https://www.faz.net/-gqz-9nmz8

Hollywood gegen Georgia : Neue Drehorte wegen Abtreibungsgesetz?

  • -Aktualisiert am

Eine Demonstration gegen das neue Abtreibungsgesetz Ende Mai vor dem State Capitol Building in Atlanta, Georgia. Bild: AFP

In Georgia soll 2020 ein verschärftes Abtreibungsgesetz in Kraft treten. Produktionsfirmen und Studios aus Hollywood drohen, sie würden nicht mehr im Bundesstaat drehen. In Georgia wird dank Steueranreizen viel produziert.

          Der amerikanische Bundesstaat Georgia gerät unter Druck aus Hollywood: Verschiedene Unterhaltungskonzerne drohen, ihre Produktionen aus Georgia abzuziehen, falls das neue, restriktive Abtreibungsgesetz im Januar 2020 rechtskräftig wird. Netflix, Disney, Viacom, Sony, Warner, AMC und NBC Universal wollen dann nicht mehr in Georgia drehen. Zu Warner gehören CNN und HBO, Viacom hat den Sender CBS.

          Das Gesetz weist Abtreibungen als illegal aus, sobald ein Herzschlag des Embryos nachzuweisen ist – meist sechs Wochen nach der Empfängnis. Ausnahmen sollen für Vergewaltigungen und Inzest gelten, aber nur wenn die betroffene Frau die Tat zur Strafanzeige bringt und ihr Leben in Gefahr ist. Unklar ist, ob gegen Frauen aus Georgia auch bei einer Fehlgeburt oder Abtreibung außerhalb des Bundesstaats ermittelt wird.

          Georgia zieht dank eines zwanzig- bis dreißigprozentigen Steuernachlasses für Produktionen, die dort mindestens eine halbe Million Dollar aufwenden, Hollywood-Firmen an. Gedreht wurden hier Serien wie „The Walking Dead“, „McGyver“, „Lovecraft Country“, „The Outsider“ nach Stephen King, „Ozark“, „The Conjuring 3“ und „The Suicide Squad“.

          Netflix-Programmchef Ted Sarandos sagte, die Rechte von Mitarbeiterinnen seines Dienstes könnten auf Dreh-Sets in Georgia durch das neue Gesetz „entscheidend beschnitten“ werden. Deshalb unterstütze man Klagen der American Civil Liberties Union. Disney-Chef Bob Iger sagte, viele Mitarbeiter würden „dort nicht arbeiten wollen, und wir werden ihre Wünsche respektieren müssen“. Sony bekannte, man wägen ab. Allgemein heißt es, man wolle die juristische Entwicklung abwarten, zurzeit sind Klagen gegen das Gesetz anhängig.

          Der Kinofilm „Barb and Star got to Vista Del Mar“ und die Amazon-Serie „The Power“, die in Georgia gefilmt werden sollten, haben schon abgesagt. Kritiker monieren, Hollywood reagiere spät. Schauspieler und andere Kreative hatten das Gesetz bereits vehement kritisiert. Das Magazin „Forbes“ gab indes zu bedenken, dass angesichts von 800 Millionen Dollar an Steuererleichterungen, die Produktionsfirmen 2017 erhielten, man einen Boykott sogar als Gewinn für Georgia auslegen könnte.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Feierliches Rekrutengelöbnis und Gedenken an den Widerstand gegen das NS-Regime

          Wegen Sicherheitsbedenken : Bundeswehr weist extremistische Bewerber ab

          Seit den rechtsextremistischen Vorfällen 2017 innerhalb der Truppe durchleuchtet der Militärische Abschirmdienst jeden potentiellen Neusoldat. 63 Bewerber sind seither abgelehnt worden, darunter Neonazis, Islamisten und andere „Gewaltbereite“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.