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Grimme-Preise : Klimawandel, Seenotrettung – und Rechtspopulismus

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Preisträger: Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf bei der Verleihung der Grimme-Preise vor zwei Jahren in Marl. Bild: dpa

Beim Grimme-Preis zeigt sich, dass die Tage des linearen Fernsehens gezählt sind. Denn einige wichtige Preise gehen an Streamingdienste. Gleichzeitig werden gegen zwei Preisträger Fälschungsvorwürfe bekannt.

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          Privatfernsehen auf dem Vormarsch: Bei den diesjährigen Grimme-Preisen gehen fünf von sechzehn Auszeichnungen an Produktionen privater Anbieter. Der Streamingdienst Netflix erhält Preise für die Serien „How To Sell Drugs Online (Fast)“ und „Skylines“. Für den Thriller „Der Pass“ geht die Auszeichnung an Sky. Bei ProSieben läuft das prämierte Unterhaltungsformat „Joko & Klaas Live – 15 Minuten“. Für preiswürdig hielten die Juroren auch die Datingshow für homosexuelle Männer „Prince Charming“. Sie lief beim RTL-Streamingdienst TV Now.

          In den Produktionen spiegelten sich die beherrschenden Themen des Jahres 2019 wider wie Klimawandel, Seenotrettung und wachsender Rechtspopulismus, sagte Grimme-Direktorin Frauke Gerlach. Es hätten Produktionen überzeugt, „die auch uns als Publikum nicht gleichgültig zurücklassen, die Produktionen, die sich positionieren für eine offene, pluralistische Gesellschaft“. In dem Zusammenhang erhält der WDR-Journalist Georg Restle stellvertretend für die Redaktion des Magazins „Monitor“ einen Preis für die „kontinuierliche und haltungsstarke Berichterstattung über Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus“.

          Um den Alltag in Europa geht es in dem ausgezeichneten Episodenfilm „The Love Europe Project“ (ZDF/Arte). Einen Grimme-Preis gibt es auch für die deutsch-französische Serie „Eden“ (SWR/Arte), die Schicksale von Migranten in Europa aufgreift. Auch der Dokumentarfilm „Dark Eden“ (ZDF/3Sat), der die Umweltauswirkungen der Ölgewinnung in Kanada beschreibt, erhält einen Preis. Ausgezeichnet fand die Jury der Kategorie Unterhaltung noch die Talkshow „Chez Krömer“ (rbb) mit Kurt Krömer. „Chez Krömer“ liefere Erkenntnisse, „die so im herkömmlichen Fernsehen höchst selten im Angebot sind“, so die Jury.

          Im Wettbewerb Kinder & Jugend geht ein Preis an Bürger Lars Dietrich und Marti Fischer für ihre Doppelmoderationen in der Musik-Comedy-Show „Leider laut“ (ZDF). Die Besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbands (DVV) geht an den Regisseur und Autor Heinrich Breloer. Die Preise sollen am 27. März in Marl verliehen werden.

          ProSieben weist Fälschungsvorwürfe gegen Joko und Klaas zurück

          Unterdessen hat ProSieben Fälschungsvorwürfe gegen die Entertainer Joko und Klaas zurückgewiesen. Selbstkritisch räumte der Privatsender am Dienstag zugleich ein, dass bei einem Clip über einen angeblich durch Klaas ertappten Berliner Fahrraddieb „der satirische Ansatz des Filmes womöglich deutlicher gemacht hätte werden müssen“. Nach dem Einspieler der Reihe „Late Night Berlin“ hatte 2019 Berlins Polizei Ermittlungen wegen des Verdachts des Diebstahls aufgenommen.

          Das NDR-Reportageformat „STRG_F“ wirft Joko Winterscheidt (41) und Klaas Heufer-Umlauf (36) vor, Schauspieler in ihren Einspielfilmen einzusetzen. Anhand mehrerer Beispiele sei der Einsatz gecasteter Laiendarsteller nachgewiesen worden. Darstellungen von Ereignissen seien grob verkürzt oder offensichtlich gescriptet (Scripted Reality/ausgedacht und vorgeschrieben).

          ProSieben hielt dem in einem Statement entgegen: „Für Einspielfilme werden neben spontanen Passanten ab und an ganz offen und öffentlich Teilnehmer gesucht, um sicherzustellen, dass ausreichend Protagonisten zur Verfügung stehen, die bereit sind, sich filmen zu lassen. Sie wissen nicht, was redaktionell für sie vorbereitet wird.“

          Ein weiterer Kritikpunkt des NDR-Magazins ist, dass beim Einspielfilm „Fahrraddiebstahl“ manche Szenen mindestens zwei Mal gedreht worden seien. Die Verpixelung des Täters solle offenbar Authentizität vermitteln. Dazu ProSieben: „Ziel des Beitrages war die humoristische Sensibilisierung für das Thema „Fahrraddiebstahl“. Dies kann als erfolgreich bezeichnet werden und ist unserer Kenntnis nach im Sinne der Polizei Berlin geschehen. Nach erfolgreichem Abschluss eines Drehs mit versteckter Kamera werden aus produktionstechnischen Gründen häufig entweder mit Einverständnis des Protagonisten oder einem Ersatzprotagonisten, sogenannte Schnittbilder nachgedreht.“

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