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Grimme-Preis : Ein Preis und ein Foto

Forderte ein, was die meisten Anwesenden auszeichnete: Bundespräsident Joachim Gauck. Bild: dpa

Bei der Verleihung des Grimme-Preises gibt sich der Bundespräsident die Ehre. Joachim Gauck spricht den Fernsehmachern „Mut“ zu. Und bekommt im Laufe des Abends einen Schuss vor den Bug.

          Jan Böhmermann hat es geschafft. Er hat den Grimme-Preis und er hat ein „Selfie“ mit dem Bundespräsidenten. Mehr kann man nicht wollen, beides auf einmal gibt es auch nicht wieder: Einen Grimme (für das „Neo Magazin“) und einen „Gaucki“. Grimme-Preis? Na gut, habe seine Mutter gesagt, erzählte Böhmermann: „Hauptsache, ihr nehmt keine Drogen.“

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Keine Drogen. Stattdessen höchstes Protokollaufgebot. Der Bundespräsident hatte sich nämlich auf den Weg nach Marl gemacht, weil dort der Grimme-Preis zum fünfzigsten Mal vergeben wurde. Da durfte die Gästeliste schön höchsten Ansprüchen genügen: Joachim Gauck, Hannelore Kraft, die Ministerpräsidentin und Rita Süssmuth, die Präsidentin des Deutschen Volkshochschulverbands, der Gründungsgesellschafter des Grimme-Instituts ist.  Dieser Abend mache sie „glücklich“, sagte Rita Süssmuth am Ende, als sie ans Mikrophon trat. Für die Preisträger dürfte das auch gegolten haben. Bei  Joachim Gauck sind wir uns da nicht so sicher. Denn er fand zwar Applaus und durfte aufs Foto, bekam im Laufe des Abends aber auch einen ziemlich harten, persönlichen Verweis.


          „Mut“ forderte Joachim Gauck in seiner Rede. Das Fernsehen und dessen Macher müssten Mut zu Innovationen und einem „individuellen Zugriff“ haben, nach Authentizität streben, Durchhaltevermögen und Geduld beweisen und einen „unbestechlichen Blick“ auf die Dinge werfen, aus freiheitlicher und demokratischer Perspektive. Der Bundespräsident forderte also genau das, was die Stücke, die am Freitagabend in Marl prämiert wurden, auszeichnet, zumindest in den Augen der Jury. Dass solche Qualifikationen im Fernsehen die Regel wären, wollen wir an dieser Stelle einmal nicht behaupten.

          Der Mut und der Luftangriff

          So sprach Joachim Gauck also über Mut und den glaubte wohl auch der Regisseur Raymond Ley zu haben. Er bekam einen Grimme-Preis für den ARD-Film „Eine mörderische Entscheidung“, der von einem von einem Bundeswehr-Oberst befohlenen Luftangriff auf einen Benzinlaster bei Kunduz in Afghanistan handelt, bei dem mehr als hundert Menschen ums Leben kamen. Hier im Saal sitze ein Bundespräsident, sagte Ley im Gespräch mit dem Moderator Michael Steinbrecher, der für mehr Auslandseinsätze der Bundeswehr eintrete. Und man sehe ja, „wohin das führen wird“. Bundespräsident, Bundeswehr, Bombardement in Kunduz – schön, wenn man sich die Dinge so einfach machen kann wie dieser Regisseur.

          Das war der Kontrapunkt zur freundlichen Ouvertüre im Theater in Marl, zu der Klaas Heufer-Umlauf bewies, dass auch er Mut besitzt. Er nahm mit seinem Kompagnon Joko Winterscheidt für die bei Pro Sieben laufende Show „Circus Halligallli“ nämlich nicht nur einen Grimme-Preis entgegen, sondern – sang. Begleitet von Klaus Doldinger und dessen Gruppe „Passport“ gab Heufer-Umlauf den Sinatra. Und das machte er ziemlich gut. So auf selbstverständliche Weise unterhaltsam wie die fünfzigste Verleihung des Grimme-Preises in der der ersten Halbzeit jedenfalls war der vor einigen Wochen vorläufig begrabene Deutsche Fernsehpreis nie.

          Am Saxophon begleitet vom Tatort-Komponisten Klaus Doldinger: Klaas Heufer-Umlauf.

          Doch je länger der Abend währte, je mehr Preisträger aufmarschierten, bis am Ende, beim Preis für die beim SWR gelaufene Serie „Zeit der Helden“, die Bühne voll war, desto deutlicher wurde, dass wir es hier mit einem Klassentreffen der ARD zu tun hatten. Acht von zwölf Preisen gingen an die ARD, einer an eine Episode des österreichischen „Tatorts“ und der Sonderpreis schließlich ging an den „Tatort“ an und für sich. Ulrike Folkerts, die ihn stellvertretend für ihre vielen Kollegen in Empfang nahm, wünschte sich bei der Gelegenheit mehr „Multikulti“ im deutschen Fernsehen, von dem wir an diesem Abend ja schon so viel Gutes gehört hatten.

          Der frühere Fernsehspielchef des WDR und Erfinder des „Tatorts“, Gunter Witte, meinte, die 1971 ins Leben gerufene Reihe sei  nicht altersschwach, sondern geradezu „altersstark“. In Marl zeigen die Älteren seit jeher, was sie noch drauf haben. Mit dem aktuellen Fernsehen hat das nur punktuell etwas zu tun. Die Jugend – Böhmermann, Winterscheidt und Heufer-Umlauf gelten unter diesen Umständen als solche – ist fürs Intro und für die gute Stimmung zuständig und darf zum Schluss nochmal mit aufs Gruppenfoto.

          Vor dem Theater hatten tatsächlich ein paar Leute ausgeharrt, um den Bundespräsidenten noch einmal zu sehen. Joachim Gauck kam und ging mit Applaus. Die Festgemeinde von Grimme ging derweil feiern, mit Feuerwerk und so. 50 Jahre Grimme-Preis!

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