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Grimme-Preise 2008 : In der Schule der Nation herrscht Krieg

  • -Aktualisiert am

Selbstparodie des Fernsehens: „Fröhliche Weihnachten” mit Anke Engelke und Bastian Pastewka Bild: Sat.1

Die Grimme-Preise 2008 sind da. Schnelle Krimis, Kammerspiele und Dokumentationen mit langem Atem werden ausgezeichnet. Das ZDF räumt die meisten Preise ab, während die Privaten nur in der Unterhaltung punkteten.

          Wird das deutsche Fernsehen von Jahr zu Jahr schlechter? Angesichts von Castingwahn und Kochmanie, Prominenten- und Pathologenschwemmen auf allen Kanälen scheint das so gut wie sicher. Masse statt Klasse heißt für gewöhnlich die Devise. So funktioniert Fernsehen für alle und keinen. Formate, die erfolgreich waren, werden schnellstens kopiert, bis auch der letzte Zuschauer begriffen hat, dass Fernsehen vorrangig dem Zweck des umgehenden Vergessens dient. Wer sich ernsthaft unterhalten, geschweige denn bilden will, greift zum Buch - Programmauftrag der Öffentlich-Rechtlichen hin oder her.

          Besonders bei den Privatsendern haben es die anspruchsvollen Eigengewächse schwer. Loben die Kritiker eine Serie, ist das wahrscheinlich ihr Todesurteil. Muss das so sein? Vielmehr: Wo sind die Ausnahmen, die die Regel nicht nur bestätigen, sondern in der Lage sind, nicht nur Zeichen, sondern selbst Trends zu setzen?

          Dem Vergessen trotzen

          Hier: Einmal im Jahr treffen sich in Marl Fernsehkritiker, Medienwissenschaftler, Filmfachleute und Vertreter der Volkshochschulen sowie Marler Bürger, darunter etliche Schüler, um sich als Juroren mehrere Tage die Zeit zu nehmen, die sonst immer zu fehlen scheint. Zeit, um nach der immensen Sichtungsarbeit der Nominierungskommissionen aus dem Strom der Produktionen diejenigen Spielfilme, Mehrteiler, Serien, Unterhaltungssendungen und Dokumentationen herauszufischen, die dem umgehenden Vergessen trotzen.

          Ausgezeichneter Polizeifilm: „Eine Stadt wird erpresst” mit Uwe Kockisch (l.), Maria Rogalla und Misel Maticevic

          Und wenn man alle Preisentscheidungen nimmt, die die Grimme-Jury in diesem Jahr getroffen hat, ist das ZDF der große Gewinner. Sowohl im Wettbewerb „Fiktion“ als auch in der Sparte „Information und Kultur“ gehen vier der fünf Preise mindestens mit auf das Konto des ZDF. Doch nicht nur in den Hauptsparten räumt der Sender diesmal fast im Alleingang die Preise ab, auch in den meisten Nebenkategorien sah man im abgelaufenen Fernsehjahr mit dem Zweiten besser. Der andere Befund: Schnelles, moderneres Fernsehen muss nicht zwangsläufig zur Kopierwut führen.

          Atemlose Erzählweise

          Das gilt insbesondere für die ausgezeichneten deutschen Polizeifilme. „Eine Stadt wird erpresst“ von Dominik Graf wird künftig als eines der Muster gelten, an dem sich Filme mit ähnlichem Sujet und Anspruch messen lassen; genauso wie Polizeiserien, die an der ZDF-Serie „KDD - Kriminaldauerdienst“ Maß nehmen, nur gewinnen können. Beide verbinden inhaltlich und bildästhetisch atemlose Erzählweise, komplexe, tiefenscharfe Charakterzeichnung und schauspielerische Glanzvorstellungen mit äußerster handwerklicher Präzision.

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