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„Großes Fernsehen“ in Köln : Dieses Rennen kann niemand gewinnen

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Komplexität ist das Kennzeichen des Spitzenfernsehens unserer Zeit: Szene aus der BBC-Adaption von „Sherlock Holmes“ Bild: Hartswood Films 2010

Ein Kölner Festival führt die rasante Poetik des aktuellen Spitzenfernsehens vor. Dabei braucht es kein besonders großes Budget, um zu begeistern.

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          Wir sind draußen. Regen, der eine Scheibe hinunterläuft: Er macht das Medium sichtbar und zugleich blind, wird hier doch sonst viel mit Spiegelungen gearbeitet. Wir sehen die Scheibe, und wir sehen hindurch. Hinter dem Regenschleier steht Benedict Cumberbatch, der Protagonist der brillant detailgenau in die Gegenwart versetzten, frenetisch gefeierten „Sherlock Holmes“-Adaption der BBC. Das hohe Tempo hält auch in der ersten Folge der zweiten Staffel bis zur letzten Sekunde an, steigert sich noch: Displays überlagern sich, Kurzmitteilungen rasen über den Schirm, schwindelerregende Schauplatzwechsel von London nach Pakistan und zurück - und beim abschließenden Blick durchs Fenster von Holmes’ Appartement begreifen wir so halb seinen letzten Coup. Mit diesem grandiosen Finale ging am Sonntag im Kölner Cinedom das siebte Festival Großes Fernsehen zu Ende.

          In der Serie „Luck“ spielt Nick Nolte einen Gutsbesitzer. Vom Lauf seiner Vierbeiner hängen Schicksale ab

          Einmal im Jahr bringt die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen herausragende internationale Fernsehproduktionen auf die große Leinwand, allesamt Vorpremieren in Deutschland. Welche Bedeutung das im Rahmen des „Medienforum.NRW“ stattfindende Festival inzwischen erlangt hat, zeigt sich daran, dass die Verantwortlichen reihenweise Produktionen der Spitzenklasse ausgehändigt bekommen (über die ganze Bataillone von Rechteinhabern wachen), und das bei einem vergleichsweise moderaten Budget von etwa 200 000 Euro. So bietet sich Filmschaffenden, Senderverantwortlichen und der interessierten Öffentlichkeit - fünftausend Tickets wurden nachgefragt - die einmalige Gelegenheit, einen profunden Überblick über die neuesten Entwicklungen in der Poetik des Fernsehens zu gewinnen.

          Der Trend geht zu komplexer Bildsprache

          Die großen Fernsehserien werden gern als Weltliteratur unserer Zeit bezeichnet. Und tatsächlich lassen sich stilistische Innovationen besonders an den seriellen Formaten festmachen. Allerdings wurde die Erzählform des Geflechts, eine für den Zuschauer nicht mehr komplett überschaubare, ihn jedoch als Mitproduzenten einfordernde Komplexität, schon in Serien wie „Lost“, „The Wire“ oder den „Sopranos“ perfektioniert. Nur die Szenerien differenzieren sich immer weiter aus. Die Meister des Fachs produzieren gegenwärtig Serien über Pferderennsport (“Luck“ von HBO, siehe nebenstehender Artikel) oder skrupellose Bürgermeister (“Boss“ von Lionsgate). Als Held weiterhin beliebt ist der realistisch leidende, nur halb sympathische Machtmensch: Der zwielichtige Glücksspieler Dustin Hoffman in Michael Manns „Luck“ ist ebenso vom Leben gezeichnet wie Gus Van Sants demenzkranker „Boss“.

          Beliebter Held: Dustin Hoffman als Ace Bernstein in „Luck“

          Während Erzählweise und Inhalt der kommenden Serien also an den Vorläufern orientiert bleiben, darf man in der verdichteten, rasanten und verspielten Form durchaus einen neuen Trend sehen: Die Komplexität der Bildsprache steht jener der Narration nicht mehr nach. Endgültig ausgedient hat der olympische Blick. Das Bild bleibt in ständiger Bewegung, zeigt nie alles, ein Zoom folgt dem nächsten. Das Spiel mit der Tiefenschärfe zerlegt eine einzelne Szene in mehrere Ebenen. Extreme Naheinstellungen wechseln mit gewagt den Raum durchquerenden Blicken. Hochgeschwindigkeitsaufnahmen bringen zusätzlich Tempo hinein: Wohl noch nie wurden Pferderennen so spektakulär und nah am Objekt in Szene gesetzt wie in „Luck“. Auch die Technik darf zeigen, was sie kann: In der flotten CBS-Serie über einen gewissenlosen Unternehmensberater (“House of Lies“) wird immer wieder das Bild eingefroren, während der Protagonist sich ans Publikum wendet.

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