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Das Geschäft mit Hass-Werbung : Sie halten sich da raus

Eifelturm mit Halbmond: Das Bild stammt aus einem Video, das „Secure America Now“ mit Hilfe von Facebook im Internet verbreitete. Bild: Youtube

Google und Facebook unter Druck: Die Medienunternehmen haben den rechtskonservativen Thinktank „Secure America Now“ bei seiner Werbung für eine Anti-Flüchtlingskampagne unterstützt.

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          Die Pressesprecher von Facebook und Google waren lange bemüht, zu betonen, man habe sich im amerikanischen Wahlkampf (und überhaupt) nicht die Finger schmutzig gemacht. Durch eine Recherche der Agentur Bloomberg wurde nun allerdings bekannt, dass die Unternehmen mit einer Anti-Flüchtlingskampagne der rechtskonservativen Lobbyorganisation „Secure America Now“ (SAN) guten Umsatz erzielt und deren Inhalte bevorzugt plaziert haben.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Wer dieser Tage auf die Facebook-Seite der Nichtregierungsorganisation geht, wird nach wenigen Sekunden via Pop-Up-Fenster gefragt, ob er sich nicht mehr Inhalte von SAN auf Facebook anzeigen lassen möchte. Daneben prangt eine rot unterlegte Zeichnung des weißen Hauses nebst dem SAN-Logo und der Überschrift: „Ich unterstütze Präsident Trump dabei, den schlechten Iran-Deal zu beenden.“ Bei den Inhalten im Wahlkampf soll es sich jedoch vornehmlich um Stimmungsmache gegen Einwanderung und die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, gehandelt haben.

          So wurden Videos wie jenes in die Timeline der Facebook-Nutzer gespült, das den Untergang des europäischen Abendlandes heraufbeschwört, indem es die fiktive Zukunft des „Islamischen Staates Frankreich“ in Bildern ausmalt, die die Spitze des Eifelturms mit einem Halbmond zeigen und die Mona-Lisa in einem Niqab. Ein entsprechendes Video gibt es auch zum „Islamischen Staat of Germany“. Die Videos stammen von Vincent Harris, einem Politstrategen, der mit seiner Agentur „Harris Media“ unter anderem für Secure America Now, aber auch für kleinere Projekte innerhalb des Trump-Wahlkampf-Teams zuständig war.

          Eine „ziemlich verrückte Idee“

          Noch kurz nach der Wahl hatte der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, die Behauptung, „Fake News“ auf Facebook hätten die amerikanische Präsidentschaftswahl beeinflusst, als „ziemlich verrückte Idee“ („pretty crazy idea“) bezeichnet. „Weder haben wir, noch werden wir unsere Produkte jemals dazu benutzen, die Wahl der Menschen zu beeinflussen.“

          Tatsächlich aber arbeiteten sowohl Facebook als auch Google mit SAN zusammen. Während Facebook die Werbeagentur des Thinktanks in Sachen Werbevideoformate beraten und unterstützt haben soll und hernach betonte, man habe nicht direkt mit SAN zusammengearbeitet, haben Googles Verkaufsleiter die SAN-Vertreter nebst Vertretern der beauftragten Werbeagentur laut Bloomberg direkt in ihrem New-Yorker-Büro beraten.

          In einer Stellungnahme ließ Google verlauten, man habe strenge Vorgaben, welche Werbung wo erscheine. So gibt es in den „Google Ad“-Vorschriften den Absatz „Unangebrachter Inhalt“ (inappropriate content). Dort ist zu lesen: „Inhalt, der Hass oder Diskriminierung gegen bestimmte Gruppen oder Individuen schürt oder diese aufgrund ihrer Rasse, ethnischen Herkunft, Religion, Behinderung, Alter, Nationalität, Veteranenstatus, sexueller Orientierung, Geschlecht, Geschlechtsidentität oder anderen Eigenschaften, die mit Diskriminierung oder Ausgrenzung in Verbindung gebracht werden können, herabsetzt“, sei nicht erlaubt.

          Doch keine verrückte Idee

          Mittlerweile ist Facebook in der Beurteilung seiner Rolle während des amerikanischen Wahlkampfs zurückgerudert. Ende September schrieb Mark Zuckerberg in einer Antwort auf einen Tweet von Donald Trump: „Nach der Wahl habe ich gesagt, dass ich glaubte, die Idee, Desinformation auf Facebook habe den Ausgang der Wahl verändert, sei eine verrückte Idee. Diese Idee verrückt zu nennen, war herablassend, und ich bereue es.“ Diese Angelegenheit sei einfach „zu wichtig, um herablassend zu sein“.

          Zugleich aber betreibt Facebook bei Politkern weltweit erfolgreich Marketing mit der Behauptung, man verfüge sowohl über die Infrastruktur als auch über das Know-How, um die Wahl von Menschen zu beeinflussen. So wirbt Facebook in einer seiner „Success Stories“ über den Wahlkampf des amerikanischen Senators Pat Toomey von den Republikanern mit dem Satz: „Der beste Inhalt, um den Wähler zu beeinflussen.“ Weiter heißt es, die Kampagne habe sich einer „speziell an Facebook angepassten, publikumsspezifischen Inhaltsstrategie“ bedient, um die Wahlentscheidung zugunsten des Kandidaten aus Pennsylvania zu beeinflussen und so „zu seiner Wiederwahl beizutragen.“

          Wer bei Google und Facebook viel Geld ausgibt, um seinen Inhalt zeitgemäß zu plazieren, der darf damit rechnen, von den Unternehmen als guter Kunde bevorzugt behandelt und unterstützt zu werden. Kompliziert wird es, wenn die weiße Weste (Googles altes Motto „Don‘t be evil“), politische Neutralität und der Kampf für die gerechte Sache wie bei den beiden Tech-Riesen zur Gründungslegende gehört. Geschäfte mit Anti-Flüchtlingskampagnen lassen sich damit wohl kaum vereinbaren.

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