https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/google-plant-mobile-video-ueberwachung-die-app-fuer-diktatoren-12778888.html

Google plant mobile Video-Überwachung : Die App für Diktatoren

Woran erkennt man eine Demonstration? Daran, dass viele Handys am gleichen Ort sind, wie hier auf einer Kundgebung für die Homo-Ehe in Caracas, Venezuela, am Freitag Bild: dpa

Ein Handyprogramm, das den Sicherheitsbehörden meldet, wo sich Menschen versammeln: Was Google gerade zum Patent anmeldet, klingt wie von Potentaten ersonnen.

          1 Min.

          Wie wäre das: Auf der Demo kurz das Handy in die Höhe gereckt und ein Video aufgenommen, schon werden die Sicherheitsbehörden alarmiert. Die könnten dann auch gleich Zugriff auf den Datenspeicher haben, in den die Videos und vielleicht auch Fotos automatisch hochgeladen wurden. Nicht nur die eigenen, sondern die aller anderen Smartphone-Fotografierer drum herum gleich mit. Doch keine Sorge, die Leute von – sagen wir mal – der NSA oder des weißrussischen Autokraten Lukaschenka bekämen keine in trauter Zweisamkeit gedrehten Videos zu Gesicht. Das kleine Programm auf dem Mobiltelefon würde nur anspringen, wenn viele Menschen gleichzeitig ihre Handykameras zücken. Und während draußen schon Polizeieinheiten in die Wagen sprängen, liefe im Rechenzentrum der Behörden längst die Gesichtserkennungssoftware über das reiche Datenmaterial.

          Viele Handyvideos vom selben Ort, dann gibt es Alarm

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

          Was nach Überwachungsparanoia oder Schurkenstaat-Thriller klingt, ist nur eine mögliche künftige Anwendung für ein Programm, das Google gerade zum Patent angemeldet hat. Es soll, so heißt es im US-Patentantrag 20140025755, geeignet sein „herauszufinden, dass wahrscheinlich ein Ereignis von Interesse stattgefunden hat“. Eine öffentliche Versammlung etwa, eine Popkonzert oder auch ein Unfall. Wann immer Menschen in großer Zahl zusammenkommen, soll das Programm Meldung an Dritte geben. Potentielle Empfänger? Strafverfolgungsbehörden. Sie nennt Google an erster Stelle, um noch Zeitschriftenverlage und Blogs nachzuschieben. Dabei dürfte die Idee vor allem für Sicherheitsdienste interessant sein.

          Sie beruht auf dem automatischen Upload von Videos. Registriert das System, so ist es gedacht, eine bestimmte Anzahl Clips mit ähnlichen Zeitangaben und Geodaten, schlägt es Alarm – und könnte dann das, was heute schon der Partymodus bei Google+ leistet, in dem Partygänger live ihre Bilder teilen, mit den Zielen flächendeckender Kameraüberwachung verschmelzen. Diagramme im Patentantrag legen zwar nahe, dass es für Handynutzer Möglichkeiten geben sollte, dem Upload und der Meldung zu widersprechen. Aber je nachdem, wo das System zum Einsatz käme, ließe sich diese sicher am leichtesten aushebeln. Zum Beispiel mit dem Argument einer terroristischen Bedrohung.

          Weitere Themen

          Bilder des „Jüngsten Tages“

          Arte-Doku „Kabul Airport“ : Bilder des „Jüngsten Tages“

          Die erschütternde HBO/BBC/Arte France-Dokumentation „Kabul Airport“ erzählt die achtzehn Tage der Evakuierungs-Luftbrücke im August 2021 und von einer Rettungsaktion, die in einer humanitären Katastrophe endete.

          Sex sells: So liebt Deutschland

          F.A.Z.-Reihe „Junge Köpfe“ : Sex sells: So liebt Deutschland

          Wie steht es um das Liebesleben der Deutschen? Das wollten wir von der Prostituierten und Kolumnistin Salomé Balthus in unserer Veranstaltungsreihe „Junge Köpfe“ wissen. Die Highlights des Abends im Video.

          Topmeldungen

          Schlagabtausch nach der Italien-Wahl: Markus Söder (links), CSU-Vorsitzender und bayerischer Ministerpräsident, und Manfred Weber (CSU), Vorsitzender der EVP-Fraktion, hier am 7. März in der CSU-Parteizentrale in München

          Söder gegen Weber : Und der Machtkampf lodert wieder

          Nach der Wahl in Italien gibt es Streit in der CSU: Manfred Weber unterstützte Berlusconis Forza Italia – und erntet nun harsche Kritik von Markus Söder. Wie konnte es dazu kommen?
          Designierte Ministerpräsidentin: Giorgia Meloni, am Montag in Rom

          Nach der Italien-Wahl : Erste Konflikte in Melonis Bündnis

          Die italienische Wahlbehörde bestätigt die klare Mehrheit für Giorgia Melonis Rechtsbündnis. Dass die designierte Ministerpräsidentin Lega-Chef Salvini keinen Posten im Kabinett anbieten will, sorgt für Spannungen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.