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Gratisfotos für Blogger : Getty für alle!

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Bitte bedienen Sie sich: Auf der Seite von Getty kann man zu vielen Fotos nun auch einen Quellcode finden, der in nicht-kommerziellen Kontexten die kostenlose Verwendung der Bilder erlaubt Bild: getty

Die Bilddatenbank Getty Images erweitert ihr Geschäftsmodell: Ab sofort können Blogger und Nachrichtenanbieter per Quellcode Millionen Bilder in ihre Seiten einbinden, ohne einen Cent dafür zu bezahlen.

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          Ob Konterfeis von Prominenten, Fotos von Großveranstaltungen oder werbetaugliche Abbilder hübsch in Szene gesetzter Familien: Nach eigenen Angaben ist die 1995 gegründete Bilddatenbank Getty Images der weltweit größte Anbieter für Archivfotos. Nachrichtenseiten, Werbeagenturen und Unternehmen greifen über den Anbieter auf Millionen von Fotos zurück und zahlen dabei, je nach Qualität und Auflösung, oft mehrere hundert Euro pro Bild, die Getty anteilig als Honorar an die Fotografen weiterreicht. Für private Blogs waren die Aufnahmen bisher meist unerschwinglich, sie wurden daher auch illegal genutzt. Das soll sich nun ändern. 

          Denn in der Nacht hat Getty Images ein neues Geschäftsmodell vorgestellt. Ab sofort bietet das Unternehmen für mehrere Millionen Fotos auch eine sogenannte Einbettungsfunktion an. Das Modell ist zum Beispiel von Youtube bekannt: Nutzer, die Getty-Bilder verwenden möchten, erhalten einen Quellcode, den sie auf ihrer Seite einbinden können.

          Das Foto wird danach zwar auf der Website oder dem Blog angezeigt, bereitgestellt wird es jedoch weiterhin auf einem Server von Getty. Die Agentur behält sich damit das Recht vor, das Foto jederzeit zu löschen oder zu verändern.

          Neue Datenkrake?

          Warum tut Getty das? Eine Motiv könnte die Aussicht auf Werbeeinnahmen sein: Ähnlich wie bei Youtube-Videos wäre es in Zukunft möglich, Anzeigentexte auf den Fotoflächen einzublenden. Zum zweiten könnte Getty über den Link theoretisch auf Daten der Website zugreifen – und zum Beispiel das Verhalten von Seitenbesuchern verfolgen und für weitere Werbung nutzen. Welche Daten genau erfasst werden und wie die Nutzung aussieht, halten die Geschäftsbedingungen recht offen. Dort heißt es nur: „Getty Images (oder von Getty Images beauftragte Dritte) sind berechtigt, Daten im Zusammenhang mit der Nutzung des eingebetteten Viewers und eingebetteter Getty Images-Inhalte zu erfassen, und behält sich das Recht vor, im eingebetteten Viewer Werbung anzuzeigen oder seine Nutzung anderweitig kommerziell auszuwerten, ohne Sie hierfür zu entschädigen.“

          Eine Konkurrenz zur kostenpflichtigen Datenbank soll das neue Modell nicht darstellen. Einerseits, weil die Fotos, die über die Codes eingebunden werden können, keine hohe Auflösung haben, mit klar erkennbarem Getty-Logo erscheinen und sich auch nicht bearbeiten lassen, was sie für viele Nutzer uninteressant machen soll. Zum anderen, weil sie nur für „nicht-kommerzielle Zwecke“ genutzt werden dürfen.

          Was genau unter „nicht-kommerziell“ zu verstehen ist, definiert das Unternehmen allerdings nicht. Wie verhält es sich zum Beispiel mit einem Mode-Blog, der Geld mit Produktplatzierungen erwirtschaftet und ein Foto posten will? Wie stuft man eine Nachrichtenseite ein, die Geld mit Banner-Anzeigen verdient? Oder den Facebook-Auftritt von Coca-Cola? Dazu hat das Unternehmen noch keine offizielle Stellungnahme abgegeben.

          Das Risiko für den Mut tragen die Fotografen

          Stattdessen nutzt Getty seine Pressemitteilung, um sich als spendables Unternehmen zu präsentieren: „Wir freuen uns, unsere umfangreiche und stetig wachsende Bildkollektion für das einfache und legale Sharen in einer neuen Weise zu öffnen, durch die sowohl unsere Kontributoren und Partner profitieren, als auch unsere Mission gefördert wird, eine bildreichere Welt zu ermöglichen“, erklärt darin Jonathan Klein, Mitbegründer und CEO von Getty Images.

          Ob der Schritt tatsächlich so mutig und großzügig ist, wie er auf dem ersten Blick erscheint, ist mit Einschränkungen zu betrachten. Denn das unternehmerische Risiko liegt zunächst einmal nicht bei Getty selbst, sondern bei den Fotografen, die von der Agentur nur eine anteilige Vergütung pro tatsächlich gekauftem Bild erhalten.

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