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Grönemeyer bei Beckmann : Herbert wird's schon richten

  • -Aktualisiert am

Ein Mensch bei Beckmann: Herbert Grönemeyer Bild: dpa

Politik, Religion, Musik, Fußball - mit Herbert Grönemeyer lässt sich einfach über alles reden. Reinhold Beckmann hat's am Montag Abend versucht. Und den Popstar ausgerechnet mit Bildern der eigenen Konzerte in Verlegenheit gebracht. Die Fernsehkritik von Peer Schader.

          „Jetzt mal ehrlich, Herr Grönemeyer“, hätte Beckmann fragen können. „Haben Sie überhaupt Lust, hier anderthalb Stunden mit mir in Ihrem Privatleben zu wühlen, oder hat Ihnen bloß die Plattenfirma gesagt, dass das einen guten Eindruck macht, wenn man gerade ein neues Album veröffentlicht hat?“

          Und Grönemeyer hätte vielleicht geantwortet: „Ach, lieber Herr Beckmann. Sie wissen doch selbst am besten, dass ich Ihnen hier unmöglich erzählen kann, was mich wirklich tief im Innern bewegt. Natürlich will ich, dass meine Platte gekauft wird. Aber ich erzähle Ihnen auch gerne ein bisschen was. Also machen wir doch beide das Beste daraus.“

          So entspannt hätte es losgehen können, am Montag Abend bei „Beckmann“, mit dem Gast Herbert Grönemeyer, der gerade sein neuestes Album „12“ vorgestellt hat, mit dem sich jetzt wieder alle Rekorde brechen lassen. Aber dann ist es doch so geworden, wie man sich das vorher gedacht hat: Beckmann hat versucht, ein paar tiefgründige Fragen zu stellen, und Grönemeyer hat lässig geantwortet, ohne dabei zuviel über sich zu verraten.

          Das gute Gewissen der Popmusik

          Grönemeyer, das weiß jedes Kind, ist sowas wie das gute Gewissen der deutschen Popmusik: Er ist engagiert, verletzlich, nah dran an den Menschen, eine ganz ehrliche Haut, einfach jemand, dem es sich problemlos zujubeln lässt. Grönemeyer ist ein Reflektor der Gesellschaft. Ihm würde die Mehrheit der Deutschen zutrauen, die ganz großen Probleme zu lösen. Klimawandel? Hunger in der Dritten Welt? Der Herbert wird's schon richten, so wie der sich immer für die gute Sache engagiert.

          Und er hat kein Probleme damit zuzugeben, seine neuen Lieder erst einmal in „Kauderwelschenglisch“ zu singen, bevor er sich nachher daran macht, Texte dazu zu schreiben, die auch Sinn ergeben. Und Sinn ergeben sie nachher immer, darin besteht im Land Einigkeit.

          Nur manchmal interpretieren die Leute zuviel in sie hinein. Einmal habe er sich mit einem Journalisten getroffen hat, kurz nachdem seine Eifersuchtshymne „Was soll das?“ veröffentlicht worden war, und der Mann von der Presse habe gesagt: Es geht Ihnen ja nicht so gut, Herr Grönemeyer, wegen dem anderen Mann, der sich da in Ihre Beziehung drängt, wie Sie in ihrem Lied singen. „Der hat das wirklich Wort für Wort ernst genommen“, wunderte sich Grönemyer, dem es bestens ging. Natürlich stecke viel eigene Erfahrung in den Texten, aber eben auch nicht immer.

          Als er „Kinder an die Macht“ gesungen habe, sei er in einer Show von Kinderpsychologen auseinander genommen worden, die ihn gefragt hätten, wie er denn nur so positiv über diese kleinen Biester singen könne. Er habe ja noch nicht einmal selber welche. „Die haben mich in Grund und Boden argumentiert.“ Heute hat Grönemeyer einen Sohn und eine Tochter, mit denen er in Großbritannien lebt. Weil es sich so ergeben hat.

          Die WM-Hymne - längst verziehen

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