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Angriff auf Jussie Smollett : Wer würde so etwas erfinden?

Im Verdacht, einen Angriff auf seine Person gestellt zu haben: der Schauspieler Jussie Smollett. Bild: AP

Der amerikanische Schauspieler Jussie Smollett meldete der Polizei Ende Januar, er sei von maskierten Männern attackiert worden. Nun steht er im Verdacht, den rassistischen Angriff selbst inszeniert zu haben.

          In den Vereinigten Staaten nimmt der Fall eines vermuteten rassistischen und schwulenfeindlichen Überfalls, der in den Medien größte Beachtung findet, eine Wendung. Es geht um den Schauspieler Jussie Smollett. Dieser berichtete der Polizei von Chicago am 29. Januar, um etwa zwei Uhr morgens, er sei von zwei maskierten Männern attackiert worden. Sie hätten ihm rassistische und schwulenfeindliche Beleidigungen an den Kopf geworfen, ihm ein Seil um den Hals gelegt und mit einer ihm unbekannten Substanz übergossen. Prominente, Politiker und Bürgerrechtsaktivisten solidarisierten sich mit dem offen schwul lebenden Smolett, der in der Serie „Empire“ einen Sohn des titelgebenden Entertainment-Label-Gründers, Lucious Lyon, spielt. Der Sender Fox, der „Empire“ seit Anfang 2015 ausstrahlt, ließ verlauten, das „gesamte Studio, der Sender und die Produktion stehe zusammen im Angesicht dieses verachtenswerten Aktes von Gewalt und Hass“.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Seit dem vergangenen Wochenende erhärtet sich jedoch der Verdacht, Smollett könnte den Vorfall selbst inszeniert haben. Wie die „New York Times“ berichtet, sichteten Polizeibeamte Aufnahmen von Überwachungskameras, fanden aber keinen Beweis der Attacke. Tags darauf entdeckten Beamte zumindest zwei „Persons of Interest“ auf dem Videomaterial. Das FBI wurde eingeschaltet. Anfang Februar meldete sich der Schauspieler zu Wort. Es gehe ihm gut: „Mein Körper ist stark aber meine Seele ist stärker.“ Skeptikern entgegnete er, er arbeite mit den Behörden zusammen und halte sich „in jeder Hinsicht zuverlässig und hundertprozentig an die Fakten“. Später übergab Smollett der Polizei von ihm redigierte Aufzeichnungen eines Telefongesprächs, das er zur vermeintlichen Tatzeit mit seinem Manager geführt habe. Seitens der Polizei hieß es, sie „genügten nicht den Vorgaben für eine polizeiliche Ermittlung“. Am 13. Februar verhaftete die Polizei laut „New York Times“ zwei Brüder nigerianischer Abstammung: Olabinjo and Abimbola Osundairo.

          „Wer würde so etwas erfinden?“

          Als Chicagos Medien den Verdacht zu prüfen begannen, es könne sich um eine inszenierte Geschichte handeln, fragte Smollett am 14. Februar bei „ABC-News“ entrüstet: „Wer würde so etwas erfinden, oder da etwas hinzudichten?“ Zweifel daran, dass die Polizei die Richtigen verhöre, habe er nicht. Einen Tag später wurden die Verdächtigten auf freien Fuß gesetzt. Dies gab Anthony Guglielmi, Pressesprecher der Polizei von Chicago, via Twitter bekannt.

          Am vergangenen Sonntag legte er kryptisch nach: „Während wir nicht bestätigen, dementieren oder kommentieren können, was zurzeit inoffiziell an die Öffentlichkeit gelangt, gibt es bestimmte Entwicklungen in dieser Ermittlung und die Beamten müssen einige Folgemaßnahmen abschließen, die beinhalten, dass mit demjenigen gesprochen wird, der die Tat gemeldet hat.“ Die beiden Brüder erklärten lokalen Medien, sie seien bezahlt worden, an diesem „Scherz“ („hoax“) teilzunehmen. Smolletts Anwälte konterten: „Nichts ist weiter von der Wahrheit entfernt und jeder, der etwas anderes behauptet, lügt.“ Die Polizei hingegen teilte mit, die Aussage der Brüder habe die Richtung der Ermittlungen geändert.

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