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Grimme-Institut : Fernsehpreis bleibt unabhängig

Anfang April zum fünfzigsten Mal verliehen: der Grimme-Preis Bild: dpa

Das Grimme-Institut in Marl hatte ein Problem. Die Unabhängigkeit des dort verliehenen Preises war bedroht. Jetzt ist die Sache vom Tisch. Doch die nächste Herausforderung wartet schon.

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          Es war ein langer Tag im Grimme-Institut. Eine Sitzung jagte die nächste an diesem Dienstag. Ein Geschäftsführer wurde verabschiedet, seine Nachfolgerin willkommen geheißen. Und ganz nebenbei und mittendrin musste ein Konflikt entschärft werden, von dessen Ausgang die Zukunft des Instituts und des weithin angesehenen Grimme-Preises abhing.

          Zwei Sitze in der Jury

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Der scheidende Geschäftsführer Uwe Kammann hatte bekanntlich mit dem Direktor der nordrhein-westfälischen Landesmedienanstalt LfM, Jürgen Brautmeier, einen Vertrag ausgehandelt, der dem Grimme-Institut eine Finanzierung von 850.000 Euro jährlich seitens der Medienanstalt eingetragen hätte. Im Gegenzug wollte die LfM zwei Personen für die Jurys des Grimme-Preises vorschlagen und zwei Vertreter in den Beirat des Instituts entsenden, der die Geschäftsführung berät. Dieser Plan ist nun vom Tisch.

          Er kam weder im Beirat noch im Aufsichtsrat von Grimme gut an – außer natürlich beim LfM-Chef Brautmeier, dessen Medienanstalt einer von sieben Gesellschaftern des Instituts ist. Aber es wollte niemand riskieren, dass der Grimme-Preis nur in den Ruch kommt, seine Unabhängigkeit zu verlieren, indem einer der Gesellschafter womöglich zu viel Einfluss nimmt. Eine Sonderstellung hat hier nur der Deutsche Volkshochschulverband (DVV), der das Grimme-Institut 1973 gegründet hat und dort in sämtlichen Gremien vertreten ist, auch in den Nominierungskommissionen und Jurys des Grimme-Preises.

          „Abstand zum Preisgeschehen“

          Die neue Grimme-Geschäftsführerin Frauke Gerlach, die am 1. Mai ins Amt kommt, soll den Vertrag mit der Landesmedienanstalt nun neu aushandeln. Die Maßgabe formuliert der Aufsichtsrat deutlich: Der Entwurf „für eine Rahmenvereinbarung zwischen dem Grimme-Institut und der Landesanstalt für Medien NRW“, heißt es da, „soll weiterentwickelt werden“. Bei der künftigen Zusammenarbeit sei „selbstverständlich jede Einflussnahme auf die Preisfindung ausgeschlossen. Die Unabhängigkeit von Nominierungskommissionen und Jurys bleibt unangetastet.“ Dies habe auch die Landesmedienanstalt bekräftigt. „In diesem Sinne wird die neue Geschäftsführerin des Grimme-Instituts beauftragt, in Verhandlungen mit der Landesanstalt für Medien NRW einzutreten, um den vorliegenden Vertragsentwurf mit Abstand zum Preisgeschehen weiterzuentwickeln.“

          „Mit Abstand zum Preisgeschehen“ – das ist der entscheidende Passus, mit dem die neue Grimme-Chefin, die in die vorherigen Verhandlungen nicht eingebunden war, nun arbeiten kann. Im Gespräch mit FAZ.NET zeigte sie sich zufrieden. „Es ist eine gute Entscheidung für die Unabhängigkeit der Grimme-Preise“, sagte Frauke Gerlach, „und ich bin sehr glücklich darüber. Ich werde jetzt in die Verhandlungen mit der LfM auf Grundlage dieser Entscheidung eintreten.“ Sie kann sich vorstellen, dass Grimme und LfM gerade beim Diskurs über Qualität in den Medien gut zusammenarbeiten.

          Die große Frage aber ist, ob es ihr gelingt, der LfM weiterhin 850.000 Euro abzuluchsen – 450.000 Euro für Projekte der Medienbildung, 400.000 Euro für den Grimme-Preis, so war es vorgesehen. Diese 400.000 Euro hatte bis dato die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen übernommen, nun soll sie die Landesmedienanstalt (die mit 18,8 Millionen Euro pro Jahr aus dem Rundfunkbeitrag finanziert wird) aufbringen.

          Einen weiteren wichtigen Schritt hat Frauke Gerlach in den ersten Tagen in ihrem neuen Job ebenfalls vor sich. Sie muss einen Nachfolger für den legendären Referenten des Grimme-Preises, Ulrich Spies, finden, der zum Ansehen der gesamten Veranstaltungen in den letzten Jahrzehnten beigetragen hat.

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