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Harald-Schmidt-Show : Bodenlos

Was haben die beiden Kömidianten dem Publikaum zu sagen? Im Grunde nicht mehr viel Bild: dpa

Und dann war Oliver Pocher sprachlos, inmitten der Harald-Schmidt-Show, die ihre Provokationspotential mit dem Intimbereich einer sogenannten Lady Bitch Ray aufzumöbeln versuchte, und doch nur lustlos ihrem Ende entgegendümpelt. Ein Abgesang von Michael Hanfeld.

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          Es war einmal eine Show mit Harald Schmidt, die verlangte einiges an Aufmerksamkeit, weil sie das vielleicht letzte Überraschungsmoment im deutschen Fernsehen darstellte. Das ist lange her, damals war Harald Schmidt noch bei Sat.1. Heute ist er bei der ARD und nur noch langweilig, bestenfalls. Am Donnerstagabend war er nicht einmal das, er war vielmehr am Ende mit seinem Latein, weil sein Zauberlehrling Oliver Pocher die ja nunmehr gemeinsame Show in einer Weise an die Wand fuhr, die sogar der ARD peinlich ist.

          Das lag an den faulen Witzen, mit denen Pocher die Sendung eröffnete (ein Gag etwa handelte von dem süßlichen Geruch bei der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“, der ja nicht davon herrühren könnte, dass ein Kandidat Haschisch konsumiert habe, sondern vielleicht „von Carsten Spengemann, der in der Deko verwest“). Mehr noch aber an dem Nicht-Gespräch, das Pocher mit Reyhan Sahin führte, besser bekannt als „Lady Bitch Ray“. Sie erschien in einem ihrem „Vagina Style“ angemessenen Kostüm, mit in Herzform freigelegtem Po und erklärte einem sichtlich konsternierten Schmidt ihre Botschaft, die wohl etwas mit der sexuellen Befreiung der Frau zu tun haben muss, so zumindest durfte man ihre nicht zitierfähigen Aussagen verstehen.

          Und dann ist Pocher sprachlos

          Gäbe es in diesem Land noch irgend jemanden mit irgend etwas aus der Reserve zu locken, könnte man das provokativ nennen, doch leider erscheint es nicht nur in einer solchen Show als primitiv und dumm. Irgendwann, man meinte Schmidt aufatmen zu hören, Pocher war die ganze Zeit sprachlos, war das Gespräch vorbei, nicht aber der Reigen der Peinlichkeiten. Pocher nämlich bekam von Lady Bitch Ray etwas „Fotzensekret“ geschenkt und fertigte dann eine junge Sängerin, die zum Schluss der Show auftrat, mit einer Tirade ab, wie sie sich sonst Dieter Bohlen bei RTL leistet. Das war endlich auch Schmidt zuviel. Es sei „völlig uncharmant“, ging er Pocher an, „für so eine kleine miese Type, die, wenn sie Fotzensekret überreicht kriegt, so klein mit Hut ist und dann einem ausländischen Gast so reinsemmelt, der kein Deutsch versteht. Oliver Pocher, nächstes Mal hat er es begriffen.“

          Daran glauben wir nicht. Der MDR, der die Show normalerweise am Freitagmorgen wiederholt hätte, nahm sie nicht ins Programm, sondern strahlte eine Folge vom 1. November 2007 aus. Der Auftritt von Lady Bitch Ray sei keine „gezielt inszenierte Provokation“ gewesen, heißt es bei der ARD. Harald Schmidt sollte sich aber auf jeden Fall überlegen, welche Bodenlosigkeiten er sich und seinen Zuschauern noch zumuten will.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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