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Grimme Online-Awards 2014 : Die Stars der Randgebiete

  • -Aktualisiert am

Tilo Jung (li.), einer der Preisträger der Grimme Online-Awards, im Gespräch mit Glenn Greenwald, dem durch den Fall Snowden bekannt gewordenen „Guardian“-Journalisten Bild: Alexander Theiler

Die Jury des Grimme Online-Awards hat nur Augen für solide Arbeit. Darauf, dass es einen Medienwandel gibt, legt letztlich erst das Publikum wert.

          Das Grimme-Institut wird bei seinem Standpunkt  bleiben und die Gesellschaft und ihre Medien weiterhin in digital und televisuell unterteilen, wo auch immer diese Grenze von Marl aus gesehen wird. Die neue Direktorin des Instituts, Frauke Gerlach, legte sich am Freitagabend in Köln fest. Die zum 14. Mal vergebenen Grimme Online-Awards werden nicht in die Grimme-Preise integriert. Der Online-Award sei ein Preis für die „Randgebiete“ des Fernsehens, die durch das Internet erschlossen werden können, deren neue Formate Spielfilme und Dokumentationen aber nicht verdrängen, sagte Gerlach.

          Ein Nachwuchspreis ist der Award dadurch nicht, als Ansporn soll er verstanden werden. Für die ersten Preisträger galt dies im umfassenden Sinne. In der Kategorie Information wurde die Online-Reportage „Zwischen Hoffnung und Verzweiflung – der neue Nahe Osten“ ausgezeichnet. Eine mehr als dreißig Personen umfassende Gruppe um den ARD-Korrespondenten Jörg Armbruster erarbeitete Reportagen und Berichte zu umfänglichen Dossiers über den Nahen Osten. Der ebenfalls im öffentlichen Rundfunk arbeitende Laudator Jörg Thadeusz sah darin ein hoffnungsvolles Zeichen von Mut innerhalb seiner Zunft.

          Künstliche Grenzen

          Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gäbe es durchaus eine „Führerbunkermentalität“, die Projekten wie diesem entgegenstünde. An der Zusammenarbeit von BR, ARD und SWR könne man jedoch sehen, dass sich die Hinwendung zum Netz lohne, sagte Thadeusz auch mit ironischem Verweis auf die Rundfunkgebühren. Ebenso dem Fernsehen verbunden war auch der zweite Preis des Abends. Ebenfalls in der Kategorie Information erhielt die dreiköpfige Redaktion von „Jung & Naiv“ eine Auszeichnung für ihre Interviewsendungen. „Wir verdienen mit dem Fernsehen unser Geld, aber ich empfinde die Beschränkungen als Nachteil“, sagte der ausgezeichnete Tilo Jung.

          Auch der Preis in der Kategorie Wissen und Bildung blieb dem Fernsehen verbunden. In drei Monaten Anfang dieses Jahres veröffentlichte Arte das Projekt „Fort McMoney“, bei dessen Kategorisierung sich auch die Grimme-Jury nicht zwischen Fernsehdokumentation und Videospiel entscheiden konnte. Die Jury zeichnete eine Erzählform aus, die dem Zuschauer Handlungsmöglichkeiten einräumte, während über das Schicksal einer von der Ölindustrie gebeutelten Stadt mitentschieden werden könne. Aus ähnlichen Beweggründen ging ein Preis an eine Online-Reportage des WDR über das Haldern-Festival.

          Weitere Preise erhielt der „Pressekompass“, für eine Form von täglichen Presseschauen, bei der die Meinungsvielfalt im Mittelpunkt steht. Der Lokalblogger Norbert Molitors wurde für die liebevolle Betrachtung seiner Heimatstadt ausgezeichnet und die Neue Zürcher Zeitung erhielt einen Preis für ein Online-Portrait des späteren Snowboard-Olympiasiegers Iouri Podladtchikov. Die Grimme-Jury entschied sich zudem in der Kategorie Spezial für eine Auszeichnung des Politikblogs Netzpolitik.org.

          Erst das Publikum entschied sich beim einzigen Preis, der nach einer öffentlichen Abstimmung vergeben wurde, dazu, sich über die zuvor gezogenen Grenzen hinwegzusetzen. Dem Videoblogger Florian Mundt, der mit seiner Kolumne unter dem Namen „LeFloid“ zweimal pro Woche mehr als eine Million Menschen erreicht, gestand die Jury keinen Preis zu. Unabhängig von möglichen Werturteilen gilt bei diesen Zahlen die Zuordnung Mundts in ein Randgebiet allerdings nicht. Die Jury, die sich für ihre Arbeit sehr lobte, wird sich etwas einfallen lassen müssen.

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