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Datenjournalismus : Google manipuliert das 7:1 der Deutschen

Wir suchen und Google wählt aus: In manchen Fällen zeichnet der Internetkonzern dann eine schöne neue Welt. Bild: AFP

Der Datenkonzern hat in San Francisco ein „experimentelles“ Infozentrum aufgebaut. Darin werden Nachrichten gemacht. Sie folgen einer bestimmten Ideologie. Den Sieg der Deutschen gegen Brasilien stellten die Google-Leute in einer verqueren Weise dar.

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          Was ist die Nachricht? Was ist keine? Wie wird sie formuliert? Wer, wann, wo, was und warum – damit beschäftigen sich Journalisten den ganzen Tag. Das ist ihr Job. Auch bei Google werden Nachrichten gemacht, allerdings nach einem ganz besonderen System, das eine Reporterin des amerikanischen National Public Radio (NPR) jetzt beschrieben hat.

          Bitte alles schön positiv

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Aarti Shahani hat den „experimental newsroom“ von Google in San Francisco besucht und festgestellt, dass das Jahrhundertspiel, in dem die deutsche Nationalmannschaft Brasilien bei der Fußball-WM mit sieben zu eins Toren geschlagen hat, kein Thema ist. Zumindest keines, das man mit kraftvollen, eventuell negativ klingenden Begriffen in Verbindung bringen darf. Google setzt vielmehr auf ein firmeneigenes Neusprech – alles muss schön positiv klingen.

          Es ist also, wie Aarti Shahani berichtet, nichts mit Vokabeln wie „zerstören“, „besiegen“ oder „erniedrigen“. Mag die Niederlage der Brasilianer noch so vernichtend gewesen sein, entsprechend beschreiben darf man das bei Google nicht. Dazu muss man wissen, dass Google für seine Nachrichtengebung selbstverständlich tonnenweise Daten schürft, um herauszufinden, nach welchen Begriffen die Internet-Nutzer zu einem bestimmten Thema gerade suchen, um dann in Echtzeit die darauf abgestimmten Informationen anzubieten und den Such-Algorithmus entsprechend anzupassen.

          In Deutschland stellten viele die Frage nach dem höchsten Sieg bei einer Weltmeisterschaft. Kein Wunder, will doch jeder wissen, ob es so etwas wie dieses Sieben-zu-eins bei einer WM schon einmal gegeben hat, zumal in einem Halbfinale. In Brasilien wiederum tauchten nach dem fünften Tor der Deutschen zunehmend negative Begriffe auf. Die Niederlage als eine einzige große „Schande“ - das war das Stichwort des Tages.

          Kein Salz in die Wunde

          Das Nachrichtenteam von Google entschied sich aber nun dafür, genau das eben nicht zum „Trend des Tages“ zu machen – obwohl er es war. Und das machte die Reporterin Aarti Shahani selbstverständlich stutzig. Die von den Nutzern verwendeten Begriffe seien einfach „zu negativ“, wurde ihr erklärt. Man wolle nicht auch noch Salz in die Wunde der Brasilianer reiben. Ist schon klar: Mit seinen „News on demand“ möchte Google in den sozialen Netzwerken punkten, bei Facebook, bei Twitter und da sind Info-Glückskekse einfach angesagt, bittere Pillen eher nicht.

          In der Welt des professionellen Nachrichtenjournalismus nennt man so etwas allerdings Manipulation. Den alten Lehrsatz „only bad news is good news“ verkehrt Google ins Gegenteil und beschreibt uns eine schöne neue Welt. Die mit der Realität nichts zu tun hat.

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