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Kluftingers vierter Fall : Er glaubt, er macht es nicht mehr lange

Sichtlich unentspannt: Yoga mit Langhammer (Bernhard Schütz, links) und Kluftinger (Herbert Knaup, rechts). Bild: ARD Degeto/BR/Hendrik Heiden

Das Allgäu sehen und sterben: Herbert Knaup schlüpft im Ersten abermals in die Rolle des Kommissars Kluftinger. Der hat mit vielem zu kämpfen.

          Kluftinger geht es schlecht. Der Schweiß steht ihm auf der Stirn, er fasst sich an die Brust. Sein Vater ist wegen Herzbeschwerden gerade in Behandlung. Er solle doch auch einmal zum Check-up kommen, sagt der Chefarzt, als er den Kriminalkommissar über den Gang des Krankenhauses schleichen sieht. Dann steht erst einmal die Pressekonferenz zum „Taxi-Mord“ auf dem Programm.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die versaut er gründlich. Fahrig berichtet er den Journalisten von der scheinbar erfolgreichen Ermittlung, er verhaspelt sich ständig, und dann klingelt vor versammelter Mannschaft auch noch sein Handy. Als er später seine Nachrichten abhört, vernimmt er ein seltsames Rauschen, ein quakendes Geräusch und im Hintergrund Flugzeuglärm. Ein geflüstertes „Teufel“ will er heraushören, seine Kollegen meinen eher, er habe einen Mann im Ohr. Wer die Kluftinger-Romane von Michael Kobr und Volker Klüpfel kennt, weiß an dieser Stelle schon, dass der Kommissar nicht Stimmen hört, sondern sich in Situationen wie diesen sein siebter Sinn meldet, welchen dem schwerfälligen Polizeibeamten kaum jemand zutraut.

          Ein Herz für Kröten

          In seiner Bekümmernis findet Kluftinger keine Ruhe, nächtens wälzt er sich im Bett, schleppt sich schließlich vor den Fernseher, in dem gerade eine Dokumentation über die Krötenwanderung am Teufelssee läuft. Weiß der Teufel - das vermeintlich perfekte Einschläferungsprogramm macht den Kommissar hellwach. In der nächsten Szene sehen wir ihn mit der Taschenlampe durch den Wald streifen und eine grausige Entdeckung machen: Am Ufer des Sees liegt ein herausgeschnittenes menschliches Herz. Es wird nicht das einzige sein, das Kluftinger und seine Kollegen Hefele und Maier finden. Ein Heft mit abgerissenen Streichhölzern verrät ihnen, dass sie es mit einem Täter oder Tätern zu tun haben, die auf einem grausamen Rachefeldzug sind und auf deren Liste fünf Opfer stehen.

          ©ARD
          „Herzblut. Ein Kluftingerkrimi“ läuft am Donnerstag, den 24.11., im Ersten.

          Der Film basiert auf dem Roman „Herzblut“, der siebten Episode der erfolgreichen Allgäu-Krimireihe. Darin zeigen sich die Kobr und Klüpfel als Routiniers. Kluftinger und dessen Entourage haben sie längst mit allen Facetten eingeführt, nun geht es darum, die Spannung aufrechtzuerhalten. Das fällt den beiden Autoren, die inzwischen bei Band neun angelangt sind, zunehmend schwerer.

          Yoga mit Käsespätzle

          Der Regisseur Lars Montag hat es mit dem Film „Herzblut“ nicht wesentlich leichter. Roman Nummer sieben ist Film Nummer vier in Sachen Kluftinger. Der fünfte folgt in einer Woche, der vorhergehende ist freilich so lange her, dass nicht alle Zuschauer voraussetzungslos einsteigen können.

          Im Allgäu indes ist Herbert Knaup in der Rolle des Kluftinger ohne Unterlass Gesprächsthema geblieben. Nach den letzten Episoden gab es in der regionalen Presse einiges Aufhebens, weil sich die Einheimischen als zu hinterwäldlerisch dargestellt sahen. Dort erzielt der Regionalkrimi der ARD also noch Wirkung. Aufregen aber muss sich über diesen Kluftinger niemand. Der Mann ist keine Karikatur, der ganze Film (Drehbuch Alex Buresch) hat es auf die hintersinnige Schilderung von heutzutage gerne denunzierter Normalität angelegt. Spektakulär ist da nix, aber auch nicht heiter-verkitscht, die von Kobr und Klüpfel in ihrem Roman angelegte Comedy wird sogar etwas zurückgenommen, und die Figuren erscheinen in puncto Schrägheit alle eine Nummer kleiner. Als glatte Fehlbesetzung würden wir allerdings Tilo Prückner in der Rolle des Kluftinger senior bezeichnen.

          Kluftinger der Jüngere fühlt sich indes in „Herzblut“ schließlich so angegriffen, dass er sich sogar auf Yoga-Übungen einlässt und im Kommissariat - für seine vermeintlich letzten Tage - auf gutes Karma setzt. Der sensible Maier fühlt sich endlich wertgeschätzt. Im halbwegs dramatischen Showdown kommen er und sein Chef sich dann sehr unfreiwillig auch noch nahe. Danach braucht Kluftinger dringend eine große Portion seiner geliebten Käsespätzle.

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