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Der ARD-Radio-Tatort : Warte nur, es kommt noch dicker

Die Stimmen des Radio-Tatortes: Felix von Manteuffel spricht die Rolle des Kommissar Haas. Catrin Striebeck spricht die Rolle der Grazia Santarossa. Bild: HR

Zwei Sekretärinnen erzählen von einem Kommissar aus dem Dezernat Wirtschaftskriminalität, der eine Aktentasche sucht: Martin Mosebach hat einen eher subtilen „Radio-Tatort“ für den HR geschrieben.

          2 Min.

          Es liegt in der Natur des Hörspiels, dass man darin vieles nur vom Hörensagen erfährt. Für den „Radio-Tatort“ mit dem Titel „Einen Moment nicht aufgepasst“, den der Schriftsteller und Büchner-Preisträger Martin Mosebach für den Hessischen Rundfunk geschrieben hat, gilt das in besonderer Weise: Zwei Frauen sprechen über einen Kriminalfall, der längst gelöst, aber angeblich hochspannend ist, so dass es im Gespräch mehrfach heißt: „Warte, es kommt noch dicker.“

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Es geht um den Frankfurter Kommissar Haas (Felix von Manteuffel), der auf seine alten Tage aus dem Wirtschafts- ins Morddezernat wechselt. Am Kaffeeautomaten treffen sich Frau Dippel, Haas’ ehemalige Sekretärin (Cornelia Niemann) und Frau Felsenstein, Haas’ neue Sekretärin (Susanne Schäfer). Erstere – „kommen sie, ich lad’ sie ein“ – soll nun Letzterer – „Kaffee mit Weißer bitte“ – erzählen, was das für einer ist, dieser Haas. Also erzählt Frau Dippel ihrer Kollegin über das frisch geweißte Heißgetränk hinweg vom Fall des Dr. Brandenstein (Matthias Bundschuh) – „gegeltes Haar, schicker Anzug, aber in den Augen was Gehetztes“ – und seiner verlorenen Aktentasche.

          Der gehetzte Anzugträger arbeitet bei den Meyerheim Laboratories und hatte bis vor kurzem eine Tasche bei sich, die streng geheime Dokumente zu einem neuen Impfstoff enthalten haben soll. Sie ist ihm nun abhanden gekommen. Unter Umständen, die man – schon nach den ersten Minuten des „Radio-Tatorts“ – mysteriös zu nennen, sich ziert. Im Raum, in dem sie verschwunden ist, dem Vorzimmer von Brandensteins Chef Dr. Kapoor (Sabiullah Anwar), herrscht Durcheinander, als jemand seine Akten fallen lässt und Brandenstein in jenem titelgebenden Moment nicht aufpasst. Jetzt, da die Tasche futsch ist, droht auch die Karriere zu folgen: „Dieser Verlust bedroht meine ganze Zukunft.“ Und so klappert Haas den überschaubaren Kreis der Verdächtigen ab: eine Kollegin namens Grazia Santarossa (Catrin Striebeck), Dr. Kapoor, Frau Smazal, eine kurz zuvor gekündigte Kollegin, die Chefsekretärin Frau Deitenbeck, Handwerker mit russischem Akzent sowie der windige Kollege John Bradley.

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          Der Fall ist nur leider, trotz sympathischer Figuren, herzlich unspannend. Er plätschert dahin wie das Gespräch der beiden Sekretärinnen und wirkt wie ein akustischer Riss im Raumzeitkontinuum. Die Akten (handschriftlich, weil höchste Geheimhaltung), die Vorzimmer, die Sekretärinnen, das wiederkehrende musikalische Motiv des Fünfziger-Jahre-Hits „Wheel of Fortune“ von Kay Starr – das alles wirkt, als stamme die Geschichte aus dem Wirtschaftswunderdeutschland kurz nach dem Krieg, wiewohl uns indische Chefs, Rennräder und Frauen, die Männer protegieren, daran erinnern sollen, dass wir uns vermutlich irgendwann in der Zeit nach der Jahrtausendwende befinden.

          Das ginge ja alles noch. Nur kommt hinzu, dass, abgesehen von rückblendehaften Gesprächen, viele Dialoge in einer unbestimmbaren Atmosphäre aufgesagt werden. Wir hören Bürolärm, manchmal hallen die Stimmen, ohne das der Zuschauer wüsste, warum. Das trägt kaum über sechzig Minuten. Und so kann es durchaus passieren, dass man auch hier einmal nicht aufpasst – nur, dass dann eben nicht viel passiert ist.

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