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„Der Staatsfeind“ bei Sat.1 : Zum Abschuss freigegeben

Werden gejagt: Robert Anger (Henning Baum) und seine Frau Rebecca (Franziska Weisz). Bild: Sat.1

Eben noch war er ein Vorzeige-Polizist, schon wird er als vermeintlicher Terrorist gejagt: In dem Sat.1-Thriller „Der Staatsfeind“ flüchtet Henning Baum durch München. Er klettert sogar aufs Olympiastadion.

          Die Welt Robert Angers war in Ordnung – bis jetzt. Zwar findet seine Frau Rebecca die Vorstellung, dass er als Polizeiausbilder die nächste gefährliche Auslandsmission antreten soll, nicht gerade verlockend, aber sie hat sich daran gewöhnt. Sein Anruf wenig später und die Fernsehnachrichten am Abend sind etwas anderes. Zuerst berichtet er stockend, dass ihre beste Freundin bei einem Einsatz erschossen wurde. Dann lauten die „Breaking News“ darauf, dass Robert der Mörder und ein Terrorist sei, der in München einen verheerenden Anschlag plane. Robert Anger sehen wir währenddessen durch die Stadt hetzen, verfolgt von zwei schießwütigen Typen. Wir wissen schon, dass sie im Auftrag des Geheimdienstes handeln. Ihr Chef, Generalmajor Mendt vom Militärischen Abwehrdienst, zieht hier die Fäden, manipuliert die Ermittlungen des Landeskriminalamts. Er hat den Polizisten Anger als Sündenbock zum Abschuss freigegeben.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Was daraus folgt, ist nicht schwer zu erraten: ein Thriller nach ganz klassischem Vorbild, dessen Titel schon an „Der Staatsfeind Nr. 1“ (1998) mit Gene Hackman und Will Smith erinnert. Hier wie dort wird ein Mann gejagt und muss seine Unschuld und die Ränke von Staatsdienern beweisen, zu deren Aufgaben man Verschwörung eigentlich nicht zählen sollte. Im Kampf dagegen kann Robert Anger allerdings auf seine Frau Rebecca, die als Journalistin bei einer Münchner Zeitung arbeitet, seine Tochter Sophia und seinen Freund Miki rechnen, dessen Frau die Polizistin war, die getötet wurde.

          So wird die Solotour dieses Zweiteilers, auf der sich Henning Baum durchboxt, wie man es von ihm erwarten darf, eingebettet, abwechslungsreich und gibt Franziska Weisz als Rebecca, Katharina Stark als Sophia und Max von Thun als Miki auch den Raum, den es braucht, soll ein solcher Film über insgesamt drei Stunden nicht zur öden Rumrennerei werden. Nicht zu vergessen Manfred Zapatka, der souverän den böse-cholerischen MAD-General Mendt spielt.

          Dass es in der von Felix Herzogenrath inszenierten Geschichte nach dem Drehbuch von Jan Ricken und Roderick Warich die genretypischen kleinen Unwahrscheinlichkeiten gibt, fällt nicht weiter ins Gewicht. Den Verfolgungsjagden sieht man an, dass Sat.1 nicht das Budget amerikanischer Blockbuster spendiert, doch das macht Henning Baums Kletterei auf dem Dach des Münchner Olympiastadions wieder wett.

          Das passt alles, hat nach der ersten Folge auch genau den richtigen Cliffhanger und wird doch bei Sat.1 weniger Zuschauer erreichen, als „Der Staatsfeind“ verdient hätte. Der Sender hat sein Publikum in den vergangenen Jahren nämlich derart ausgehungert, dass es eine solche Produktion hier gar nicht mehr erwartet. „Wir sind die letzte Bastion“, sagt der Geheimdienstgeneral, um sein böses Spiel zu rechtfertigen. Sat.1 muss erst einmal wieder zur Bastion werden.

          Der Staatsfeind, heute, Dienstag 8. Mai, und am nächsten Dienstag um 20.15 Uhr bei Sat.1.

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