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Zwei Kandidaten vorgeschlagen : Wer wird Chef beim Hessischen Rundfunk?

Kandidatin Nummer eins: Stephanie Weber. Bild: SR/Wolfgang Klauke

Die Findungskommission des Rundfunkrats schlägt zwei Kandidaten für das Intendantenamt im Hessischen Rundfunk vor: Stephanie Weber ist Betriebsdirektorin beim HR, Florian Hager stellvertretender ARD-Programmchef. Warum nur zwei Kandidaten?

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          Am 29. Oktober wählt der Rundfunkrat des Hessischen Rundfunks eine neue Intendantin oder einen neuen Intendanten. Wer die Nachfolge von Manfred Krupp, der Ende Februar des nächsten Jahres in Ru­hestand geht, antreten soll, hat die „Findungskommission“ den Rundfunkräten nun vorgeschlagen. Sie be­nennt zwei Kandidaten: Stephanie Weber, seit Januar Betriebs­direktorin des HR, und Florian Hager, stellvertretender ARD-Programmdirektor und „Channel Ma­nager“ der ARD-Mediathek.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Auf die beiden Kandidaten ist die Findungskommission, die sich im April formierte und der die Vor­sitzenden des Rundfunk- und des Verwaltungsrats und Vorsitzenden der Gremienausschüsse angehören, nach, wie es heißt, „ausführlicher Beratung und intensiven Gesprächen“ gekommen. In der engeren Wahl, die nun vorläufig eine ganz enge ist, war dem Vernehmen nach zunächst ein halbes Dutzend Kan­didaten. Dass die Findungskommission die stellvertretende HR-Intendantin und Programmdirektorin Gabriele Holzner nicht vorschlägt, ist schon mal ein deutliches Zeichen. Sie hatte in der Öffentlichkeit durchblicken lassen, dass sie sich den Job zutraue. Das gilt für die Mitglieder der Findungskommission offensichtlich nicht.

          Allerdings sind diese auch nicht auf die Idee gekommen, eine unabhängige, in der Branche hoch angesehene, für Qualitätsproduktionen stehende Kandidatin wie die Frankfurter Filmemacherin Ina Knobloch ins Rennen zu schicken. Die promovierte Biologin, die für ihren Film „Die Akte Oppenheimer“ mit dem Hessischen Filmpreis ausgezeichnet wurde und mit ihrem (gemeinsam mit dem Schauspieler Hannes Jaenicke verfassten) Buch „Aufschrei der Meere“ auf der Bestsellerliste gelandet ist, zählte, wie zu hören ist, zum Kreise der Eingeladenen.

          Kandidat Nummer zwei: der stellvertretende ARD-Programmdirektor Florian Hager.
          Kandidat Nummer zwei: der stellvertretende ARD-Programmdirektor Florian Hager. : Bild: SWR/Alexander Kluge

          Impulse von außen könnten dem Hessischen Rundfunk nicht schaden. Der mittelgroße ARD-Sender schloss das Bilanzjahr 2020 mit ei­nem Fehlbetrag von rund neunzig Millionen Euro ab, im Jahr davor mit einem Minus von fast hundert Millionen, und zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er nicht weiter auffällt. Produktionen bleiben in der Regel im eigenen Haus. Für den großen Innovationsschub und die Plattformwerdung der ARD tritt der amtierende HR-Intendant Manfred Krupp zwar vehement ein – auch in einem Beitrag zur Zukunftsdebatte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in dieser Zeitung. Aber am Ende geht es doch immer um das – angeblich – fehlende Geld. Der Etat des HR liegt bei knapp sechshundert Millionen Euro pro Jahr.

          Ausgemacht ist noch nicht, dass nur Stephanie Weber und Florian Hager um das Intendantenamt konkurrieren. Die Mitglieder des Rundfunkrats können noch weitere Bewerber vorschlagen, die Einreichungen müssen berücksichtigt werden. Gewählt wird die Intendantin oder der Intendant des HR nach Paragraph 16 des HR-Gesetzes mit einfacher Mehrheit für die dezent unbestimmte Amtszeit „von fünf bis neun Jahren“. Dem Sender steht al­so eine echte Weichenstellung be­vor.

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