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„Hindenburg“ auf RTL : Die letzte Reise des Riesen

  • -Aktualisiert am

Eine Art Titanic der Lüfte: die „Hindenburg” schiebt sich wie ein Unterseeboot durch eine Gewitterfront Bild: RTL

RTL lässt die „Hindenburg“ auferstehen und wieder abstürzen. Mit großem Aufwand hat man das Luftschiff nachgebaut - und eine Liebesgeschichte à la „Titanic“ dazuerfunden.

          Es kommt nicht oft vor, dass ein Film die Bezeichnung „Event-Movie“ verdient. Mal abgesehen vom grässlichen Privatsender-Englisch: „Event-Movies“ sind oft so sehr Ereignis wie Möbelhauseröffnungen und erreichen ähnliche Werte auf der Charme- und Anspruchsskala. Es bricht beispielsweise in der Eifel ein Horror-, Killer- oder Mega-Vulkan aus, oder ein Schiff verschwindet im Nordsee-Bermudadreieck, oder sonst etwas geschieht, was auf dem Papier nach Action klingt und ein paar Schwitz- und Schreiszenen legitimiert. Anders ist es mit „Hindenburg“. Auch dieser Film wird zwar von RTL „Event-Movie“ genannt, aber hier ereignet sich wirklich etwas. Etwas Großes. Und es ereignet sich auf eine so amerikanische Art und Weise, dass man tatsächlich von „Movie“ sprechen kann.

          Was sich ereignet, ist schnell gesagt: Das Luftschiff „Hindenburg“ geht bei der Landung in Lakehurst, New Jersey, am 6. Mai 1937 in Flammen auf. Wie sich das aber ereignet, zeigt ein RTL-Zweiteiler, der die übliche Katastrophenroutine deutscher Fernsehproduktionen überragt. Und zwar, weil die Macher investiert haben: viel Geld, mehr als zehn Millionen Euro. Viel Zeit, mehr als drei Jahre. Und viel Gespür für eine Geschichte, die geschickt mit Historie und Fiktion spielt. Herausgekommen ist eine „Titanic“ der Lüfte, ein Untergang mit Ansage und - was sein muss, muss sein - mit großer, dramatischer, schön anzusehender Liebesgeschichte.

          Es geht nur darum, die Welt zu bewegen

          Es geht aber, als die „Hindenburg“ in brennenden Stücken vom Himmel fällt, nicht nur ein Luftschiff unter; nicht nur der deutsche Traum von der Luftschifffahrt. Im Drehbuch von Johannes Betz, Martin Pristl und Philip LaZebnik erscheint die Katastrophe auch als Menetekel: Düstere Zeiten stehen bevor, und es ist kein Zufall, dass unter den Passagieren eine jüdische Familie und ein Pilot der deutschen Luftwaffe sind, die auf die eine und andere Art aneinandergeraten. Nur 36 Gäste - und 61 Besatzungsmitglieder - transportierte die historische „Hindenburg“. So ist es auch im Film, und da erscheint es angebracht, statt auf opulente Ballsaalspektakel wie in „Titanic“ auf stille, kammerspielartige Szenen zu setzen. Der Regisseur Philipp Kadelbach hat ein Händchen dafür.

          Die Katastrophe im Film...

          Das braucht er auch, damit sein Riesenprojekt nicht zum hohlen Effekt-Event wird. Großen Aufwand haben die Produzenten von Teamworx betrieben, um im Auftrag eines Fernsehsenders einen Film zu machen, der auch fürs Kino taugte. Immerhin soll er nicht nur durch deutsche Wohnzimmer flimmern; gedreht wurde „Hindenburg“ in englischer Sprache, besetzt auch mit amerikanischen Schauspielern, gezielt werde „ganz klar auf den Weltmarkt“, sagte Teamworx-Chef Nico Hofmann. Und was die ganze Welt bewegen soll, muss eben ziemlich stark sein.

          Das große Ganze fliegt nur auf dem Bildschirm

          So dient die „Hindenburg“ dem Film vor allem als spektakuläre Kulisse für zwei parallel laufende Dramen, die mit der historischen Realität reichlich wenig, mit Spannung viel zu tun haben: „Bombe an Bord“, verkündet da zum einen der junge Luftschiffingenieur Merten Kröger (Maximilian Simonischek), natürlich erst kurz nachdem die „Hindenburg“ zu ihrem fast siebzigstündigen Flug abgehoben ist. Zum anderen wird just diesem Merten eine unter dem Damoklesschwert des Absturzes sich ganz besonders rasch und heftig anbahnende Liebe zu der reichen Amerikanerin Jennifer van Zandt (Lauren Lee Smith) angedichtet.

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