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Unverzichtbarer Superheld : In und für uns lebt Genschman weiter

  • -Aktualisiert am

Der Mann mit der Maske: Außenminister Hans-Dietrich Genscher im September 1989 in Bonn Bild: dpa

Schon erhebt der Club der Superverbrecher und Usurpatoren (C.S.U.) wieder sein schreckliches Haupt. Warum die Nachricht vom Tod des Superhelden Genschman nur eine Ente sein kann.

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          In der Nacht zum 1. April soll, das meldeten alle Nachrichtenagenturen mit der gebotenen Aufregung, Genschman gestorben sein. Das klingt im höchsten Maße unseriös. Seit wann können Superhelden sterben? Sie dämmern vielleicht dahin und ruhen sich von früheren Heldentaten aus; aber eigentlich warten sie nur darauf, wieder in Aktion treten zu dürfen. Genauso verhält es sich auch mit Genschman.

          Allein das Datum der Todesmeldung hätte misstrauisch machen müssen. Zugegeben, andere Helden aus der Gerechtigkeitsliga sind für immer verschwunden – von Mölleman, Bangeman und Haussman hat man schon lange nichts mehr gehört. Aber auch hier muss man jederzeit damit rechnen, dass sie wieder auf den Plan treten, um der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen. Genschman war der erste und bedeutendste Superheld der Bundesrepublik. Im bürgerlichen Leben führte er eine unauffällige Tarnexistenz als ein einfacher Minister des Äußersten im Kabinett von Helmut Kohl (Katheterman). Verheiratet war er standesgemäß mit Babs, dem Genschgirl, das aber selbst engsten Freunden nur als Barbara Genscher bekannt war. Sie kümmerte sich um die Instandhaltung des Superhelden-Outfits und erledigte die Buchhaltung sowie die Steuererklärungen.

          Genscher setzte sich in seiner aktiven Zeit immer wieder für eine Erhöhung der Pendlerpauschale für Superhelden ein, schließlich flog er täglich mehrmals um den gesamten Erdball, auf der Jagd nach Verbrechern und Schurkenstaaten. Dank seines Supergehörs, das durch die legendäre Ohrenmaske noch verstärkt wurde, konnte er Vertragsverletzungen auf eine Entfernung von zehntausend Kilometern wahrnehmen. 1989 trat Genschman erstmals sichtbar in der Öffentlichkeit auf, denn der furchtbare Waigel drohte sein Lebenswerk zu zerstören. Es ging um die legendären Ostverträge, die Genschman eigenhändig mit seinem Genschpen unterschrieben hatte. Der Waigel war Mitglied der C.S.U., des Clubs der Superverbrecher und Usurpatoren, und plante, die legendäre Oder-Neiße-Linie auszuradieren. Sein dämonisches Aussehen rührte daher, dass der Waigel auf der Flucht vor der Polizei durch Abwässer einer Augenbrauerei schwimmen musste.

          Kräfte sammeln für den entscheidenden letzten Kampf

          Dem „Club“, der auf der ganzen Welt Furcht und Schrecken verbreitete, gehörten schreckliche Kreaturen an. Ihr Kopf war die Kröte, ein Wesen aus Antimaterie und Alkohol, das sich im bürgerlichen Leben hinter dem Allerweltsnamen Franz Josef Strauß versteckte. Doch auch der Tandler, die Kartoffel (aka Ignaz Kiechle) und Das Stoiber machten Genschman das Leben schwer. Zur Gerechtigkeitsliga gehörten neben Mölleman und Genschman auch Der Sichtbare (aka Stoltenberg), der Gnom (aka Blüm) und der Todenhöfer, der die Helden der Gerechtigkeitsliga direkt aus Afghanistan mit dem Stoff versorgte, der ihnen ihre Superkräfte schenkte. Der Lieblingssong der Gerechtigkeitsliga war, wen wundert’s, „Eight Miles High“ von den Byrds, die ja auch eine Supergruppe waren.

          Woher ich das alles so genau weiß? Ich war damals, zusammen mit Christian Y. Schmidt, Chronist der Abenteuer von Genschman. Wir arbeiteten für das Superheldenmagazin „Titanic“ und hatten durch Zufall von der Doppelexistenz des Ministers des Äußersten erfahren. Die Zeichner Achim Greser und Heribert Lenz hielten die dramatischsten Szenen im Bild fest. Und am Ende landeten die Superschurken der CSU immer wieder da, wo sie hingehörten, nämlich in der AfGS, der Anstalt für geistesgestörte Superverbrecher. Leider muss man feststellen, dass der C.S.U. in den vergangenen Monaten wieder sein schreckliches Haupt erhoben hat. Die Mauern der Anstalt konnten die Schurken nicht mehr halten. Unter Führung des Seehofer wollen sie die Macht übernehmen. In diesem Zusammenhang muss man die Meldung vom angeblichen Tod von Genschman sehen: Der Superheld will in aller Ruhe Kräfte sammeln für den entscheidenden letzten Kampf von Gut gegen Böse. Denn es gilt noch immer die Maxime: „Da hilft kein Betteln, hilft kein Beten, nur einer rettet den Planeten: Genschman!“ (Zeile aus der Genschman-Hymne der Gruppe „Scheel“ mit Bela B., Rod Rodriguez, Wiglaf Droste und der „Titanic“-Redaktion).

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