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Hammer-Quote für Til Schweiger : Die Rechnung ist voll aufgegangen

  • -Aktualisiert am

Beim Publikum schlug dieser „Tatort“ ein wie eine Bombe: Til Schweiger im Action-Einsatz mit Mavie Hörbiger Bild: NDR

Mit Til Schweigers Action-Einsatz in Hamburg hatte der „Tatort“ seine beste Einschaltquote seit fast zwanzig Jahren. Heißt das also, dass der Film gut war? Ein Nach-Tarock.

          2 Min.

          Der „Tatort“ bewegt sich seit Jahr und Tag zwischen den Extremen. Da gibt es gediegene Seniorermittler, die viel zu spät in Rente gehen, genauso wie schlagkräftige Quereinsteiger. Dass Til Schweiger eher nicht zu den Romantikern der Sozialkritik zählen würde, konnte man sich denken. Und um den Ballerfaktor des am Sonntag ausgestrahlten ersten Schweiger-Tatorts „Willkommen in Hamburg“ war im vorhinein ja schon viel Wirbel gemacht worden. Die Rechnung ging auf: Mit 12,57 Millionen Zuschauern bescherte Schweiger der ARD die beste „Tatort“-Einschaltquote seit fast zwanzig Jahren, als im September 1993 fast 13 Millionen Manfred Krug als Kommissar Stoever sehen wollten.

          Der Plot mit der Bratpfanne

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Was machte den Schweiger-Film so beliebt? In gewisser Weise konnte man sich an Schweigers großen Durchbruch mit der Komödie „Der bewegte Mann“ von 1994 erinnert fühlen. Darin gibt es jene lustige Szene um einen fiktiven Kinofilm mit dem Titel „Ruckzuck ist die Fresse dick“. Wer sich immer schon gefragt hatte, wie dieser Film wohl ausgesehen haben könnte, erhielt die Antwort am Sonntag gleich zu Beginn. Auch im Verlauf des „Tatorts“ gab es ordentlich auf die Zwölf – nicht nur für Schweiger, sondern auch für seine Ermittlerkollegin, und zwar mit einer Bratpfanne; ganz zu schweigen von den minutenlangen Schießereien und einer Bombenexplosion. Gute Kameraführung, schnelle Schnitte bei spannendem, temporeichen Plot – dieser Krimi konnte einen schon bei der Stange halten.

          Männerwitz und Kuschelfaktor

          Der Actionreichtum zeitigte eine Fülle von Kommentaren auf der offiziellen Facebook-Seite des „Tatorts“. Die Zuschauer lobten den Rambazamba teils, teils kritisierten sie heftig – in welche Kategorie ein Vergleich des Films mit der RTL-Actionserie „Alarm für Cobra 11“ fällt, liegt im Auge des Betrachters. In der Härte wollten einige auch einen „Schimanski 2.0“ erkennen; ob Schimanski allerdings seine vierzehnjährige Tochter ständig mit „Schatz“ angeredet und sich ihre Klagen über nicht eingekaufte Cola so geduldig angehört hätte, scheint indes sehr fraglich. Die Mischung aus „Keinohrhasen“-Kuschelfaktor und Männerwitzen könnte ein weiterer Grund für die gute Quote und den hohen Marktanteil in der jüngeren Zielgruppe gewesen sein – sofern man unterstellt, dass alle jungen Leute zwischen 14 und 49 auf so etwas stehen.

          Wirklich begründen kann man Quoten ohnehin nur bedingt – wie würde man sonst den ebenfalls nicht geringen Erfolg der vielen verschnarchten „Tatorte“ zwischen Bodensee und Bremen erklären? Der „Tatort“ erweist sich jedenfalls als einer der wenigen verbliebenen Fixpunkte im Fernsehprogramm, über die man am Tag danach generationsübergreifend spricht. Da kann man fast nichts falsch machen. Oder lag es am zurückgekehrten Winter, der die Zuschauer vor den Bildschirm zwingt?

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