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Googles Kulturinstitut : So haben wir das ja noch nie gesehen

Fischauge sei wachsam: Bei Google wirkt manche Aufführung, als sei die Bühne ein Aquarium. Hier tanzt das Ballett der Pariser Opèra. Bild: Youtube/Opéra national de Paris

Erst Bilder, dann Theater, Ballett und Musik: Das Google Cultural Institute beamt die analoge Kultur ins Digitale. Jetzt machen auch die Berliner Philharmoniker mit. Aber lohnt sich die Aufführung auch?

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          Vorhang auf für Googles nächsten groß inszenierten Auftritt: Der Suchmaschienenriese betritt als Impresario die Bühne und bringt nun auch Schauspiel, Tanz, Oper, Aktionskunst und symphonische Musik in seinem digitalen Vielspartenhaus namens Google Cultural Lab zur Aufführung. Die Berliner Philharmoniker gehören dort ab sofort ebenso zum festen Ensemble wie die Staatsoper Unter den Linden, die Carnegie Hall, die Royal Shakespeare Company und die Pariser Oper.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          In der Sektion „Performing Arts“ soll das Publikum im Internet nicht nur Aufführungen der ganz Großen erleben, sondern virtuell dorthin gelangen, wohin Zuschauer im realen Leben oder Theater nicht kommen. Auf die Bühne zwischen ihre Pirouetten drehende Ballerinas, in die Sitzreihen der Musiker, die auf Sir Simon Rattles Einsatz warten, gleich neben den als Heinrich V. wütenden Alex Hassell. Den Weg in dieses 360-Grad-Erlebnis, bei dem der Betrachter seinen Standort per Mausklick festlegen kann, weist eine Variante von Google Street View durch das Innere der Häuser mit den großen Namen. Innen erwartet den Nutzer noch allerhand Zusatzmaterial: Tonaufnahmen, Bilder, Blicke ins Tonstudio und andere interaktive Spielereien.

          Warum macht Google das?

          Warum leistet sich Google ein solch aufwendiges, nicht kommerzielles Projekt, das mit hohem Aufwand produziert wird? Und warum machen die ganz Großen mit? Das Suchmaschinenunternehmen gibt sich als philanthropischer Mäzen. „Zugang zu Kultur zu schaffen, sie zu bewahren und zu fördern“ sei sein Ziel, sagte der Google-Aufsichtsrat Eric Schmidt, als er sich am Dienstag in Berlin die Ehre gab, um die Kooperation mit den Berliner Philharmonikern zu verkünden. Olaf Maninger, Solo-Cellist und Medienvorstand der Philharmoniker, bekannte, was sich das Orchester erhofft: größtmögliche Reichweite und Präsenz im Internet; mehr, als sie eine Website und die eigene Digital Concert Hall erreichen, in der die Berliner seit 2009 ihre Konzerte gegen Bezahlung online stellen.

          Was Kunstschaffende und Kulturgutbewahrer in die Arme Googles treibt, ist seit den ersten namhaften Kooperationen, die das Unternehmen für sein Cultural Lab schließen konnte, ausgemacht. Was Google spätestens seit 2004 wirklich treibt, auch. Damals ging es um Bücher, und der Konzern gab die Losung aus, alles, was jemals gedruckt wurde, in Google Books zu versammeln. Google, das allumfassende Weltgedächtnis in spe, saugte Daten aus Bibliotheken. Die gaben bereitwillig, weil viele ohnehin notorisch klamm sind und weder private noch staatliche Institutionen vergleichbare Mittel haben, riesige Textberge zu scannen. Harvard reichte Google die Hand, und in Deutschland wurde etwa die Münchner Staatsbibliothek Partner. Die meisten Sorgen machte man sich noch in Frankreich darüber, dass ein Privatunternehmen zum Hüter des Welterbes aufstieg.

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