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Grimme-Institut fürchtet um Unabhängigkeit : Sie wollen ans Allerheiligste

Die Grimme-Jury entscheidet vielleicht nicht immer mutig, aber immerhin unabhängig. Bis jetzt. Bild: dpa

NRW hat kein Geld mehr für das Grimme-Institut. Die mit Rundfunkgebühren gespeiste Landesmedienanstalt soll aushelfen und will dafür Einfluss nehmen. Damit droht Grimme dasselbe Schicksal wie dem Fernsehpreis.

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          Als am vergangenen Freitag der Grimme-Preis zum fünfzigsten Mal vergeben wurde, schien die Welt im westfälischen Marl für einen Abend in Ordnung. Der Rahmen war festlich, der Bundespräsident hielt als Ehrengast eine Mut-Rede (Mut zu mehr Innovation, Ausdauer und persönlicher Handschrift im Programm), wie man sie von Joachim Gauck erwarten darf; die Preisträger waren beseelt. Die Veranstalter hielten sich dezent im Hintergrund, auch wenn es Grund gegeben hätte, ein wenig mehr in eigener Sache zu trommeln.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Eine von Michael Steinbrecher souverän-sympathisch moderierte Gala war das, ohne viel Glamour, doch der wäre in Marl auch ziemlich unangebracht. Die große Frage, die auch an diesem Abend in den Gesprächen im Hintergrund eine Rolle spielte, aber ist: Wie geht es mit dem Grimme-Institut weiter? Der Geschäftsführer Uwe Kammann geht in Ruhestand, mit ihm der Preisreferent Ulrich Spies. Am 1.Mai tritt Frauke Gerlach als Grimme-Chefin an. Und auf sie wartet, noch bevor sie anfangen kann, eine Hypothek. Das Grimme-Institut und der Grimme-Preis drohen nämlich ihre Unabhängigkeit zu verlieren.

          850.000 Euro sind eine Menge Geld

          Das könnte geschehen, wenn ein unter Geheimhaltung ausgehandelter Vertrag in Kraft tritt, der die Zusammenarbeit des Grimme-Instituts mit der Landesanstalt für Medien (LfM) regelt. Es geht um viel Geld und um – Einfluss. Der Vertrag, dem die Aufsichtsgremien der beiden Institutionen noch zustimmen müssen, hält fest, dass die LfM künftig das Recht hat, „geeignete Personen für die Nominierungskommissionen bzw. die Jurys des Grimme-Preises bzw. des Grimme Online Award vorzuschlagen“. Sie bekommt zudem zwei Sitze im Beirat des Grimme-Instituts.

          Moderator Michael Steinbrecher und Preisträger Jan Böhmermann bei der 50. Adolf-Grimme-Preis-Verleihung am 4. April.

          Dass die Landesmedienanstalt sich einen solchen Zugriff auf Grimme sichern will, ist kein Wunder. Die LfM wird nämlich zu einem Hauptfinanzier des Instituts. Sie stellt 400.000 Euro pro Jahr für den Grimme-Preis und den Grimme Online Award zur Verfügung und weitere 450.000 Euro für Projekte „zur Förderung der Medienkompetenz, zur Information und Qualifikation in den Handlungsfeldern Medienbildung und Medienkompetenz“. 850.000 Euro pro Jahr, die man fest einplanen kann, das ist für das notorisch klamme Grimme-Institut ein Batzen.

          Der Preis, den Grimme für die pekuniäre Sicherheit zahlte, wäre allerdings hoch: Die Nominierungskommissionen und die Jurys des Grimme-Preises und des Grimme Online Award sind das Allerheiligste. Mögen die Entscheidungen der Jurys kritikwürdig, angreifbar oder mutlos sein, so gilt doch: Hier trifft sich eine Gruppe, die ohne jeden Einfluss aus der Branche und von den Sendern ihr Urteil fällt.

          Landesregierung will Geld sparen

          Und das geschieht, obwohl der WDR und das ZDF Gesellschafter des Grimme-Instituts sind, neben dem Land NRW, der Filmstiftung NRW, der Landesmedienanstalt, der Stadt Marl und dem Deutschen Volkshochschulverband (DVV). Nur der Volkshochschulverband ist in den Jurys vertreten, was sich dadurch erklärt, dass das Grimme-Institut vom DVV gegründet wurde. Ansonsten ist der Grimme-Preis gegen die Malaise gefeit, an welcher der Deutsche Fernsehpreis einstweilen zugrunde gegangen ist: Gesellschafter, die Einfluss nehmen (wollen) oder sich nicht einig sind. Was wäre, wenn auch das ZDF zwei Leute für die Grimme-Jurys vorschlagen wollte? Oder der WDR? Oder die Landesregierung?

          Die Landesregierung indes hat die Bredouille, in der Grimme steckt, begünstigt: Bislang wurde der Grimme-Preis aus Landesmitteln bezahlt. Jetzt übernimmt die Landesmedienanstalt. Sie muss übernehmen, weil die NRW-Landesregierung entdeckt hat, dass bei der LfM Geld zu holen ist. Gebührengeld, um es genau zu sagen: Die Landesmedienanstalt wird aus dem Rundfunkbeitrag finanziert, ihr Jahresetat lag zuletzt bei 18,8 Millionen Euro. Mit denen werden nun Rechnungen beglichen, für die früher die Landesregierung Geld lockermachen musste – so auch bei Grimme. Das Ergebnis ist ein Bermudadreieck, in dem zwischen Düsseldorf und Marl um Geld und Einfluss gerungen wird.

          In Marl aber lautet die Rechnung: Unabhängigkeit gegen finanzielle Sicherheit. Auch wenn es schwerfällt, sollte für den Aufsichtsrat des Grimme-Instituts die Entscheidung über den neuen Vertrag eine eindeutige Angelegenheit sein. Unabhängigkeit ist unbezahlbar, vergolten wird sie nicht zuletzt durch allgemeine Anerkennung. Wie bei der Jubiläumsfeier am vergangenen Freitag.

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