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Großbritannien : Murdochs Imperium wechselt die Seiten

  • -Aktualisiert am

Labour hat's vermasselt: „The Sun” vom 30. September 2009 Bild: REUTERS

Im kommenden Jahr gibt es Wahlen in Großbritannien. Die „Sun“, das Flaggschiff des Boulevards im Hause Murdoch, wird dabei Labour entraten und nach langer Pause wieder die Konservativen unterstützen.

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          Innerhalb von zwei Tagen hat die „Sun“ geschafft, worum sich die gewieften Imagemacher Gordon Browns seit Monaten vergeblich bemühen. Es wäre übertrieben zu behaupten, das Massenblatt habe das Ansehen des Premierministers wiederhergestellt, doch ist es der „Sun“ unfreiwillig gelungen, Sympathie zu erzeugen, wo Spott und Zorn vorherrschten.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Englands größte Boulevardzeitung rühmt sich ihres Gespürs für den Puls der Nation. Er schlägt, wie Umfragen bestätigen, nach zwölf Jahren einer Labour-Regierung wieder mehr für die Konservative Partei. Deswegen sagte sich die „Sun“ rechtzeitig vor der spätestens im Mai 2010 stattfindenden Wahl von Labour los. Dass dieser Wechsel ausgerechnet beim Labour-Parteitag angekündigt wurde, nahmen Brown und die Seinen der zu Rupert Murdochs Imperium gehörenden Zeitung besonders übel. Jetzt haben sie beinahe Grund, dem Blatt dankbar zu sein für seine gehässige Berichterstattung. Anfang vergangener Woche glaubte die „Sun“ auf den Woge der kritischen Einstellung zum Einsatz britischer Truppen in Afghanistan zu reiten, als sie den Premierminister wegen eines als unzulänglich empfundenen Kondolenzbriefes an die Mutter eines gefallenen Soldaten anprangerte.

          Die Trauernde war erzürnt über Schreibfehler in dem handgeschriebenen Brief, die sie als Zeichen mangelnder Anteilnahme deutete. Die „Sun“, die sich zur Anwältin jener Angehörigen gemacht hat, welche der Regierung den schlechten Ausrüstunsstand „unserer Jungs“ in Afghanistan vorhalten, griff die Geschichte eifrig auf. Am ersten Tag druckte sie den Brief ab und mokierte sich über die Schreibfehler, tags darauf gab sie ein Telefongespräch wieder, das Gordon Brown mit der erregten Mutter geführt hatte, um sie zu überzeugen, dass sein Brief keine „eilig gekritzelte Beleidigung sei“, wie sie meinte. Sie wies ihn auf fünfundzwanzig Schreibfehler hin und stellte ihn zum Mangel an Hubschraubern zur Rede. Der hörbar betroffene Brown erklärte die vermeintlichen Fehler mit seiner schlechten Schrift. Er versuchte sie mit der rührenden Unbeholfenheit seines Mitgefühls und seiner Bemühungen zu versöhnen, die Truppen mit dem bestmöglichen Material auszustatten. Weder die Mutter noch die „Sun“ zeigten sich überzeugt. „Verdammte Schande“, brüllte die Zeitung. Die Leser aber erbarmten sich des Premierministers, schließlich habe er sich die Mühe gemacht, der Mutter selbst zu schreiben.

          Zu Recht enttäuscht

          Tom Newton Dunn, dem leitenden politischen Redakteur der „Sun“ behagte die Heftigkeit des Angriffes offenbar nicht. Und aus dem fernen Australien ließ Rupert Murdoch persönlich wissen, dass er die Einstellung seines Blattes bedaure, Gordon Brown sei ein Freund. Allerdings meinte er auch, die Redaktion sei zu Recht von Brown enttäuscht. Mit anderen Worten: der Seitenwechsel wird vom Verleger gutgeheißen, auch wenn nicht alle Zwischentöne nach seinem Geschmack sind.

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