Google plant mobile Video-Überwachung : Die App für Diktatoren
Wie wäre das: Auf der Demo kurz das Handy in die Höhe gereckt und ein Video aufgenommen, schon werden die Sicherheitsbehörden alarmiert. Die könnten dann auch gleich Zugriff auf den Datenspeicher haben, in den die Videos und vielleicht auch Fotos automatisch hochgeladen wurden. Nicht nur die eigenen, sondern die aller anderen Smartphone-Fotografierer drum herum gleich mit. Doch keine Sorge, die Leute von – sagen wir mal – der NSA oder des weißrussischen Autokraten Lukaschenka bekämen keine in trauter Zweisamkeit gedrehten Videos zu Gesicht. Das kleine Programm auf dem Mobiltelefon würde nur anspringen, wenn viele Menschen gleichzeitig ihre Handykameras zücken. Und während draußen schon Polizeieinheiten in die Wagen sprängen, liefe im Rechenzentrum der Behörden längst die Gesichtserkennungssoftware über das reiche Datenmaterial.
Viele Handyvideos vom selben Ort, dann gibt es Alarm
Was nach Überwachungsparanoia oder Schurkenstaat-Thriller klingt, ist nur eine mögliche künftige Anwendung für ein Programm, das Google gerade zum Patent angemeldet hat. Es soll, so heißt es im US-Patentantrag 20140025755, geeignet sein „herauszufinden, dass wahrscheinlich ein Ereignis von Interesse stattgefunden hat“. Eine öffentliche Versammlung etwa, eine Popkonzert oder auch ein Unfall. Wann immer Menschen in großer Zahl zusammenkommen, soll das Programm Meldung an Dritte geben. Potentielle Empfänger? Strafverfolgungsbehörden. Sie nennt Google an erster Stelle, um noch Zeitschriftenverlage und Blogs nachzuschieben. Dabei dürfte die Idee vor allem für Sicherheitsdienste interessant sein.
Sie beruht auf dem automatischen Upload von Videos. Registriert das System, so ist es gedacht, eine bestimmte Anzahl Clips mit ähnlichen Zeitangaben und Geodaten, schlägt es Alarm – und könnte dann das, was heute schon der Partymodus bei Google+ leistet, in dem Partygänger live ihre Bilder teilen, mit den Zielen flächendeckender Kameraüberwachung verschmelzen. Diagramme im Patentantrag legen zwar nahe, dass es für Handynutzer Möglichkeiten geben sollte, dem Upload und der Meldung zu widersprechen. Aber je nachdem, wo das System zum Einsatz käme, ließe sich diese sicher am leichtesten aushebeln. Zum Beispiel mit dem Argument einer terroristischen Bedrohung.

