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Sparen bei Gruner + Jahr : Henri-Nannen-Preis gestrichen

Der „Henri“ wird für besondere journalistische Leistungen vergeben Bild: dpa

Kritik an der Vergabe des Hamburger Journalistenpreises gab es immer wieder. Jetzt fällt die Gala aus, für ein Jahr. Oder für länger? Der Schritt von Gruner + Jahr ist auch ein Zeichen nach innen.

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          Der Verlag Gruner + Jahr setzt mit dem Henri-Nannen-Preis ein Jahr lang aus. Angesichts der Sparmaßnahmen sei eine Feierlichkeit dieser Art nicht passend, heißt es auf Anfrage von FAZ.NET im Verlag. Gruner + Jahr hatte unlängst angekündigt, im Laufe von drei Jahren vierhundert Stellen abzubauen. In der Redaktion des Magazins „Stern“ sind es allein 26 Stellen. Vor dem Hintergrund dieser Sparmaßnehmen hätten sich die „Stern“-Chefredaktion und der Vorstand von Gruner + Jahr entschlossen, mit dem Nannen-Preis 2015 auszusetzen. Insbesondere „die traditionell in feierlichem Rahmen begangene Preisverleihung erscheint uns in dieser Lage nicht angemessen“, heißt es.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Es sei zudem zu erwarten, dass Wettbewerb und Preisverleihung von der fortdauernden Diskussion über die Einsparungen überlagert würden und dass sich die Preisträger „einem öffentlichen Diskurs stellen müssten, der mit ihrer ausgezeichneten Leistung nichts zu tun hat“. Man wolle die Zeit nutzen, um gemeinsam mit dem Mitgliedern der Jury darüber nachzudenken, wie man den Henri-Nannen-Preis modernisieren und weiterentwickeln könne.

          Als Anfang vom Ende des Preises will man die Entscheidung bei Gruner + Jahr nicht verstanden wissen. Es sind jedoch nicht allein die wirtschaftlichen Verhältnisse, die Anlass geben können, über den Nannen-Preis nachzudenken. Zwei prominente Preisträger hatten die Ehrung zuletzt mit Blick auf den Namensgeber des Preises kritisiert. Zuerst der Internetaktivist Jacob Appelbaum und dann die Dokumentarfilmerin Laura Poitras hatten den Preis angenommen, sich später aber distanziert und gesagt, sie würden die Preis-Skulptur – den „Henri“ –, die den Kopf Nannens darstellt, einschmelzen lassen. Sie verwiesen auf die Rolle des Namensgebers in der NS-Zeit.

          Henri Nannen war Mitglied einer Propagandakompanie der Wehrmacht gewesen. Das allerdings war bekannt. Er habe daraus nie einen Hehl gemacht, hieß es dazu seinerzeit bei Gruner + Jahr. Nannen habe viel zur Bewältigung der NS-Vergangenheit beigetragen, hatte der frühere „Stern“-Chefredakteur Thomas Osterkorn gesagt. Auch zuvor hatte es bei der Preisvergabe Querelen gegeben, etwa als dem „Spiegel“-Redakteur Rene Pfister der Preis für eine Reportage über den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer wieder aberkannt wurde.

          Am wichtigsten dürfte es für Gruner + Jahr aber sein, mit der Nannen-Pause ein Zeichen nach innen zu setzen, nach dem Motto: Wir gehen nicht durch harte Zeiten, entlassen Leute und feiern dann auch noch. Der stets mit allem Pomp ausgerichtete Nannen-Preis kommt auf Kosten von jährlich rund zwei Millionen Euro.

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