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James Gunns Tweets : Geschwätz von gestern

Das Internet vergisst nicht: Der Regisseur James Gunn ist wegen geschmackloser Tweets aus den Jahren 2008 bis 2012 gefeuert worden. Bild: AFP

Der Regisseur von „Guardians of the Galaxy“, James Gunn, stolpert über alte, geschmacklose Tweets über Vergewaltigung und Pädophilie und wird von Disney gefeuert. Hervorgekramt haben die Tweets zwei „Far-Right“-Aktivisten.

          Mike Cernovich hat Grund zum feiern. Auf sein Betreiben hin hat der Disney-Konzern James Gunn, den Regisseur der „Guardians of the Galaxy“-Reihe, am vergangenen Freitag vor die Tür gesetzt. Cernovich hatte geschmacklose Tweets des Regisseurs aus den Jahren 2008 und 2009 ausfindig gemacht, in denen Gunn sich in nicht zitierfähiger Weise über Vergewaltigung, Pädophilie, den 11. September und den Holocaust ergeht.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          „Die auf James‘ Twitter-Account entdeckten abstoßenden Gesinnungen und Aussagen sind nicht vertretbar und stehen im Widerspruch zu den Werten unseres Studios, und wir haben unsere Geschäftsbeziehung mit ihm beendet“, sagte Alan Horn, Chef der Disney-Studios. James Gunn entschuldigte sich für seine früheren Einlassungen und sagte, er übernehme die Verantwortung dafür. Er habe zu Beginn seiner Karriere provozieren und Tabus brechen wollen, um Reaktionen hervorzurufen. Er wolle nicht behaupten, besser geworden zu sein, aber sei „ganz, ganz anders als noch vor einigen Jahren“.

          Wie die „New York Times“ berichtet, sind die Tweets wieder aufgetaucht, nachdem Gunn Präsident Donald Trump auf Twitter beleidigt hatte. Daraufhin hätten sich die „Far-Right-Provokateure“ Mike Cernovich und Jack Posobiec durch alte Tweets des Regisseurs gewühlt und sie abermals auf Twitter veröffentlicht. Gunn war auf Twitter schon mehrfach entgleist.

          Sein Ankläger dichtete Hillary Clinton einen Schlaganfall an

          Mike Cernovich bedient sich einer Methode, die im Internetzeitalter nicht selten dazu führt, dass jemand aufgrund (älterer) Twitter-Einlassungen Schwierigkeiten bekommt. Cernovich selbst bewegte sich mit seinen Veröffentlichungen zunächst im antifeministischen Publikationsnetzwerk „Manosphere“. Er schrieb Werke wie das Männerselbsthilfebuch „Gorilla Mindset“ (im Eigenverlag) oder „Maga Mindset: Making You and America Great Again“, das im Castalia Verlag des „Alt-right“-Aktivisten Vox Day (Theodore Beale) verlegt wurde.

          Wenn sie in sein Weltbild passen, zögert Mike Cernovich auch nicht, selbst Fake News zu verbreiten. Er dichtete Hillary Clinton während des Präsidentschaftswahlkampfs einen Schlaganfall und die Parkinson-Krankheit an. Auch die Nachricht vom sogenannten „Pizzagate“, eine Verschwörungstheorie, die hochrangigen Demokraten unterstellte, einen Pädophilenring zu betreiben, verbreitete er. Im November 2017 brachten Cernovic und seine Unterstützer den MSNBC-Kommentator Sam Seders in Schwierigkeiten. Er wurde nach einem Tweet über den Regisseur Roman Polanski von seinem Sender fallen gelassen. Cernovich feierte sich hernach in einem Video selbst. Zu seinen Angriffzielen zählen linke Journalisten wie Will Sommer und der Satiriker Vic Berger.

          Der gekündigte Regisseur James Gunn erhält indes Unterstützung. Eine Internet-Petition, die inzwischen mehr als eine Viertelmillion Unterzeichner gefunden hat, fordert den Disney-Konzern auf, Gunn zurückzuholen. Schauspieler wie Dave Bautista, der an den „Guardians of the Galaxy“-Filmen mitwirkt, haben ebenfalls gefordert, dass der Regisseur seine Arbeit wieder aufnehmen könne.

          Der Comiczeichner Jim Starlin schrieb auf Facebook, dass Gunns Tweets zwar geschmacklos und dumm gewesen seien. Die ganze Aufregung jedoch allein durch „zwei Breitbart-Auftragskiller“ entfacht worden sei. Es sei die Revanche für Roseanne Barr, die aufgrund ihrer „wiederholt hasserfüllten und rassistischen“ Tweets ihrer Rolle in der gleichnamigen Comedy-Serie aufgeben musste. Am Dienstag meldete sich schließlich auch der Hauptdarsteller der Filmreihe, Chris Pratt, auf Twitter zu Wort: „Wisset, meine geliebten Brüder und Schwestern: Jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.“ Unter den Vers aus dem Brief des Jakobus schrieb er: „James, 1,19“.

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