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„Günther Jauch“ im Ersten : War es richtig, in die ARD zu ziehen?

Jauch mit Marcy Borders, die aus dem World Trade Center entkam Bild: dpa

In seiner ersten Talkshow beim neuen Sender diskutiert Günther Jauch über den Terror vom 11. September 2001 und über die Bundeswehr in Afghanistan. Es war alles sehr wohltemperiert. Oder langweilig? Hat wirklich jemand eine „Revolution“ erwartet?

          Günther Jauch ist jetzt zwar bei der ARD, aber er hat von RTL schon eine Menge mitgenommen ins erste Programm. Die getragene Mischung mit Einzelgesprächen, in denen es um Persönliches geht, kurzen, erklärenden Einspielfilmen und schließlich der großen Talkrunde erinnert durchaus an die Show, mit der Jauch in den vergangenen Jahren das Programm des Kölner Privatsenders bereichert hat: „Günther Jauch“ im Ersten, das war zur Premiere an diesem Sonntag wie eine der besseren Ausgaben von „Stern TV“ oder auch - wie Anne Will an einem guten Tag.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Am Thema des Abends - „Zehn Jahre 11. September“ - führte im Grunde kein Weg vorbei. Und auch nicht an der damit verbundenen Frage: „War es richtig, in den Krieg zu ziehen?“ Was die Bundesbürger mit Mehrheit auf diese Frage antworten, erfuhren wir am Ende der Sendung, doch hätte es keiner eigens in Auftrag gegebenen Umfrage gebraucht, um von vornherein zu wissen: Zwei Drittel der Bundesbürger sind für einen sofortigen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan (66 Prozent), womit sie auch die Frage beantwortet hätten, ob es sinnvoll war, in diesen Krieg zu ziehen.

          In diesen Krieg, der in der deutschen Politik bis ins vergangene Jahr hinein nicht einmal so genannt wurde. Worin sich wiederum eine in diesem Land allgemein weit verbreitete Haltung spiegelt, die da lautet: Wasch' mir den Pelz, aber mach' mich nicht nass, schaff' mir den Terrorismus von Hals, aber nicht mit Gewalt. Und wenn, dann sollen das andere übernehmen.

          Marcy Borders am 11. September 2001

          In der Runde von Günther Jauch repräsentierte eine Haltung wie diese am deutlichsten die Publizistin Elke Heidenreich. Für einen Satz wie: „Man darf auf Terror nicht mit terroristischen Methoden antworten,“ bekam sie natürlich großen Applaus. Doch ist sie umgehend am Ende mit ihrem pazifistischen Latein, wenn es um die Frage geht, was man denn gegen „Steinzeit-Fundamentalisten“ wie die Taliban unternehmen soll. Gewalt ist nie eine Lösung, schon klar. Aber welche Lösung hätten wir denn dann gern? Und vor allem wofür? Gegen die Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus? Oder für Menschenrechte und Demokratie in Afghanistan?

          Peter Struck und die Sicherheit am Hindukusch

          Wohl dem, der so abgewogen argumentiert wie der ehemalige Verteidigungsminister Peter Struck (SPD), der vor zehn Jahren nicht gesagt hat, dass unsere Freiheit, sondern unsere Sicherheit am Hindukusch verteidigt wird. Dazu steht er auch heute und er steht auch dazu, dass eine Regierung bisweilen aus grundsätzlichen Überlegungen heraus ihre Politik nicht an der Mehrheitsmeinung ausrichten sollte. Im Zweifel wird sie dann abgewählt.

          Jürgen Todenhöfer, der ehemalige CDU-Politiker und Burda-Manager, beharrte jedoch darauf, dass es verständlich gewesen sei, den Amerikanern nach dem 11. September 2001 beizustehen, das aber wiederum kein Grund sei, daraufhin einen Fehler nach dem anderen zu begehen und - in Afghanistan einen Bombenkrieg zu führen. Darin wird ihm niemand widersprechen, doch lässt er außen vor, dass die Taliban nicht nur Usama Bin Ladin und Al Qaida unterstützt haben.

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