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Nacktheit auf Album-Covern : Google zwingt Musikmagazine im Netz zur Zensur

  • -Aktualisiert am

Lambchop verwendeten Michael Peeds „New Orleans Police Beating“ als Cover für ihr Album „OH“ Bild: FAZ.NET

Google hat ein preisgekröntes Online-Musikmagazin dazu aufgefordert, Albumcover zu zensieren. Sollten die Betreiber der Seite dem nicht nachkommen, droht der Konzern mit dem Ausschluss aus der Werbevermarktung.

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          Wie die BBC am Mittwoch berichtete, habe sich Google an die Betreiber des Musikmagazins „Drowned In Sound“ gewandt und diese aufgefordert, Albumcover mit Nacktdarstellungen zu zensieren. Sollte dies bis Freitag nicht geschehen sein, werde Google die Seite aus seinem Programm zur Werbevermarktung ausschließen, erklärte „Drowned In Sound“-Gründer Sean Adams im Gespräch mit BBC Newsbeat. „Als kleines Musikmagazin können wir auf diese Einnahmen nicht verzichten“, so Adams. Das Magazin finanziere sich zu 20 Prozent aus Google-Werbeanzeigen, Leser erreichten die veröffentlichten Artikel zu 40 Prozent über die Suchfunktion von Google.  

          Aus Sicht Googles zeigten die beanstandeten Albumcover eindeutig sexuelle Akte und müssten deshalb als pornographisch eingestuft werden. „Das sind Albumcover, sie sind für den Musiker ein Ausdruck von Kunst“, sagte hingegen Adams. Betroffen seien unter anderem die Cover von Alben der Bands Lambchop und Sigur Rós. Erstere verwendeten ein Gemälde des Künstlers Michael Peed mit dem Titel „New Orleans Police Beating“ für ihr Album „OH“. Die titelgebende Schlägerei ist durch das offene Fenster hinter einem für Google „pornographisch“ dargestellten Liebespaar zu sehen. Die Aufforderung sei lächerlich, einen Streit mit dem Unternehmen könne er sich aber nicht leisten, erklärte Adams.

          Für Youtube gelten andere Gesetze

          In einem Statement äußerte sich Google zwar nicht zu diesem speziellen Fall, verwies jedoch auf die allgemeinen Geschäftsbedingungen, nach denen es keine Internetseiten mit „Erwachseneninhalten“ unterstütze. Ironischerweise kann ein Großteil der anderswo zensierten Cover weiter bei der Google-Tochter Youtube aufgerufen werden. 

          Wie die meisten Musikmagazine im Online-Bereich lebt „Drowned In Sound“ hauptsächlich von den Beiträgen unbezahlter Autoren und ist nicht kommerziell ausgerichtet. Die Seite hat über 55.000 Fans bei Facebook und wurde in den letzten Jahren mehrfach ausgezeichnet.

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