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Heinz Haber : Lasst uns doch fröhlich Kerne spalten!

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Heinz Haber brachte Amerikanern und Deutschen bei, das Atom als guten Freund zu sehen. Mit packender Anschaulichkeit antwortete er auf Komplexität.

          6 Min.

          Das mit dem Atom war gar keine schlechte Idee. Ungefähr wie der Wankelmotor, die geodätische Kuppel oder der Zeppelin. So etwas muss man gründlich ausprobieren, was ja inzwischen auch geschehen ist. 1957 aber war die friedliche Nutzung der Atomkraft noch ein schöner Traum. Der amerikanische Präsident Eisenhower beauftragte deshalb Walt Disney, die Kernenergie mit einem Film zu preisen. Dieser Film war „Our Friend the Atom“. Er wurde im Fernsehen gezeigt und in vielen Schulen. Es gab ein Begleitbuch, das auch auf Deutsch erschien. In Disneyland entstand eine neue Attraktion mit acht „Atom“-U-Booten. Propaganda wäre ein zu böses Wort, vielleicht sollte man eher von Hype reden.

          Autor des Buchs und Präsentator des Films war der gebürtige Deutsche Heinz Haber, den man in den Vereinigten Staaten als Dr. Heinz Haber und später in Deutschland als Professor Heinz Haber kannte. So viel Titel muss sein. Wenn jemand Professor ist, dann ist das etwas anderes. Haber war in Berlin 1939 in Physik promoviert worden, 1944 habilitierte er sich in Astronomie. Daran sieht man schon, dass er vielseitig interessiert war, er verstand von allem etwas, wenn es sich nur um harte Naturwissenschaft handelte. Sein Bruder hieß Fritz; die Habers waren aber keine nahen Verwandten des Chemie-Nobelpreisträgers Fritz Haber.

          Er beginnt bei Demokrit und Aristoteles

          Heinz und Fritz Haber waren Pioniere der Weltraummedizin. Über die Verstrickung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik, wo Heinz Haber vor 1945 Abteilungsleiter war, in die Verbrechen der Nationalsozialisten hat die zeithistorische Forschung Unerfreuliches herausgefunden. Die Brüder gelangten nach dem Krieg im Rahmen der „Operation Paperclip“ in die Vereinigten Staaten, wie Wernher von Braun. Ein Paperclip ist eine Büroklammer, und mit einer solchen wurden seinerzeit in Amerika die Persilscheine an den Papieren von hochqualifizierten Ankömmlingen befestigt. Die Brüder Haber haben übrigens unter anderem auch den bekannten Trick erfunden, wie man in einem Flugzeug kurzzeitig eine Art Schwerelosigkeit erzeugen kann. Man kann ihn in dem Film „Apollo 13“ bewundern.

          1956 wurde Heinz Haber der oberste wissenschaftliche Berater des Disney-Studios. Bei „Our Friend the Atom“ konnte er aus dem Vollen schöpfen. Auch der Reaktorhersteller General Dynamics hatte in seiner Freude noch ein paar harte Dollars dazugelegt, Produzent war der brillante Animator Ward Kimball, dem wir den verrückten Hutmacher aus „Alice im Wunderland“ verdanken. Haber hatte die Gabe, komplizierte Dinge verständlich darzustellen. Dabei ließ er nichts weg, er holte weit aus und fesselte Zuschauer oder Leser trotzdem. Mit seinem leicht mannheimerisch gefärbten Amerikanisch verkörperte er den Typ des europäischen Professors, der sich eher die Zunge abbeißt, als ein vulgäres Wort zu verwenden oder einen Scherz zu machen. Berühmt ist seine Darstellung der nuklearen Kettenreaktion mit Mausefallen und Tischtennisbällen: Eine Mausefalle (der Atomkern) verschießt zwei Tischtennisbälle (Neutronen), die ihrerseits wieder je eine Mausefalle auslösen. Und so weiter.

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