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„Heiter bis tödlich - Hauptstadtrevier“ : Heiter bis kläglich

  • -Aktualisiert am

Julia Klug (Friederike Kempter) und Johannes Sonntag (Matthias Klimsa) bei der Arbeit Bild: ARD/Daniela Incoronato

Wenn eine junge Elitepolizistin auf aktenliebende Beamte stößt, helfen nur noch mehr Klischees: Die Vorabendserie „Heiter bis tödlich“ jetzt auch in der Hauptstadt.

          Tippen Polizeibeamte ihre Protokolle wirklich noch auf der Schreibmaschine, wie es Jürgen Klug in seinem Berliner Polizeipräsidium tut? Und lagert ein Spätkauf in Berlin tatsächlich so viele Pakete an Toilettenpapier, dass man sie bis unter die Decke stapeln kann? Normalerweise besitzt ein solcher „Späti“ auch keine Toilette für seine Kunden. Berlin, immer wieder Berlin, Deutschlands coolste Stadt und Spielstätte fast sämtlicher deutscher Filme des letzten Jahres.

          Die neue Vorabendserie im Ersten namens „Hauptstadtrevier“ ist weder etwas für echte Polizeibeamte noch für echte Berliner, sondern nur für welche, die es gerne sein würden. Gleich die erste Szene in der Episode „Betrug macht klug“ soll die ständig als charakteristisch beschriebene Ruppigkeit der Berliner vermitteln: Ein Spätkaufbesitzer regt sich darüber auf, dass eine Mutter ihr Kind in seinen Räumlichkeiten wickelt. Nachdem sie ein wenig mit ihren großen Augen gekullert hat, besinnt der Mann sich eines anderen. Just in diesem Moment wird der Kiosk überfallen und die junge Frau entpuppt sich als Hauptfigur der Serie. Grundriss der Geschichte: Alleinerziehende Mutter zurück in ihrer Heimatstadt Berlin, Polizistin, wie alle in der Familie, und viele eigenartige Kollegen. Konflikte sind zu erwarten.

          Klischee und Konfrontation

          Der rote Faden, der sich durch die Geschichten zieht, ist die Vergangenheit der Hauptperson Julia Klug (Friederike Kempter), die dem Zuschauer häppchenweise verabreicht wird. Auf einmal steht sie da, die mehrfach ausgezeichnete Elitepolizistin, die auszog, um „mehr vom Leben zu haben und ihre Träume zu leben“ und tritt im Betrugsdezernat an. Es geht um das Klischee, dass eine junge, überengagierte Polizistin von abgestumpften Beamten eingegrenzt wird und die alte Frage, wie weit der Ermessensspielraum der Gesetzeshüter reicht. „Ich habe gelernt, zu schießen, bevor der andere es tut, aber hier hockt man lieber herum und wartet auf seine Pension“, wird Julia Klug schon bald sagen.

          Die Beamten in der Polizeidirektion 7 am Spittelmarkt in Berlin-Mitte sind eine Typensammlung, wie man sie kennt: Da gibt es die strenge und sich ihrer Weiblichkeit bewusste Chefin Marei Schiller (Julia Richter) und den Vorzeigebeamten Johannes Sonntag (Matthias Klimsa), der es liebt, in Akten zu stöbern. Julia Klug und Kollege Sonntag gehen von der ersten Sekunde an auf Konfrontationskurs, warum, das weiß nur das sich fest an Klischees haltende Drehbuch.

          Dieses „Hauptstadtrevier“ bietet Stoff für eine Seifenoper und gibt nicht vor, etwas mit einem echten Krimi zu tu zu haben – was für alle Stücke der Sammelreihe „Heiter bis tödlich“ im Ersten gilt. Wobei sich der Witz auf bescheidenste Wortspielchen beschränkt: „Frau Klug, seien Sie doch ein kluges Mädchen.“ Doch nicht nur die Dialogen sorgen für ein hölzernes Ambiente, die Schauspieler überbieten sich an Künstlichkeit, allein Friederike Kempter schafft es zuweilen, ihre Rolle authentisch zu verkörpern. Das Vorhaben der ARD,unter dem Rubrum „Heiter bis tödlich“ am Vorabend moderner zu wirken, schlägt im „Hauptstadtrevier“ fehl.

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