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Hannelore Elsner zum Siebzigsten : Intelligenz und menschliche Temperatur

Schön und zart, stark und klug: Wie macht man das? Bild: Martin von den Driesch/laif

Dank ihrer künstlerischen Integrität und der schauspielerischen Potenz gibt es im deutschen Film und Fernsehen noch einiges für sie zu tun: Hannelore Elsner wird siebzig Jahre alt.

          Es wäre unhöflich, jetzt zurückzublicken und die Verdienste aufzuzählen, bloß weil Hannelore Elsner einen runden Geburtstag hat. Es ist nicht so, dass es da nichts zu erzählen gäbe, von Filmen, denen sie, seit den späten Fünfzigern, Glanz und manchmal ein gewisses Flirren gegeben hat - und vermutlich konnte, wer wollte, das schon 1963 sehen, in Alfred Vohrers „Ein Alibi zerbricht“, wo sie eine Rolle spielte, die nicht groß war und doch so geheimnisvoll; und wo sie die Drehbuchnorm, wonach die Charaktere eindeutig sein mussten, einfach ignorierte und ein Mädchen spielte, das schön war und böse und liebenswert zugleich. Es gäbe manches zu erzählen aus der Welt der deutschen Fernsehspiele, für welche Hannelore Elsner zu groß ist und sich doch nicht zu fein, wenn es darum geht, jenen Sätzen, die Papier waren, bevor Hannelore Elsner sie berührte, zu Intelligenz, Sex und einer menschlichen Temperatur zu verhelfen. Aber warum sollte man von ihrer Vergangenheit sprechen, wo sie doch so viel Gegenwart hat, eine Präsenz, die jeden, der ihr mal persönlich begegnet ist, verblüfft und fast schon überfordert: diese unzerstörbare Freundlichkeit, diese Lebendigkeit - wo hat sie diese Kraft nur her?

          Claudius Seidl

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Wenn es ein Verdienst gibt, das hier aber geschildert und gewürdigt werden muss, dann ist es das: Sie hat, fast ganz alleine, den Halbsatz „für ihr Alter“ aus dem Sprachgebrauch entfernt, diese drei Wörter, die jedes Lob vergiften und entwerten, und sie hat, nur scheinbar paradox, das Kriterium Alter dadurch völlig irrelevant gemacht, indem sie sich immer dazu bekannte. Sie versucht erst gar nicht, so zu tun, als wäre sie ein junges Ding von Anfang fünfzig, sie könnte das natürlich, sie hat aber ein viel größeres Projekt: Sie hat neu definiert, was es heißt, fünfzig, sechzig, fünfundsechzig zu sein, und dass ihr das gelungen ist, das ist eben nicht nur eine Frage des Aussehens, der Stimme, des unabweisbaren Charmes. Es ist vor allem eine Frage der künstlerischen Integrität und der schauspielerischen Potenz, es hätte alles nicht funktioniert, wenn Hannelore Elsner nicht die populäre und erfolgreiche Schauspielerin wäre, die starke Person, deren Schultern ganze Fernsehserien quasi allein tragen können. Im vergangenen Jahr hat Hannelore Elsner ein Buch veröffentlicht, dessen Titel, ganz realistisch, „Im Überschwang“ heißt, und der Untertitel „Aus meinem Leben“ könnte suggerieren, dass da etwas zum Abschluss gekommen sei. Es ist ein schönes, zartes Buch, aber was es leistet, ist eher eine Zwischenbilanz. Es gibt im deutschen Film und Fernsehen noch einiges für sie zu tun. Am 26. Juli wird sie siebzig.

          Sie hat, fast ganz alleine, den Halbsatz „für ihr Alter“ aus dem Sprachgebrauch entfernt: Hier spielt sie die gealterte Starautorin Hanna Flanders in dem Film „Die Unberührbare“ Bilderstrecke

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