für ihren kritischen Geist. Sie ließ sich von Filmstudios für das Verschweigen skandalöser Geschichten bezahlen, und sie schonte befreundete Stars. Louella Parsons war die Klatschreporterin schlechthin – eine selbsternannte Hüterin der Moral, inklusive aller Doppelbödigkeiten.

Das Prominenz-Niveau sinkt

Lavandeiras unverschämte Verdikte stehen ganz in Parsons’ Tradition, auch wenn er sich Vergleiche mit gebotenem Snobismus verbittet. „Ich bin anders als alle anderen – ich mache einfach, was mir Spaß macht.“ Etwa, ein Foto von Robbie Williams mit einem vieldeutigen Rinnsal am Mundwinkel zu verzieren. Oder die jüngsten Gerüchte über „Cokate & Doperty“, Kate Moss und Pete Doherty, zu melden.

Dass die Objekte seiner Klatschbegierde oft nichts vorzuweisen haben denn ihre schiere Präsenz, macht sie für Lavandeira nicht weniger interessant: „Dies sind die coolen Kids!“, sagt er. „Sie leben ein aufregendes Leben, und durch ihre Präsenz kommen sie uns vor wie gute Freunde. Wir identifizieren uns mit ihnen.“

Gesellschaftsreporter alter Schule wenden sich da mit Grauen. „Die berühmten fünfzehn Minuten Ruhm sind ja für diese Generation inhaltsleer“, seufzte Graydon Carter, „weil keinerlei Qualitäten diesen Ruhm stützen.“ Carter ist als Chefredakteur von „Vanity Fair“ der Präzeptor des Promijournalismus. Vor zwanzig Jahren unterwanderte er in dem von ihm mitbegründeten Satiremagazin „Spy“ den Glamour-Journalismus mit allerlei bösen Enthüllungen, unter anderem über die SA-Mitgliedschaft von Arnold Schwarzeneggers Vater. Heute leitet Carter ein Edel-Klatschblatt mit politischem Anspruch, und er ist klug genug, den Kontrast zur schnellen und billigen Gerüchteküche im Internet zu schärfen. Während Lavandeira Stars und Sternchen mit Frechheiten überkritzelt, engagiert Carter den Popsänger Bono als Gastredakteur für eine anspruchsvolle Afrika-Ausgabe seiner Zeitschrift und beklagt, dass „das Niveau der Prominenz in Amerika so unglaublich abgesunken ist“. Dabei trug Carter selbst entscheidend zum Phänomen Paris Hilton bei, als er die Hotelerbin im Oktober 2005 auf den Titel seines Blattes hob.

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