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Helmut Reitze und der NDR : Zementi

HR-Intendant Helmut Reitze geht jetzt doch nicht zum NDR Bild: AP

Will Helmut Reitze NDR-Intendant werden oder will er es nicht? Zunächst dementierte der Chef des HR sein Interesse. Doch nach Plänen des NDR sollte er auch ohne Bewerbung auf den Posten gehoben werden. Nachdem das Gerücht öffentlich wurde, erklärte Reitze seinen endgültigen Verzicht.

          Ein Dementi ist ein Dementi ist - kein Dementi. Oder? Man muss schon genau hinhören und genau lesen, um ein echtes, ein zementiertes Dementi - nennen wir es „Zementi“ - von einem solchen mit eingebauter Hintertür zu unterscheiden. Nehmen wir zum Beispiel Helmut Reitze, den Intendanten des Hessischen Rundfunks. Der sagte am 28. April, nachdem in dieser Zeitung gestanden hatte, dass er als Nachfolger des NDR-Intendanten Jobst Plog gehandelt werde, dass an „den Spekulationen“, dass er kandidiere, nichts dran sei: „Warum sollte ich irgendwo kandidieren? Als Bewerber um das Intendantenamt des NDR stehe ich nicht zur Verfügung.“

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Ein klassisches Dementi, könnte man sagen, nach dem Motto: Reitze geht nicht zum NDR und bleibt beim HR in Frankfurt. „Denkste“, sagen uns da aber die Semantiker unter der Rundfunkprofis und lesen zwischen den Zeilen das Gegenteil: Demzufolge stand Reitze zwar „als Bewerber“ nicht zur Verfügung, doch was sei, wenn man ihn riefe? Er sich also gar nicht bewerben müsse? Im Verwaltungsrat des NDR gab es bis gestern Kräfte, die diesen Fall herbeiführen und dem Rundfunkrat, der den Intendanten wählt, als Tandem für die künftige Führungsspitze des NDR ebenjenen Helmut Reitze als Intendanten und Volker Herres, den Programmdirektor des NDR, als stellvertretenden Intendanten nahelegen wollten.Trotz Dementi, in stiller Vorauswahl, ohne Konkurrenz und also ohne Bewerbung.

          Von wegen Dementi

          Abgesprochen wurde die Sache am vergangenen Freitag, gedacht war an ein schnelles Vorgehen bis zum 25. Mai. An diesem Tag trifft sich nämlich der alte Rundfunkrat des NDR zum letzten Mal und konstituiert sich sogleich der neue. Da hätten die Rundfunkräte gleich etwas zu tun gehabt. Eine Voraussetzung für den Deal aber war, dass er nicht schon wieder vorab in der Zeitung stünde. Woran sich die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ nicht gehalten hat. Denn die schrieb am gestrigen Donnerstag, dass Helmut Reitze als Nachfolger von Jobst Plog im Gespräch sei. Von wegen Dementi. Es könnte natürlich sein, dass die Kollegen aus Hannover mit ihrer Geschichte schlicht zwei Wochen zu spät kamen, doch um das anzunehmen, müsste man schon sehr guten Glaubens an die Gepflogenheiten öffentlich-rechtlicher Personalpolitik sein.

          Und so hat sich die Wahl des neuen NDR-Intendanten in Laufe des gestrigen Tages dann doch noch - fürs Erste - entschieden. Weil Helmut Reitze schließlich klipp und klar zementierte, was er am 28. April angeblich schon einmal dementierte: „Ich empfinde es als Ehre und Anerkennung meiner Arbeit beim Hessischen Rundfunk, als Nachfolger von Jobst Plog im Gespräch zu sein, aber ich stehe für das Amt des Intendanten beim NDR nicht zur Verfügung.“

          Wer kommt nach Plog?

          Da lässt sich wohl wirklich nichts mehr interpretieren. Nun müssen die Rundfunkräte also weitersuchen, gilt doch als ausgemacht, dass Jobst Plog nicht bis 2009 im Amt bleibt, sondern schon im Januar 2008 aufhört. Das ist zwar zwischendurch auch längst dementiert worden, aber man weiß ja, was man davon zu halten hat.

          Beim HR hatte der Tag übrigens mit einer kleinen Panne begonnen: Aufgrund eines Computerfehlers liefen morgens um sechs Uhr bei hr 3 in den Nachrichten sechzehn Sekunden lang das Programm des privaten Konkurrenten Radio FFH. Für Helmut Reitze war das sicherlich ein langer Tag.

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