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Grimme-Preis : Böhmermann steht im Mittelpunkt

Vor der Verleihung: Schauspieler Max Mauff mit einer nicht ganz ernst gemeinten Vermisstenanzeige Bild: dpa

Der ZDF-Satiriker war tatsächlich nicht bei der Verleihung des Grimme-Preises in Marl. Doch es ging natürlich vor allem um ihn. Und in Abwesenheit sorgte er für eine positive Überraschung.

          Jan Böhmermann war nicht bei der Verleihung des Grimme-Preises, aber er war präsent. Gleich zu Beginn und am Ende der knapp zweistündigen Gala im Theater der Stadt Marl ging es um ihn. Und zum Schluss gab es eine Überraschung. Denn der Satiriker bekam nicht nur, was schon vorher bekannt war, den Grimme-Spezialpreis in der Sparte Unterhaltung, sondern auch die „besondere Ehrung“ des Deutschen Volkshochschulverbandes zugesprochen, der zu den Stiftern des Preises zählt.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Dieser Preis sei nicht als Ehrung für das Lebenswerk zu verstehen, sagte die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), die Präsidentin des Verbandes ist, sondern als Zeichen der Ermutigung.

          Jan Böhmermann, sagte Annegret Kramp-Karrenbauer, die gar nicht mehr aufhören wollte zu reden, nachdem sie einmal das Mikrophon in Händen hatte, sei „ein leidenschaftlicher Medienmacher, der uns den Atem raubt und in Atem hält“, er spiele mit Sicherheiten, Gewissheiten und Genres. Er stehe für eine intelligente Mediengestaltung, lote Grenzen aus und verletze sie bewusst. Das sei dem Volkshochschulverband auch bewusst gewesen, doch wolle man mit der Ehrung nicht „auf ein mediales Pferd setzen“.

          Kramp-Karrenbauer sorgt für fulminanten Schlusspunkt

          Die Entscheidung für Böhmermann sei schon im vergangenen November gefallen und gelte nicht seinem Erdogan-Gedicht, sondern der Scharade um den „Stinkefinger“ des früheren griechischen Finanzministers Giannis Varoufakis. Die Erdogan-Episode sei sicherlich nicht preiswürdig, doch wünsche sie sich, sagte Annegret Kramp-Karrenbauer mit Blick auf die aktuelle Debatte, die Verteidigung der Meinungsfreiheit und eine „mutige und demokratisch-gelassene Medienwelt“.

          Mit ihrer engagierten Rede, die ob ihrer Länge den Moderator des Abends, Jörg Thadeusz, in eine gewisse amüsierte Unruhe versetzte, sorgte die saarländische Ministerpräsidentin für den fulminanten Schlusspunkt einer ansonsten in getragener Stimmung verlaufenden Preisverleihung, bei der die übrigen Entscheidungen der Grimme-Jury etwas ins Hintertreffen gerieten.

          Diese hatte nämlich mit Preisen für die Vox-Serie „Club der roten Bänder“, für „Deutschland 83“ von RTL und das von dem kleinen Abosender TNT produzierte „Weinberg“ bemerkenswerte Akzente bei der Ehrung moderner, engagierter Fernsehformate gesetzt, die eben nicht bei den öffentlich-rechtlichen Sendern laufen, die auf Grimme-Preise abonniert sind und Marl als ihre Home Base betrachten.

          Einschränkung der Pressfreiheit nicht zu tolerieren

          Was den Moderator Jörg Thadeusz zu Beginn zu der mit gespielter Sorge vorgetragenen Frage veranlasste, ob Grimme die Öffentlich-Rechtlichen nicht mehr schätze. Das wies die Direktorin des Grimme-Instituts, Frauke Gerlach, diplomatisch zurück und kam umgehend auf Jan Böhmermann zu sprechen. Satire, sagte sei, sei nicht zu bewerten, auch nicht von denen, die vermeintlich „billig und gerechte denken“.

          Es gehe nicht um Geschmack, sondern um die Freiheit der Satire, über deren Grenzen am Ende nur die Gerichte entschieden. Sie wünsche sich, dass die Debatte über Böhmermann und dessen Erdogan-Gedicht „versachlicht“ werde. Eine Einschränkung der Pressfreiheit sei nicht zu tolerieren, dieses Signal wolle man in Marl setzen.

          Jan Böhmermann hatte sein Fernbleiben in Marl am Morgen des Preisverleihungstages mit einer Erklärung begründet, die am Freitagabend mehrfach zitiert wurde: Ich fühle mich erschüttert in allem, an das ich je geglaubt habe. Mein Team von der Bildundtonfabrik und ich bitten um Verständnis, dass wir heute Abend nicht in Marl feiern können.“ Wegen des als „Schmähkritik“ annoncierten Gedichts auf den türkischen Präsidenten Erdogan hatte die Staatsanwaltschaft Mainz zuvor Vorermittlungen gegen Böhmermann und namentlich nicht genannte „Verantwortliche im ZDF“ wegen möglicher Beleidigung eines Staatsoberhaupts aufgenommen.

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