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Grimme-Preis 2015 : Wie zeichnet man Fernsehen am besten aus?

So sieht er aus, der Grimme-Preis: Bildschirm in Bildschirm in Bildschirm. . . Bild: dpa

Die wichtigste TV-Trophäe im Land: An diesem Freitag ist der Grimme-Preis zum 51. Mal verliehen worden. Zudem hat die neue Grimme-Chefin Frauke Gerlach einiges vor. Zunächst will sie das Kinder- und Jugendfernsehen aufwerten.

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          Da die Konkurrenz schläft oder schwächelt, hat der traditionsreiche und allseits angesehene Grimme-Preis für Fernsehproduktionen noch an Bedeutung gewonnen. Im Theater der westfälischen Mittelstadt Marl wurde er an diesem Freitag zum 51. Mal verliehen: Fünf Spielfilme, sechs Dokumentationen, zwei Unterhaltungsformate sowie vierzig daran beteiligte Schauspieler, Regisseure, Drehbuchautoren, Ausstatter, Schnittmeister, Produzenten und Rundfunkredakteure wurden ausgezeichnet.

          Jochen Hieber

          Freier Autor im Feuilleton.

          Honoriert sind die Preise nicht, dafür höchst honorabel. Die Verleihung wird am Freitagabend von 22.35 Uhr an noch einmal in einer zusammenfassenden Aufzeichnung im Fernsehprogramm des Kultursenders übertragen.

          Im Wesentlichen dürfte die Branche damit das Feiern für 2015 auch schon hinter sich haben. Denn der Deutsche Fernsehpreis, ein seit 1999 bestehendes und stets umstrittenes (Selbst-)Belobigungsritual von ARD, ZDF, RTL und Sat.1, ist nach Zwistigkeiten unter den Veranstaltern und allerlei dramaturgischen Malaisen zumindest für dieses Jahr ausgesetzt. Den Auszeichnungen der 2010 gegründeten, von den Sendeanstalten unabhängigen Deutschen Akademie für Fernsehen fehlen bis dato noch Renommee wie Glanz - und der „Bambi“, das jährliche Medienpreis- und Societyspektakel des Hauses Burda, lässt sich mit der Qualitätsmarke Grimme schlicht nicht vergleichen. Einzig der Bayerische Fernsehpreis bringt ein passables Eigengewicht auf die Waage.

          Fabelhafter Preisträger: Der Fernsehfilm „Bornholmer Straße“, eine Komödie über die Nacht der Maueröffnung mit Charly Hübner (Mitte) in der Hauptrolle des DDR-Grenzers Harald Schäfer

          Eine Legende tritt ab – und bleibt im Spiel

          Die 51. Marler Preisverleihung ist auch eine Premiere. Erstmals Gastgeberin ist die Juristin Frauke Gerlach, die das Grimme-Institut seit Mai 2014 leitet, erstmals als neuer Referent des Grimme-Preises aktiv ist Steffen Grimberg, der gegen Ende des vergangenen Jahres vom NDR kam. Auf Grimberg lastet zumindest für den Anfang eine Grimme-Legende, löst er doch den nun pensionierten Ulrich Spies ab, der eine halbe Ewigkeit lang, genau: seit 1981, für die Organisation des Preises und die Betreuung sowohl der Nominierungskommissionen als auch der diversen Jurys zuständig war - und der als Geschäftsführer der mäzenatischen „Freunde des Adolf-Grimme-Preises e.V.“ gralshütend im Spiel bleiben will und wird.

          Etwas leichter hat es Frauke Gerlach, deren Vorgänger Uwe Kammann das Institut neun Jahre lang leitete und seiner Nachfolgerin einen nicht unproblematischen Vertragsentwurf mit einem der Grimme-Gesellschafter, der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM), hinterließ: Für die jährliche Instituts-Förderung von 850 000 Euro sollte die LfM ein stärkeres Gewicht im Beirat erhalten, zudem ein Vorschlagsrecht für die Besetzung der Jurys. Beide Gegengeschäfte sind mittlerweile wieder vom Tisch, der LfM-Beitrag bleibt gleichwohl garantiert - und das Institut unabhängig.

          Zu Frauke Gerlachs ersten Aktivitäten zählte ein Abkommen mit der Universität Köln über ein gemeinsames Forschungskolleg, das sich der „Medienentwicklung im digitalen Zeitalter“ widmen soll. Ohnehin sind die mediale Erweiterung durch Internet und soziale Netzwerke sowie der damit einhergehende Publikums-, ergo: Nutzerwandel wichtige Themen des Grimme-Instituts, das sich dabei zugleich als Hüter von Programmqualität, gesellschaftlicher Werthaltigkeit und medialer Unabhängigkeit versteht.

          Warum das Privatfernsehen kaum zum Zuge kommt

          Frauke Gerlach ist zudem bestrebt, die gegenwärtig 28 Mitarbeiter ganz von finanziell befristeter Projektarbeit zu befreien, die Forschungs- und Bildungs-Aktivitäten von Grimme also institutionell abzusichern. Mindestens zweieinhalb, besser aber drei Millionen Euro sind dafür im Jahr nötig, 1,12 Millionen steuert das Land Nordrhein-Westfalen aktuell bei, als Förderer kommen zur LfM noch das ZDF, der WDR, die Filmstiftung NRW, der Energieversorger RWE sowie die ihrerseits höchst klamme Stadt Marl hinzu, deren letzte Steinkohlenzeche Auguste Victoria heißt und am Ende des Jahres endgültig schließt.

          Seit Mai 2014 die neue Grimme-Chefin: Frauke Gerlach

          Unbestritten das Aushängeschild des Instituts ist der Grimme-Preis. Benannt nach Adolf Grimme, dem 1963 gestorbenen SPD-Kulturpolitiker und Gründungsintendanten des einstigen NWDR, des Vorläufers von NDR und WDR, begleitet die jeweils in mehreren Sparten verliehene Auszeichnung die Geschichte des Fernsehens im geteilten wie im wiedervereinten Deutschland auf einzigartige Weise. Sie ist das gute Gewissen des Massenmediums und satzungsgemäß auch dessen Prüfinstanz in Sachen Qualität und Innovation.

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