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Tugendtrolle : Diese Hacker gönnen Dir keine Affäre!

Einst war Vertraulichkeit das Erfolgsgeheimnis des Seitensprungportals. Bild: Reuters

Eine Hackergruppe hat viele Gigabyte heikler Daten veröffentlicht, die Nutzer dem Seitensprungportal Ashley Madison anvertraut hatten. Wollten die tugendhaften Trolle wirklich vierzig Millionen Nutzer in Bedrängnis bringen?

          Knapp vierzig Millionen Menschen, die Wert auf Diskretion legen, werden momentan nervös. Denn so viele Mitglieder hat das Seitensprungportal Ashley Madison (Werbeslogan: „Das Leben ist kurz. Gönn Dir eine Affäre“) nach eigenen Angaben weltweit. Und dieses Portal wurde von einer Hackergruppe namens Impact Team sämtlicher Nutzerdaten beraubt. Eigentlich nutzt Ashley Madison Verschlüsselungsverfahren, die als besonders sicher gelten – allein, es nützte nichts. Nun wurden die Daten über einen verschlüsselten Downloadlink der Allgemeinheit zugänglich gemacht.

          Die 9,7 Gigabyte enthalten Nutzernamen und Mailadressen (darunter 15000 beim Militär oder der Regierung), Zahlungsinformationen, Anschriften, Telefonnummern und pikanterweise auch Details über amouröse Vorlieben und Wünsche. Die Hacker hatten schon länger gedroht, die Daten zu veröffentlichen, sollte der Betreiber Avid Life Media die Seite nicht schließen, zusammen mit der Schwesterseite Established Men, auf der „Sugar Daddys“ und junge Frauen verkuppelt werden. An Cougar Life, dem Pendant für ältere Frauen und junge Männer, stört sich das Impact Team offensichtlich nicht.

          Am digitalen Pranger

          „Mit unseren Affären-Garantie garantieren wir Ihnen, dass Sie den perfekten Partner fürs Fremdgehen finden werden“, wirbt Ashley Madison auf seiner Startseite, und: „Tausende von untreuen Frauen und untreuen Männern melden sich jeden Tag auf der Suche nach einem Seitensprung an.“ Die Hacker erinnern dagegen in ihrem Bekennerschreiben: „Denkt daran, diese Seite ist ein Schwindel mit Tausenden weiblichen Fake-Profilen.“ Für Betroffene, die sie als „betrügerische Drecksäcke“ adressieren, haben sie einen guten Rat: „Lern deine Lektion und leiste Abbitte. Es ist zwar im Moment peinlich, aber du wirst darüber hinwegkommen.“

          Ashley Madison hingegen warf den Hackern vor, sie hätten sich „zum moralischen Richter, Geschworenen und Henker aufgeschwungen und sich ermächtigt, der gesamten Gesellschaft ihre persönliche Moral aufzudrücken“. So ist es wohl, denn die Seitensprungwilligen stehen nun am digitalen Pranger. Ist das wirklich das einzige Ziel der Attacke? Die Daten werden gerade ausgewertet.

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