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„Saat des Terrors“ im Ersten : Hätten Geheimdienste die Terroranschläge verhindern können?

  • -Aktualisiert am

Sie bleibt ungehört: Christiane Paul als BND-Agentin Jana Wagner. Bild: SWR

Welchen Platz hat die Fiktion im Dokumentarischen? In Daniel Harrichs Doku-Thriller „Saat des Terrors“ warnt eine BND-Agentin vergeblich vor einem Attentat.

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          Darf man den Schluss verraten? Bei einem Spionage-Thriller ist das ausgeschlossen. Und um einen solchen handelt es sich bei dem Film „Die Saat des Terrors“ von Daniel Harrich: ein Agenten-Thriller aus Deutschland, der fünftausend Kilometer Luftlinie von hier spielt, in ebenjenem Pakistan, in dem sich bis 2011 Usama bin Ladin verstecken konnte.

          Die Handlung kreist um die BND-Agentin Jana Wagner (Christiane Paul) in Islamabad, deren Warnungen vor einem großen Anschlag in Indien 2008 ungehört bleiben. Jana Wagner verdankt ihr Wissen einer Informantin, deren Mann sich wie ein Fisch im Wasser zwischen Taliban, pakistanischem Geheimdienst und westlichen Geheimdiensten bewegt. Je länger Wagner ihm folgt, umso stärker ähneln ihre Sorgenfalten jener der CIA-Agentin Carrie Mathison, der Hauptfigur der amerikanischen Serie „Homeland“. Um die eine wird es so einsam wie um die andere.

          Und ganz genregemäß stellt sich in „Saat des Terrors“ nach der ersten dramaturgischen Pirouette auch ein ausgesprochenes Misstrauen gegenüber allem und jedem ein. Als vertrauensunwürdig erweist sich insbesondere Kashif Baqri (Navid Negahban) vom pakistanischen Geheimdienst, der unter anderem mit Lübecker Marzipan bei Laune gehalten werden will.

          Im Look internationaler Spionagekracher fotografiert

          Schwierig sind aber auch, weil sie beim Kampf gegen den Terror mit Baqri kooperieren, die Amerikaner in Islamabad und Thomas Günther, Wagners staatstragend über den Schreibtisch lugender Vorgesetzter (Axel Milberg). Auf Nicholas Krüger hingegen (Heiner Lauterbach), einen wortkargen Sicherheitsbeamten, dem erzähltechnisch die Funktion des „Sidekicks“ zukommt, kann Jana Wagner bauen.

          Das ist ein zugkräftiges Setting. „Saat des Terrors“, von Gernot Roll im Look internationaler Spionagekracher fotografiert, wirft einen Blick in den Maschinenraum eines dreckigen Geschäfts, in dem viel Geld den Besitzer wechselt und die westlichen Geheimdienste mit Ausnahme der desillusionierten Protagonistin nicht zu verstehen scheinen, dass sie Teil des Problems sind. Oder sie nehmen es hin.

          Ins Mark geht „Saat des Terrors“ allerdings erst zum Ende. Der in Casablanca und Bombay gedrehte Film läuft nämlich nicht nur auf den Bombenanschlag auf das Marriott Hotel in Islamabad vom 20. September 2008 zu, bei dem 54 Menschen ums Leben kamen und 266 verletzt wurden. Mit diesem Attentat setzt der Film ein, um dann in Form eines Rückblicks von der Zeit davor erzählen zu können. Regisseur Daniel Harrich – der das Drehbuch gemeinsam mit Gert Heidenreich schrieb – belässt es auch nicht bei Bildern der wenige Tage später, am 26. November 2008, verübten Anschläge in Bombay, die sich als genau jener Angriff herausstellen, vor dem die BND-Agentin gewarnt hatte. Der Regisseur steuert vielmehr auch auf Szenen zu, die im Herbst 2015 am Ufer einer griechischen Insel und in Paris angesiedelt sind. Sie verbinden die erzählte Geschichte mit der Flüchtlingskrise und den Anschlägen auf Paris und Brüssel.

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