https://www.faz.net/-gqz-6wbpc

Historisches Jahreshoroskop : Die Zukunft ist das, was sie einmal war

  • -Aktualisiert am

Vor fünfzig Jahren malten sich Wissenschaftler die Welt im Jahr 2012 aus. Was Computer angeht, treffen sie ins Schwarze. Bei der Raumfahrt liegen sie daneben. Und eine entscheidende Frage bleibt offen.

          Vorhersagen haben es heute schwer. Sie gehören zum Beritt der Trendforscher, die flauschige Begriffe wie Cyburbia in den Raum stellen. Schlimmstenfalls wird es magisch, wenn unter Verweis auf den Maya-Kalender behauptet wird, dass am 21. Dezember 2012 die Welt untergeht und Vorhersagen damit nutzlos sind. Dabei geht es selbst im Kalendarium der Mayas munter weiter, wie nüchterne Wissenschaftler sagen. Ihre Prognosen für 2012, vor fünfzig Jahren abgegeben, zeigen uns eine bemerkenswert fortschrittliche Welt.

          Vor fünfzig Jahren stellte IBM den 1311 Disk Pack Removable Media für Computer vor, den Vorgänger der Festplatte. Studentische Hacker am Massachusetts Institute of Technology verfremdeten den Institutscomputer und schufen Spacewars, das erste Computerspiel. In Großbritannien wurde am Manchester Computersystem Atlas das Konzept des virtuellen Arbeitsspeichers entwickelt. Motorola lieferte mit dem HT 200 die ersten „Handie-Talkies“ für Feuerwehren aus. Wissenschaftler experimentierten mit Maser- und Lasersystemen. Und das Institute of Radio Engineers (IRE) feierte sein fünfzigjähriges Bestehen.

          Wandgroße Fernseher

          Mit 97.000 Mitgliedern aus den Vereinigten Staaten und neunzig weiteren Ländern, die in 29 Arbeitsgruppen jährlich mehr als viertausend Seiten Forschungsberichte publizierten, gehörte das IRE zu den einflussreichsten Forschungsorganisationen. Im Jubiläumsjahr 1962 arbeitete man an einer einschneidenden Transformation: 1963 fusionierte das IRE mit anderen Gruppen zum Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE), heute der größte technische Berufsverband der Welt. Entsprechend üppig fiel das Jubiläumsheft aus. Die bekanntesten Forscher der einzelnen Arbeitsgruppen wurden gebeten zu schildern, wie die Welt in fünfzig Jahren aussehe. Von A wie „Aerospace and Navigation“ bis V wie „Vehicular Communications“ prognostizierten sie unsere Welt von heute.

          Fangen wir mit unserem Medium an: Zeitungen werden 2012 nicht mehr ausgetragen, sondern über ein Kommunikationsnetz zu Lesegeräten verschickt, die „flüssiges Papier“ enthalten. Fernsehbildschirme sind wandgroß und zeigen dreidimensionale Sendungen mit Raumklang-Stereophonie. Musik und Film oder Fernsehen wird laser-holografisch gespeichert. Wer krank ist, wird über telemedizinische Apparaturen zu Hause versorgt, wer gesund ist, arbeitet überwiegend als Wissensarbeiter in Telezentren. Medizinische Eingriffe erfolgen minimalinvasiv; es gibt eine reiche Auswahl an künstlichen Organen, die vom Körper nicht mehr abgestoßen werden.

          Jedem Neugeborenen seine Sendeeinheit

          Autos fahren nicht mehr mit Verbrennungsmotor (weil das Öl alle ist), sondern mit Brennstoffzellen. Sie verständigen sich über ein eigenes Kommunikationssystem, das Bremslichter überflüssig macht und werden über ein Satelliten-Navigationssystem präzise über die Straßen gelenkt.

          Kinder gehen nicht mehr zur Schule, es gibt Lernmaschinen. Das gesamte Wissen der Welt ist elektronisch gespeichert und kann in jeder Stadtbibliothek abgerufen werden. Es gibt nur noch elektronische Wahlen und jede Form der Wahlfälschung ist unmöglich geworden.

          Zur Kommunikation im Jahre 2012 fallen die Prognosen sehr unterschiedlich aus. Der Japaner Yasujiro Niwa von der elektrotechnischen Fakultät der Universität Tokio sagte ein kleines Taschentelefon vorher, das jeder mit sich trägt und das via Satellit weltweit funktioniert. Der Amerikaner Dorman D. Israel, Entwicklungschef von Emerson Radio (heute Sanlian Group, Shandong) prognostizierte eine kleine Sende- und Empfangseinheit, die jedem Neugeborenen in das Nervensystem am Rückgrat eingepflanzt wird. Eltern, die diese Prozedur verweigern, werden einem Umerziehungsprozess zugeführt, weil sie verweigern, dass ihr Kind ein guter Staatsbürger werden kann.

          Computer, die ihre Nachfolger selbst entwerfen

          Der Staat selbst hat Bilder aller seiner Bürger gespeichert. Die automatische Gesichtserkennung hat 2012 den Fingerabdruck bei der Fahndung nach Straftätern abgelöst, der Fingerabdruck kommt nur noch bei Einkäufen zum Einsatz, da er die Kreditkarte abgelöst hat. Weil Häuser und Büros optisch und akustisch überwacht werden, tragen die Menschen Geräuscherzeuger mit sich, die einen Klangteppich erzeugen, in dem die Sprache untertauchen kann.

          Computer spielen in vielen der fünfundfünfzig Prognosen eine wichtige Rolle. Jeder Mensch wird 2012 mit Computern arbeiten, sie werden per Sprachsteuerung bedient. Die internationale Verständigung ist kein Problem mehr, denn Computer übersetzen in Echtzeit zwischen den Sprachen. Sie gestatten auch die Kommunikation mit intelligenten Tieren wie den Delphinen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nichts fährt mehr: Die Deutsche Bahn muss angesichts des Warnstreiks ihrer Mitarbeiter kapitulieren.

          Warnstreik : Deutsche Bahn stellt bundesweit Fernverkehr ein

          Im Fernverkehr rollt wegen des Warnstreiks an diesem Montagmorgen kein Zug mehr. Auch im Regionalverkehr kommt es zu Einschränkungen. In Berlin und Frankfurt wurde der S-Bahn-Verkehr eingestellt.
          Präsident Donald Trump

          Vereinigte Staaten : Trump sucht nach neuem Stabschef

          Nick Ayers galt als Favorit für den Posten. Doch er will nicht die „rechte Hand“ des Präsidenten werden. Gleichzeitig bringen Ermittlungen Trump in die Defensive.
          Anne Will redete über Netzwerke in der Politik.

          TV-Kritik: „Anne Will“ : Die Macht der Netzwerke

          Anne Will versuchte zu erklären, wie sich Annegret-Kramp Karrenbauer durchsetzen konnte. Vieles dürfte ungewiss bleiben, nur eines scheint klar: Netzwerke bleiben für Politiker unerlässlich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.