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TV-Kritik: „Hart aber fair“ : Ein Handyverbot ist auch keine Lösung

  • -Aktualisiert am

Schauspieler Thomas Heinze setzt bei seinen drei Kindern auf einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Handy. Bild: WDR / Dirk Born

Die Schulpolitik war schon immer anfällig für gesellschaftspolitische Moden. Das ist beim Thema Digitalisierung nicht anders. Die Eltern arbeiten sich an dem Widerspruch zwischen schlechtem Gewissen und guten Vorsätzen ab.

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          Heute vor siebzehn Jahren gab es die terroristischen Angriffe auf das Herz der Vereinigten Staaten. Es war das letzte historische Ereignis, wo klassische Medien die Berichterstattung dominierten. Das Internet steckte schließlich noch in den Kinderschuhen. Smartphones waren ein unbekannter Begriff. An so einem Tag kann man allerdings die Frage stellen, ob die Berichterstattung unter den heutigen Bedingungen besser gewesen wäre. Innerhalb von Minuten hätte es alle möglichen Erklärungen mit den unvermeidlichen Kämpfen um die Deutungshoheit gegeben.

          Die Wirklichkeit mag an einem solchen Tag verwirrend und widersprüchlich sein. Die Smartphones erzeugen über die sozialen Netzwerke Eindeutigkeit und klare Positionierung. Daran musste man denken als Frank Plasberg gestern Abend über das jetzt in Frankreich verfügte Handyverbot an Schulen diskutierte.

          Es durfte natürlich das übliche bildungspolitische Geplauder nicht fehlen. Yvonne Gebauer (FDP) ließ in der Hinsicht keine Wünsche offen. Die Bildungsministerin in Nordrhein-Westfalen sprach von „Maß und Mitte“ oder „Chancen und Risiken“ beim Einsatz digitalisierter Endgeräte in der Schule. In Deutschland wurden Schulreformen schon immer mit solchen Sentenzen aus der bildungspolitischen Phraseologie begründet. Zuletzt bei der Einführung des achtjährigen Gymnasiums. Das soll jetzt wieder abgewickelt werden, nachdem man vorher die Schüler mit einer Verkürzung der Schulzeit fit für den Weltmarkt machen wollte.

          Den Kindern beim Verblöden zusehen

          In gleicher Weise fehlte nicht das allen Eltern leidvoll bekannte Thema der Handynutzung der Kinder. Die Schauspieler Thomas Heinze und Anne-Sophie Briest schilderten, was jeder schon weiß. Einerseits den Kindern das Handy nicht verbieten zu können, aber gleichzeitig die Nutzungsdauer beschränken zu wollen. Das nennt sich „verantwortungsvoller Umgang“ mit einer Technologie, die unser Leben längst bestimmt.

          Es ist die Mischung aus guten Vorsätzen und schlechtem Gewissen, die uns alle plagen. Der gute Vorsatz resultiert aus dem Gefühl, den Kindern beim Verblöden zuzusehen, wenn sie den ganzen Tag nichts anderes machen als zu daddeln. Das schlechte Gewissen aus der eigenen Praxis, wo der irrtümlich Handy genannte Computer von einem selbst nicht mehr aus der Hand gelegt wird.

          Eine Begründung findet man immer. Erreichbarkeit hört sich etwa immer gut an. Journalisten nennen das sogar Arbeit, um nur eine Berufsgruppe zu nennen. So wollte in einer Umfrage niemand auf dieses schöne Spielzeug verzichten und Heinze schilderte anschließend seine guten Vorsätze. Er sammelt Abends die Handys der Kinder ein – und stellt das eigene wenigstens auf lautlos.

          Technokrat versus Kulturpessimist

          Der Medienpädagoge Jöran Muuß-Merholz hatte mit diesem Widerspruch weniger Probleme. Er gehört zur Fraktion fröhlicher Technokraten. Wir befänden uns alle beim Umgang mit dieser Technologie noch in der Pubertät. Aber er wäre durchaus optimistisch, dass wir die damit verbundenen Probleme in der täglichen Anwendung noch lösen werden. Auch aus pubertierenden Kindern werden schließlich Erwachsene, so das Argument.

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